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NHL Observer

Alle Jahre wieder zum Start der NHL-Playoffs steht die Frage im Raum: Welches im Mutterland des modernen Eischockey beheimatete Team kann den nunmehr seit 1993 andauernden Stanley-Cup-Fluch besiegen und den Stanley Cup endlich wieder zuhause präsentieren? Vier kanadische Teams machen sich heuer auf diese Mission Impossible.

Die in Kanada ansässigen NHL-Teams sind im Vergleich zu den in den USA lokalisierten Clubs klar in der Unterzahl. Das war bis 1993 – als noch regelmässig Teams aus Kanada den Stanley Cup gewannen - zwar auch der Fall, jedoch gab es damals deren acht in Kanada beheimatete Mannschaften bei nur 28 Teams total. Und diese konnten sich bis zu Beginn der 90er-Jahre als Seriensieger feiern lassen. So entwickelten sich auch Dynastien - die beeindruckendsten waren jene der Canadiens de Montréal und Edmonton Oilers. Seit 1993 haben die Vancouver Canucks (1994), die Edmonton Oilers, die Calgary Flames sowie die Ottawa Senators (alle von 2004 bis 2007) plus 2021 die Montréal Canadiens den Stanley-Cup-Final erreicht. Die Canucks, Oilers und Flames verloren ihre Finalserien dabei auf dramatische und unglückliche Weise im Finalspiel 7. Was die Fans in Kanada jeweils auch noch zusätzlich ärgert: Die MVP in den Teams mit Standort in den USA waren in der Regel selbst Kanadier.

Toronto Maple Leafs: Wie steht es um ihre mentale Playoff-Fitness?

Nun starteten erneut die NHL-Playoffs mit kanadischen Teams in klarer Unterzahl. Und erneut sind die Toronto Maple Leafs im Kreise der Mitfavoriten – jedoch mit grossem Vorbehalt. Die „Losers since 67“ hätten eigentlich das richtige Setup für den grossen Erfolg – aber hat das Team auch den Playoff-Charakter, um schlussendlich die schon langjährigen Erwartungen zu erfüllen? Die Stars des Teams um Auston Matthews und Mitch Marner sind allesamt ausserordentliche Spieler – aber konnten ihre wahre Leistungsfähigkeit bisher erst in der Regular Season abrufen. In den Playoffs gelten die Leafs als jenes Team, welches das Playoff-Gen nicht besitzt. Letztmals konnte die „Leafs Nation“ in den Playoffs 2002 (!) zwei erfolgreiche Runden feiern. Damals mit einem stargespickten Team mit einem Top-Keeper und Superstars, die auch Playoff-Härte mitbrachten. Die Kreativspieler besassen zudem nicht nur eine körperliche und mentale Playoff-Fitness, sondern wurden sehr gut unterstützt durch die Komplementärspieler. Diese Playoff-Fitness müssen die Leafs-Starspieler 2024 erst noch über einige Runden beweisen. Erst einmal in sieben Playoff-Jahren überstanden sie eine Runde (2023).

Endlich mit den idealen Playoff-Setup: Edmonton Oilers

Ein weiterer Mitfavorit aus Kanada sind die Edmonton Oilers, die nunmehr seit den letzten beiden Saisons nun auch eine gewisse Playoff-Reife gewonnen haben und einen für diese Saisonphase viel ausgeglicheneren Kader besitzen. Sowohl die beiden Produktiv-Trios wie auch vor allem die dritte Linie sind nunmehr so besetzt, sodass die Mannschaft nicht mehr einfach auszurechnen ist. Zudem ist die Defensive längst nicht mehr die Achillesferse (Bouchard, Ekoholm, Nurse, Ceci als Top-4-Verteidiger) und auch Goalie Stuart Skinner hat seit seinen bescheidenen Playoff-Leistungen 2023 sowohl leistungstechnisch wie auch mental grosse Fortschritte erzielt. Dass in den Playoffs die Special Teams eine entscheidende Rolle spielen ist keine neue Erkenntnis. Hier besitzen die Oilers die mitunter effizientesten Argumente: Zwei sehr starke Powerplay-Units, die als wohl mitunter Besten der Liga zählen, werden einen starken Impact haben. Die Namen alleine lassen den Gegnern das Blut in den Adern gefrieren: Orchestriert wird es von Ryan Nugent-Hopkins als intelligenter Bumper und Zach Hyman ist der aggressive Spieler vor dem Slot. Leon Draisaitl besitzt einen der besten Onetimer aus der Halbdistanz, während Connor McDavid zwischen blauer Linie und der Halblinks-Position für die kreativen Momente und Handgelenkschüsse zuständig ist. An der blauen Linie steht zudem noch der effiziente und schussgewaltige Offensivverteidiger Evan Bouchard.

Die Jets – Der Geheimtipp

Zu den kanadischen Geheimtipps gehören die Winnipeg Jets, weil diese Mannschaft in der Zusammenstellung geradezu wie für die Playoffs geschaffen scheint: Besonders auf der Goalieposition und im Zentrum mit Mark Scheifele, Sean Monahan, Adam Lowry und Vladislav Namestnikov ist man für die Playoffs stark besetzt. Und die für die Playoffs immens wichtige dritte Linie ist eine der besten mit Center Afam Lowry, Nino Niederreiter und Mason Appleton. Mit Monahan und Tyler Toffoli hatte man sich zur Trade Deadline noch einmal explizit im Hinblick auf die Playoffs entscheidend verstärkt. Im Powerplay werden die Jets besonders gefährlich mit Josh Morrissey und Kyle Connor an der blauen Linie. Bei den Jets gibt es mehrere X-Faktoren mit den bereits erwähnten Connor Hellebuyck, Kyle Connor, Josh Morrissey und dem Offensivtrio rund um Center Adam Lowry.

Canucks als Cinderella-Team?

Potenzial um zu einem Cinderella-Team zu avancieren haben indes die Vancouver Canucks, die gut balanciert und bestückt sind mit talentierten Stars und hart arbeitenden kreativen Spielern. Es hat sich bereits zum Playoff-Start gezeigt, wie wichtig diese Rollenspieler – zu welchen auch Pius Suter gehört - für die Canucks-Mannschaft sind. Spannend wird zudem auch sein, wie der in den Playoffs nur wenig erfahrene Quinn Hughes performen wird und ob die ebenfalls wenig „playoff-geeichten“ Goalies Thatcher Demko und Casey DeSmith ihre starke Saisonleistung bestätigen, in dem sie auch in den Playoffs ihren Mann stehen werden. Thatcher Demko hat bereits in Spiel Eins gezeigt, dass er bereit ist für die Herausforderung. Kann er das auch über eine oder zwei ganze Serien durchziehen? Und auch die Canucks können auf eine starke und produktive dritte Sturmlinie zählen mit Dakota Joshua, Elias Lindholm und Conor Garland. Oft ist eben dieses dritte Offensivtrio das Zünglein an der Waage in den Playoffs.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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