Der Wert von Noah Dobson für die Canadiens widerspiegelt sich auch bei der Vertragsvereinbarung: Der langfristige Vertrag über acht Jahre bei einem Gesamtvolumen von 76 Millionen Dollar katapultiert ihn an die Spitze der Lohnhierarchie. Obwohl es letzte Saison noch hiess, dass aktuell niemand mehr verdienen sollte als Nick Suzuki und Cole Caufield, die das Gesicht der Mannschaft darstellen. Dobson profitiert aber nicht nur finanziell, sondern steigt in ein Team ein, bei welchem er echte Chancen auf den Stanley Cup sieht: „Da ist etwas am Wachsen und Montreal ist ohnehin der beste Hockeymarkt der Welt.“
Kent Hughes beweist viel Kreativität
Sportdirektor Kent Hughes setzte ein klares Signal. Die Verpflichtung von Dobson steht nicht nur für den nächsten Schritt im Prozess zurück zur NHL-Spitze, sondern auch für einen strategischen Kraftakt. Montreal zahlte nicht nur lohntechnisch einen hohen Preis, sondern musste mit zwei Erstrundenpicks 2025 (Nr. 16 und 17) sowie dem talentierten Flügelspieler Emil Heineman Opfer bringen. Und dennoch kann man sagen: Bei der grossen Anzahl an jungen Talenten und bereits etablierten jungen NHL-Stammspielern in der Organisation konnten die „Habs“ dies verschmerzen. Auch interessant war, was Kent Hughes in der Pressekonferenz dazu sagte: Er verwies darauf, dass man in den letzten Jahren viele hohe Draftpicks generiert habe und sich das nun bei so einem Deal auch auszahle. Zudem waren die Bedürfnisse der aufstrebenden Canadiens genau passend zu jenen der New York Islanders, die sich derzeit auf ein Rebuild konzentrieren. GM Kent Hughes unterstrich somit die Absicht, aus dem jungen, ambitionierten Team eine Mannschaft zu formen, die sich wie früher regelmässig für die Playoffs qualifizierte. Die Reaktionen in den Medien fielen entsprechend aus. Vor allem viel Anerkennung für Hughes’ Mut dominierten die Kommentare.
Die Defensive: Ehemals Schwachstelle – jetzt ein Powerhouse
In Montreal wird es nun spannend bei der Aufteilung der Eiszeiten unter den Schlüsselspielern in der Defensivabteilung: Mike Matheson könnte durch Dobsons Ankunft weniger im Powerplay zum Einsatz kommen (bisher zweite PP-Formation). Ob Dobson oder Lane Hutson nun in der ersten Überzahleinheit an der blauen Linie stehen wird man noch sehen. Im Penalty Killing wird Dobson wohl niemanden ersetzen, wenn auch jetzt einer wie David Savard fehlt (Karriereende). Kaiden Guhle und Alexandre Carrier haben wohl bei den Verteidigern eine Schlüsselrolle im Unterzahlspiel. Auch ein wichtiger Aspekt: Matheson mutierte in den letzten Saisons zu einem Marathon-Mann mit sehr viel Eiszeit. Die Belastungssteuerung war nicht immer optimal und so schlichen sich manchmal auch Fehler ein. Mit rund 5 Minuten weniger Eiszeit pro Spiel kann der spielstarke und läuferisch herausragende Matheson seine Leistung optimieren.
Dobson gibt Hughes ausserdem auch Spielraum für weitere Transferszenarien, in welchen vielleicht sogar Mike Matheson zu einem Schlüsselelement werden könnte – denn die „Habs“ sind noch auf der Suche nach einem Center für die 2. Linie.
Spannende Perspektiven dank nachhaltiger Draft-Strategie
Sehr spannend sind die Perspektiven zudem auch, weil 2025 erneut einige Draftpicks sich als sogenannte „Steals“ herausstellen könnten: Denn wer hätte gedacht, dass man Spieler wie Alexander Zharovsky und - noch eindrucksvoller - L.J. Mooney in der zweiten und vierten Runde draften kann? Erinnerungen an den Lane-Hutson-Coup und andere werden wach. Die Canadiens haben also auch beim NHL-Draft 2025 wieder eindrucksvoll abgeliefert – und das trotz des grossen Erstrunden-Opfers, den sie für Noah Dobson an die Islanders erbracht haben.
Denn in der zweiten Runde stiegen sie durch einen Deal mit Carolina von den Picks 41 und 49 auf die Nummer 34 auf, um Alexander Zharovsky, einen vielversprechenden russischen Right-Winger, zu sichern. Er war ein klarer Wunschspieler, weil auch befreundet mit Ivan Demidov. Die beiden kennen sich bereits seit Kindheitstagen und spielten in russischen Nachwuchsteams gemeinsam in der gleichen Linie. Tags darauf gab Kent Hughes und sein Draft-Team erneut Draft-Positionen ab – und zwar die Nummern 79 und 108 - um mit der Position 69 einen grossen Center auszuwählen – Hayden Paupunekis, der mit 1.96m und 43 Scorerpunkten in der WHL auffiel. Doch der wahre Coup kam noch später: Mit dem 113. Pick (4. Runde) sicherten sich die Canadiens den schnellen und kreativen Center/Flügelspieler L.J. Mooney. Er gilt als High-Skill-Spieler mit viel Offensivpotenzial, der in einigen Rankings deutlich höher eingeschätzt wurde – entsprechend wird sein Pick von vielen Experten als Steal bewertet. Trotz seiner kompakten 1.70m bringt Mooney Speed, exzellente Puckkontrolle und Spielübersicht ins Team – Attribute, die ihn bereits im U.S. National U18 Team Development Program (USNTDP) und den USNTDP Juniors (USHL) zum konstanten Punktesammler machten (10 Tore, 41 Assists in 51 Spielen). Bei den Development-Camp-Scrimmages stahl er seinen anderen jungen neuen Teamkollegen die Show: Der Puck klebe an seinem Stock, er wirke wie ein Zauberer, attestierten die Scouts ihm im Canadiens-Trainingscenter in Brossard bei Montreal.
Jetzt muss das Team nur noch abliefern
Fazit: Der Fall Dobson und die Draft-Strategie seit einigen Jahren zeigen, wie man über Jahre ein Rebuilding organisiert, um dann schliesslich mit den erworbenen Mitteln (Draftpicks, breiter Kader, viele gute junge Spieler, starkes Farmteam) genau das fehlende Puzzleteil zu bekommen. Für die „Habs“ hat man dieses in einer Defensive gefunden, die nunmehr einen optimalen Mix darstellt zwischen erfahrenen, läuferisch-taktisch und technisch starken NHL-Haudegen sowie einigen jungen Schlüsselspielern. Er ist als offensivstarker Verteidiger (mit 39 Punkten und über 23 Minuten Eiszeit letzte Saison) zudem auch noch einer der raren Rechtsschützen, was den Coaches taktisch noch einige Möglichkeiten bietet.
Nun muss GM Kent Hughes noch einen Weg finden, den seit langer Zeit heiss ersehnten Zweitlinien-Center zu finden. Und dies, ohne einen seiner jungen Schlüssel- oder Zukunfts-/Perspektivspieler zu opfern.
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