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NHL Observer

Für NHL-Profis, die den Cut nicht überstehen, wird es 2022 schwieriger als in den Jahren zuvor, sich einen Top-Vertrag in Europa zu angeln. Mögen die Protagonisten noch so prominent sein.

Viele NHL- und AHL-Profis haben im Spätsommer noch eine reelle Chance auf einen NHL-Vertrag. Aber: Man könnte auch einem der letzten so genannten Cuts zum Opfer fallen und für die kommende Saison keinen NHL-Platz erhalten. Welche Optionen bleiben? Die AHL oder der Sprung nach Europa? Die Sportchefs und Kaderplaner/innen der Clubs aus den besten Ligen Europas werden also in Kürze überschwemmt werden mit spannenden Angeboten. Aber wird es dann überhaupt noch Plätze geben?

Ein Risiko und eine Chance zugleich: Der Professional Tryout Contract

Gegenwärtig müssen Dutzende NHL-Spieler sich dieser Situation stellen und versuchen zudem mittels Tryouts die Cheftrainer zu überzeugen. Sie sind oft auch ausgestattet mit einem so genannten Professional Tryout Contract (PTO). Sie hoffen darauf, dass ihr PTO-Vertrag zum normalen NHL-Rahmenvertrag wird. Viele haben bereits proaktiv eine eigene Entscheidung getroffen, wie beispielsweise der ehemalige Dallas Stars-Spieler Michael Raffl, der sich erst gar nicht dieser Unsicherheit aussetzen wollte und gleich einen lukrativen Vertrag beim Lausanne HC in der Schweiz unterschrieb. Ähnlich erging es Frédérik Gauthier, der sich den letzten Platz im Sechser-Ausländerkontingent beim HC Ajoie in der Schweiz sicherte. Da ging es auch um das richtige Timing, denn die Clubs aus den besten Ligen Europas und mit den besten Lohnstrukturen füllen ihre Kontingente für die Imports. Den gleichen Gedanken hatte ja auch Marc Michaelis, der bei den SCL Tigers frühzeitig unterschrieb, so lange noch die Plätze vorhanden waren im Ausländerkontingent. Andere, wie beispielsweise Sam Anas, befinden sich noch in einem Entscheidungsprozess. Der 29-Jährige ist in der AHL einer der Topstars (Springfield Thunderbirds) und muss entscheiden, ob er das NHL-Tryout-Abenteuer wagt und gegebenenfalls wieder in die AHL zurückkehrt oder eine der Offerten aus Europa annehmen soll.

Die Aussicht auf Erfolg bei einem Tryout ist vorhanden. Besonders bei jenen, die bereits einschlägige NHL-Erfahrungen gesammelt haben. So haben beispielsweise 2021 Alex Chiasson, Brian Boyle, Tyler Ennis, Colton Sceviour, Frédérik Gauthier, Alex Galchenyuk oder Jimmy Vesey (um nur einige zu nennen...) und sogar auch der nachmalige Stanley-Cup-Sieger Jack Johnson sich über einen Professional Tryout Contract für einen Vertrag bei einem NHL-Arbeitgeber empfohlen. Zumindest für die Saison 2021/22.

Schweiz als Traumdestination – aber die Plätze sind nach den Tryouts in Nordamerika bereits vergeben

Besonders beliebt als Europa-Destinationen bei den Imports sind Schweden, Finnland und die Schweiz. Dies aufgrund der offerierten Saläre und dem Gesamtpaket, welches unter anderem die Lebensqualität, die Arbeitsbedingungen, die Familienfreundlichkeit und weitere flankierende Angebote seitens des Clubs beinhalten. Danach kommen als Prioritäten auf den Wunschlisten Deutschland, Tschechien und die Slowakei und schliesslich auch die ICE Hockey League. Seitdem Ukraine-Krieg ist die KHL keine Wunschdestination mehr. Nicht einmal mehr, wenn weiterhin hohe Saläre offeriert werden, was die KHL so attraktiv machte.

Etwas ist jedoch ganz anders als in den Jahren zuvor: Die PTO-Profis, welche in der NHL im Spätsommer keinen Vertrag mehr unterschrieben können, dürfen sich nicht mehr darauf verlassen, dass noch Plätze frei sind. Seit Monaten drängen nämlich ehemalige KHL-Spieler auf den Markt und finden Top-Arbeitgeber. Dies gilt besonders für jene von Jokerit Helsinki und generell für die Eishockeyprofis aus Finnland.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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