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NHL Observer

Nach dem 1. Juli stehen vielen NHL-Profis ohne befriedigendes NHL-Angebot zwei Alternativen zur Auswahl: In der AHL anheuern oder nach Europa wechseln. Immer mehr wählen Europa – aus gutem Grund.

Ja, auch in Europa lässt sich gut verdienen: Für viele NHL-Profis, die im Sommer 2025 keinen NHL-Vertrag oder in Nordamerika unbefriedigende Angebote erhielten, wird Europa mehr und mehr eine interessante Alternative. Vor allem die Schweiz und die KHL locken mit Salären, die im Netto-Bereich sich als lukrativ erweisen können. Anziehungspunkt Nummer Eins ist aber die Schweiz aufgrund der spielerischen Qualität in der National League und besonders auch wegen der optimalen Lebensumstände.

Die National League stellt nicht nur mit dem Genève-Servette HC und den ZSC Lions die letzten beiden Champions-League-Sieger. Sie ist ein Zuschauermagnet, setzt auch enorme Umsätze um und kann so manchen Topstars lukrative Verträge anbieten. Kein Wunder lassen sich Sommer für Sommer immer wieder populäre ehemalige NHL-Stars ins „gelobte Land“ für Legionäre transferieren. Und dies auch für gutes Geld. 

Ein Legionär-Job in der Schweiz ist begehrt

Auch wenn die Saläre sich nicht in jenen Sphären wie in der NHL bewegen: Die Top-Verdiener in Europa spielen derzeit in der KHL oder in der NL. Wobei, wie schon angetönt, die NL aufgrund der Lebensqualität in der Schweiz sogar noch attraktiver erscheint – wenn man den reinen Finanzaspekt beiseitelegt, besonders auch für Familienväter. Die Kompaktheit und die gesellschaftliche Stabilität in der Schweiz ermöglicht ein schönes Leben als Profi: Dank guten internationalen Schulen, der landschaftliche Schönheit und - nicht zu verachten - fast keinen langen Roadtrips. 

Chris Tierney, Erik Brännström, Rasmus Kupari und Tomas Tatar sind nur einige Beispiele unter den neuen Ex-NHL-Spielern, die nun die grosse „Diaspora“ ehemaliger NHL-Profis in der Schweiz vergrössern. Andere Ex-NHL-Spieler wie Dominik Kubalik und andere haben letzte Saison bereits die Liga bereichert. Sie wählten Europa als Plan B, weil die Vertragsbedingungen optimal waren: Sie können wieder – oder erstmals – Führungsspieler in einer Top-Liga sein und dazu noch ganz nett verdienen. Obwohl die Saläre nicht annähernd an jenen in der NHL herankommen. Der Grund: Während in unserem System in Europa bei den Importspielern die Verträge meist als „Netto-Netto“ verhandelt werden, sind jene in der NHL weitaus komplexer strukturiert. 

Vor- und Nachteile bei Netto-Verträgen

Importspieler in Europa haben in der Regel eine gute Planungssicherheit. Ein Rechenbeispiel: Verdient ein Importspieler in der NL oder einer anderen Top-Liga Europas beispielsweise jährlich 250'000 Euro netto, wird diesem unter anderem die Wohnung und ein Auto gestellt, die Quellensteuer bezahlt und weitere auszuhandelnde Mehrwerte geboten. Verdient in der NHL ein Spieler beispielsweise das aktuelle Entry-Level-Gehaltsminimum von 775'000 Dollar pro Saison (das neue Collective Bargain Agreement sieht eine schrittweise Anhebung auf 1 Mio. US-Dollar bis zur Saison 2029/30 vor), muss dieser je nach US-Bundesstaat oder Provinz in Kanada Steuern bis über 40 Prozent abführen, die Wohnung oder das Haus selber finanzieren und eigentlich den ganzen Lebensunterhalt mit dem verbliebenen Verdienst leisten. 

Nachteil bei der Option Europa: Keine Beteiligung an den Liga-Erlösen

So ist zuweilen für einen NHL-Profi ohne gesicherten NHL-Stammplatz die Option Europa, wo man als Ex-NHL-Spieler 150'00 bis 500'000 und mehr netto verdienen kann, als Schlüsselspieler zum Local Hero wird, weniger Roadtrips erdulden muss und einen hohen Lebensstandard geniesst - ein eventuell interessanter und manchmal sogar lukrativerer Weg. Viele Importspieler geben zudem an, dass sie auch als Mensch ihren Horizont erweitern durften und eine lebensprägende Erfahrung mach(t)en. Was jedoch dann wegfällt: In Europa gibt es keinen Collective-Bargaining-Rahmenvertrag mit der Spielergewerkschaft, die den Spielern eine 50-Prozent-Beteiligung an den Erlösen der Liga sichert. 

Auf das Gesamtpaket kommt es an

Die Agenturen und deren Klienten sind generell auf der Suche nach dem besten Gesamtpaket. Dabei geht es nicht immer nur um die beste Offerte aus wirtschaftlicher Sicht oder um die Vertragsdauer. Es spielen für den finalen Entscheid weitaus mehr Parameter eine Rolle. Die Vertragsinhalte, das Lohnvolumen und die Erfolgsboni sind wichtige Verhandlungspunkte für die NHL-Profis bei der Wahl ihrer künftigen Destination, aber bei Weitem nicht die einzigen. Für viele sind der Lebensstandard, die Bedürfnisse der Familie (wie auch die eigenen), die Perspektiven (sportliche und strukturelle) sowie auch die Identifikation mit dem neuen Club, seiner Philosophie und auch die Bedeutung des Eishockeysports in den jeweiligen Regionen ein Entscheidungskriterium. 

Für mehr Details, lesen Sie hier einen ausführlichen Blick hinter die Kulissen.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

 

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