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Bull-etin Zug

Ausgerechnet im Vorfeld der Playoffs ist der EV Zug in eine sportliche Krise geschlittert. Es ist die grösste sportliche Flaute seit dem Amtsantritt von Headcoach Dan Tangnes 2018. Nun wartet im Playoff-Viertelfinal der SC Bern und in jenen Playoffs beginnt bekanntlich alles bei null. Kann die Mannschaft den vielfach zitierten Schalter umlegen?

PostFinance/KEYSTONE/Peter Klaunzer

Eine Krise kommt nie gelegen und es gibt auch keinen idealen Zeitpunkt für eine sportliche Flaute. Wenn es aber einen denkbar ungünstigen Moment gibt, ist es jener kurz vor den Playoffs. Ausgerechnet in den letzten zehn Spielen vor den Playoffs ging das Team um Captain Jan Kovar neun Mal als Verlierer vom Eis. Es ist ohne Zweifel die grösste sportliche Krise, seit Dan Tangnes Headcoach ist. Für die sportliche Krise gab es mehrere Gründe:

Verletzungshexe: Die Mannschaft wurde von einem unglaublichen Verletzungspech heimgesucht. Mit Livio Stadler, Lukas Bengtsson, Niklas Hansson und Tobias Geisser fehlten zuletzt vier Verteidiger und mit Riley Sheen, Brian O’Neill und Gregory Hofmann drei Stürmer. Riley Sheen feierte im letzten Qualifikationsspiel in Lausanne sein Comeback. Im Idealfall sind auch Stadler, Bengtsson, Hansson und Geisser zum Playoff-Beginn wieder fit. Für Gregory Hofmann ist die Saison seit Mitte Februar zu Ende und dass Brian O’Neill noch in dieser Saison sein Comeback geben wird ist unwahrscheinlich.

Formtief von Führungsspielern: Die Verletzungshexe alleine ist aber keine Ausrede für die teilweise lustlos wirkenden und desolaten Auftritte, welche in hohen Niederlagen mündeten. Fast noch fataler war die Formkrise von Führungsspielern. Captain Jan Kovar wirkt schon seit Monaten nicht fit und kämpft mit sich selber. Marc Michaelis, Fabrice Herzog und Dario Simion sind zwar bemüht, aber von den drei Stürmern kommt seit Wochen wenig Zählbares. Lino Martschini und Andreas Wingerli können zwar vereinzelt Akzente setzen, aber ihre Formkurve gleicht einer Achterbahnfahrt im Europa-Park. Attilio Biasca ist nach einem starken Start in seine erste NL-Saison komplett untergetaucht und Neuzugang Andreas Eder brauchte eine lange Anlaufphase, um in Schwung zu kommen. Unter diesen Umständen ist es die logische Folge, dass die Verletzungsprobleme nicht kompensiert werden können.

Fehlende Emotionen: Für viele Fans war diese sportliche Misere auch aufgrund der Art und Weise, wie sie zustande kam, nur schwierig zu akzeptieren. Dabei ist die fehlende physische Härte in den Zweikämpfen das eine, fehlende Emotionen das andere. So etwa blieb ein offensichtlicher Rempler gegen Torhüter Luca Hollenstein im Spiel gegen die ZSC Lions unbeantwortet und gegen Lausanne war es etwa der erst 17-jährige Leon Muggli, welcher in einer Rudelbildung Gegenwehr bieten musste. Und es ist bezeichnend, dass dessen Bruder Tim vielfach bei Keilereien an vorderster Front anzutreffen ist.

Playoff-Duell gegen den SC Bern – jetzt erst recht!

Durch die Krise hat der EVZ den fast schon sichergeglaubten dritten Tabellenrang verloren. Nun wartet im Playoff-Viertelfinal der wiedererstarkte SC Bern auf die Kolinstädter. Die letzten Qualifikationsspiele gaben nicht wirklich Grund dazu, positiv gestimmt in die Playoffs zu steigen. Die potenzielle Rückkehr vieler verletzter Spieler ist jedoch ein guter Grund, etwas optimistischer zu sein als auch schon.

Ausserdem sollte man an dieser Stelle nicht vergessen, dass in den Playoffs alles bei null beginnt. Die Leistungen aus der Qualifikation haben keine Relevanz mehr und die Mannschaft kann den Restart-Knopf betätigen. Wenn sie von der ersten Minute im ersten Spiel an bereit ist, um jeden Puck kämpft und alles gibt, ist die sportliche Misere der letzten Wochen wie weggeblasen. Der EV Zug hat immer noch Chance, die Saison erfolgreich zu gestalten. Die Mannschaft kann nun beweisen, dass sie aus dieser Krise gestärkt hervorgeht. Spielt das Team erfolgreiche Playoffs, wird man diese Niederlagenserie ohnehin schnell wieder vergessen können. Je nachdem, wie weit das Team in den Playoffs vorstossen kann, wird man sie vielleicht sogar mit einem Lächeln im Nachgang betrachten können.

Ohnehin sollte man einen Umstand nicht ausser Acht lassen: Seit Dan Tangnes 2018 die Mannschaft übernommen hat, war die Mannschaft immer dann bereit, wenn es darauf ankam. Das galt selbst letztes Jahr, als man nach einer verkorksten Qualifikation erst im letzten Moment die direkte Playoff-Qualifikation schaffte. Der Coaching Staff um Dan Tangnes wird es auch dieses Mal verstehen, die Mannschaft pünktlich zum Playoff-Start perfekt einzustellen. Tritt dieser Fall ein, könnten die Playoffs 2024 ein Erfolg werden – trotz zuletzt grosser, sportlicher Krise wohlgemerkt.

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