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NHL Observer

Trotz grossen Sympathien für 'Nucks' hoffen die meisten Kanadier beim innerkanadischen Zweitrunden-Duell auf die Edmonton Oilers. Warum ist das so?

Rivalität war gestern – die kanadischen Eishockeyfans, die ja normalerweise viel von Tradition und gepflegter historisch gewachsener Rivalität halten, sind pragmatisch geworden. Seit 1993 (Montreal) hat kein Team, das im Heimatland des Eishockeys beheimatet ist, den Stanley Cup gewonnen. Dabei war dies vor 1993 mehr die Regel als Ausnahme. War man noch in den 90ern und Anfangs der 2000er-Jahre im Westen Kanadas schadenfreudig, wenn einer der Rivalen Edmonton Oilers, Calgary Flames oder Vancouver Canucks in den Playoffs nicht reüssierten, so war bereits im Jahr 2004 die kanadische Eishockey-Community geschlossen hinter den Calgary Flames in den Finalspielen gegen die Tampa Bay Lightning – inklusive der Oilers-Fans. So etwas wäre früher nie denkbar gewesen. Auch 2006 haben die Flames-Fans inklusive ganz Kanada dann hinter den Oilers gestanden, als es gegen die Carolina Hurricanes ging. Und dies, obwohl auch hier wieder wie zwei Jahre zuvor einige der beliebtesten kanadischen NHL-Stars beim Gegner spielten. Ein Jahr später jubelten alle den Ottawa Senators zu – inklusive der rivalisierenden Fans aus Toronto und Montreal. Und auch 2021 waren die Kanadier allesamt hinter den „Habs“, als diese in den Finalspielen gegen Tampa Bay nach dem Pokal griffen.

Rivalitäten und Animositäten beiseitegelegt

Dieses Trauma müsse überwunden werden und da hätten die Rivalitäten keinen Platz, sagt die Eishockey-Community in Kanada. So passiert es, dass man in Montreal mit den „Playoff-Versagern“ aus Toronto mitleidet. Und heuer kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Nicht etwa die Sympathien für ein bestimmtes Team sind entscheidend, ob man einem Team hilft, sondern der Pragmatismus. Das wird auch wissenschaftlich unterstützt durch Studien des bekannten Angus Reid Institutes: Dort wurde klar eruiert, dass sich die Kanadier ganz einfach wünschen, dass jenes Team in den Playoffs weit kommt, welches den Stanley Cup auch gewinnen könne. Interessant ist zudem, dass vor knapp acht Jahren fast 60 Prozent der Kanadier angaben, dass es ihnen egal sei, welches Team die Durststrecke beendet. Mittlerweile sagen dies zwei Drittel aller Kanadier/Innen.

Den Oilers wird mehr zugetraut

So kann es passieren, dass aktuell die meisten Kanadier/Innen auf die Edmonton Oilers hoffen im Zweitrunden-Direktduell gegen die Vancouver Canucks. Dies, obwohl die Sympathien landesweit sogar eher auf Seiten der 'Nucks' als Aussenseiter und gewissermassen als Cinderella-Team der Saison 2024 liegen. Was aber auch eine Rolle spielt ist die Zusammenstellung der Kader: Während die Oilers ligaweit zusammen mit den Montréal Canadiens die meisten Kanadier im Kader haben (20 Spieler), sind es bei den Canucks nur deren vier Stammspieler. Auch dieses Detail spielt eine Rolle bei der Sympathieverteilung. Ganz wichtig jedoch ist der Umstand, dass man den Oilers ganz einfach aufgrund der Dominanz ihrer Schlüsselspieler mehr zutraut, den Halbfinal- (Dallas oder Colorado) und allenfalls dann den Finalgegner zu besiegen.

Interessant waren weitere Aspekte bei der Studie des Institutes: Auf die Frage, welches kanadische Team ihrer Meinung nach die grösste Stanley-Cup-Siegchance habe, waren zum Playoff-Start zu 21 Prozent die Toronto Maple Leafs und mit 20 Prozent die Edmonton Oilers vorne. Und dies trotz der leidigen Playoff-Historie der „Leafs“. Mittlerweile ist man der Meinung, dass die Oilers wohl das Team sei, welches den Stanley-Cup-Fluch besiegen könne.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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