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Bull-etin Zug

Wer kennt diesen Gedanken nicht: «Wo spielt eigentlich Spieler XY mittlerweile?». Viele Spieler haben den EV Zug verlassen und sind mittlerweile von der Bildfläche verschwunden. Entweder, weil sie ihre Karriere beendet haben, weil sie wieder im Ausland spielen oder weil sie unterklassig spielen. Heute richten wir den Fokus auf Verteidiger Johann Morant und Stürmer Nick Shore. 

PPR/Patrick B. Kraemer

Johann Morant (37 Jahre) – vom Prügelknaben zum soliden Defensivverteidiger

Position: Verteidiger
Beim EVZ: 2014 – 2020
Statistik: 252 Spiele, 37 Skorerpunkte (9 Tore) / 499 Strafminuten
Ohne Verein seit dem Ende der Saison 2021/22

Der Franzose mit Schweizer Spiellizenz machte beim EV Zug eine bemerkenswerte Entwicklung durch. Unter der Regie von Harold Kreis und Dan Tangnes entwickelte er sich vom scheinbar unbelehrbaren Prügelknaben zum soliden Defensivverteidiger. So solide, dass ihn die ZSC Lions 2020 im bescheidenen Alter von 34 Jahren holten. Aber der Reihe nach.

2019 wird er mit dem EVZ Cupsieger und holt somit den einzigen Titel seiner Profikarriere. Morant holte in sechs Jahren zwar bemerkenswerte 499 Strafminuten und wurde zwei Mal gesperrt. Trotz seiner Entwicklung leistete sich Morant aber immer wieder Aussetzer. Unvergessen bleibt sein Disput mit dem damaligen Genf-Verteidiger Will Petschenig im Januar 2017. Bei einer Keilerei vor dem Zuger Tor beisst Morant während eines Infights dem Genfer Verteidiger in die rechte Seite im Bereich der Rippen! Ein Vorfall, der damals über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen sorgte (die Geschichte dazu findest du hier

Viel mehr waren es Verletzungen, die ihn immer wieder ausbremsten. 2014 wechselt er vom Lausanne HC zum EVZ und verpasste seine erste EVZ-Saison 2014/15 aufgrund einer Knieverletzung fast komplett. Auch in den darauffolgenden Jahren fiel er immer wieder aus und konnte nie eine komplette Saison bestreiten.
2020 wechselt er zu den ZSC Lions. Bei den Lions bestreitet er in seiner ersten Saison 38 Spiele – bis ihn eine gravierende Trainingsverletzung im März 2021 ausbremst. Der Routinier zieht sich einen Kreuz- und Innenbandriss zu. Diese erneute, schwere Knieverletzung sollte für ihn das Karriereende bedeuten. Zunächst ist von einer monatelangen Pause die Rede. Im Dezember 2021 wird bekannt, dass sich Morant einer zweiten Operation unterziehen muss und daher in der Saison 2021/22 nicht spielen kann. Im Frühjahr 2022 läuft sein Vertrag bei den Lions aus und wird nicht verlängert. Im Juni 2022 sagt er in einem Interview mit der Zeitung Le Quotidien Jurassien: «Weiterspielen ja, aber nicht um jeden Preis!» Zu einem Comeback sollte es aber nicht kommen. Offiziell hat er sein Karriereende nicht verkündet, eine Rückkehr in den Profisport scheint aber höchst unwahrscheinlich.

Nick Shore (30 Jahre) – das perfekte Puzzleteil für den Meistertitel 2021

Position: Center
Beim EVZ: Januar 2021 - 2021
Statistik: 35 Spiele, 35 Skorerpunkte (9 Tore) / 26 Strafminuten
Spielte zuletzt bei HV71, Zukunft ab der Saison 2023/24 ungewiss

Der gelernte Center verstärkte Mitte Januar 2021 den EVZ, nachdem die zeitweilige kanadische Leihgabe Ryan McLeod aufgrund des Starts der neuen NHL-Saison zu den Edmonton Oilers zurückkehren musste. Der US-Amerikaner hatte jene Saison 2020/21 mit einem kurzen Gastspiel in der Slowakei bei HK Dukla Trencin (fünf Spiele, zehn Skorerpunkte) begonnen. Der Bruder von Ex-ZSC-Stürmer Drew Shore hat aber auch eine durchaus ansehnliche NHL-Karriere vorzuweisen. Er wurde 2011 in der 3. Runde an 82. Stelle von den LA Kings gedraftet und feierte in der Saison 2014/15 sein NHL-Debüt. In jener Saison gewann er mit dem AHL-Team Manchester Monarchs den Calder Cup. Ab 2015 war bis zu seinem Trade zu den Ottawa Senators im Februar 2018 gesetzt. Nach gerade einmal zwölf Tagen und total sechs Spielen (ein Assist) ging es für ihn weiter zu den Calgary Flames, wo er die Saison zu Ende spielte.

Nach einem KHL-Gastspiel in der Saison 2018/19 bei Metallurg Magnitogorsk (43 Spiele, 21 Skorerpunkte) kehrte er im Sommer 2019 in die NHL zurück und unterschrieb bei den Toronto Maple Leafs. Im Dezember 2019 holten ihn die Winnipeg Jets von den Waivers, aber auch da konnte er nicht an frühere Leistungen anknüpfen. Insgesamt bestritt er 304 NHL-Spiele (59 Skorerpunkte) sowie 129 AHL-Spiele (99 Skorerpunkte). Nicht viele Spieler, welche nicht zu den Stars der Liga gehören, können von sich behaupten mehr NHL- als AHL-Spiele bestritten zu haben.

Zurück zu seinem EVZ-Engagement – wo er seine Klasse eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Shore war kein auffälliger Spieler, dennoch war er genau das fehlende Puzzle-Teil auf dem Zuger Weg zum Meistertitel. Auf dem Weg zum ersten Zuger Meistertitel seit 23 Jahren steuerte Shore in 35 Spielen 35 Skorerpunkte bei, ein sehr starker Wert. Trotzdem erweckte es den Eindruck, als hätte er hinter den omnipräsenten Import-Stars Jan Kovar, Carl Klingberg und Justin Abdelkader nicht jene Anerkennung bekommen, welche er zweifelsohne verdient gehabt hätte.
Obwohl der EVZ in der darauffolgenden Saison aufgrund des Hofmann-Abgangs einen Importspieler mehr einsetzen durfte, erhielt Shore keinen neuen Vertrag. Grund dafür war allen voran der Umstand, dass die Zuger nach dem Abgang der beiden Abwehrchefs Raphael Diaz und Santeri Alatalo zwei Import-Verteidiger benötigte.
Mit dem Meistertitel im Gepäck kehrte in die KHL zurück und unterschrieb bei Sibir Novosibirsk (49 Spiele, 26 Skorerpunkte). Wie so viele Spieler entschied sich aber auch Shore, nach Ablauf der Saison Russland zu verlassen – und wechselte in die Schweiz. Etwas überraschend schlug Shore seine Zelte im Sommer 2022 beim HC Ambri-Piotta auf.

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Nick Shore - hier im HCAP-Dress - spielte beim Titelgewinn 2021 eine wichtige Rolle. 

Als grosse Hoffnung verpflichtet, entwickelte sich das Engagement nicht wie gewünscht. Shore hinkte seiner Topform hinterher, weshalb die Zusammenarbeit Mitte Dezember 2022 vorzeitig beendet wurde. Shore zog weiter nach Schweden zu HV71, wo er seine Form wiederfand und einen starken Saisonendspurt hinlegte. 
Wie seine Zukunft aussehen wird, ist noch unklar. Bei HV71 wird er keinen neuen Vertrag erhalten.

Was nur wenige wissen dürften: Shore spielte äusserst erfolgreich für US-amerikanische Nachwuchsauswahlen. 2009 holte er als teaminterner Topskorer an der Seite von späteren NHL-Grössen wie Jason Zucker und Brandon Saad (zweifacher Stanley-Cup-Champion 2013 und 2015 mit Chicago) mit der U17-Auswahl die WM-Bronze-Medaille. Ein Jahr später war er bei der U18-Weltmeisterschaft erneut teaminterner Topskorer und holte mit seinem Team den Weltmeistertitel. Bis zu seinem Debüt in der Nationalmannschaft musste sich Shore bis 2022 gedulden, dafür erlebte er gleich ein Highlight. Weil bei Olympia die NHL-Stars fehlten, wurden Spieler aus den anderen Ligen nominiert, darunter auch Nick Shore und der heutige EVZ-Stürmer Brian O’Neill.

Was machen eigentlich...?

In loser Folge nehmen wir Spieler unter die Lupe, welche in Vergangenheit beim EV Zug spielten und schauen darauf, was sie nach ihrem EVZ-Engagement erreicht haben. Untenstehend findet ihr die vergangenen Beiträge zu diesem Thema. 

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