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NHL Observer

Rettet der sportliche Erfolg der Panthers den NHL-Standort Südostflorida? Wie nachhaltig wirken sich die beiden Stanley-Cup-Finalqualifikationen auf die Wertschöpfungskette im NHL-Mikrokosmos der Panthers aus? Der Weg ist steinig. 

Wir haben in diesem Blog schon mehrfach darüber berichtet, wie unterschiedlich die Stanley-Cup-Finalqualifikation die Fangemeinschaft in den Regionen Edmonton und Südflorida beeinflussen wird. Aber auch, wie es sich mit der Wertschöpfungskette in den flankierenden Wirtschaftssektoren ausserhalb des Spielbetriebs verhält. Das Fazit: In Edmonton profitierte die lokale Wirtschaft während der ersten drei Runden der Stanley-Cup-Playoffs und hatte eine zusätzliche Zunahme von schätzungsweise 180 Millionen US-Dollar Wertschöpfung zur ohnehin bereits existierenden generiert. 

Unbezahlbar sei dieser Playoff-Run für die Region, sagte die Geschäftsführerin für Event- und Geschäftsentwicklung bei Explore Edmonton, Janelle Janis, in den lokalen Medien. Edmonton hat seinen Wert als Anziehungspunkt für Sport-, Kultur- und Geschäftsveranstaltungen also deutlich gesteigert. 

Wie nachhaltig wirkt sich der sportliche Erfolg aus?

So weit, so gut. Aber wie steht es mit der Nachhaltigkeit der letzten beiden Finalteilnahmen der Florida Panthers in Südostflorida? Immerhin ein Mikrokosmos für NHL-Verhältnisse. Schaffen es die Panthers, ähnlich wie die nördlichen Bundesstaat-Rivalen aus Tampa Bay, einen nachhaltigen Anstieg der Fangemeinschaft zu etablieren und zudem sich als Organisation sowie als wirtschaftliche Kraft in der Region Fort Lauderdale/Sunrise/Broward County – zirka eine Autostunde von Miami entfernt – zu behaupten? Nach der letzten Finalteilnahme 2023 konnte man einen gewissen Impact feststellen. Immerhin hat sich die Fangemeinschaft etwas gefestigt und man kann mittlerweile mit einem soliden Zuschauerstrom an eigenen Fans. Vor nicht allzu langer Zeit musste der Club mit Anreizsystemen (Gratis-Parking, Essensbons etc.) die Zuschauer in die Arena locken und man war im eigenen, oft halbleeren Stadion oft sogar in Unterzahl gegenüber der Gästefans. 

Nun ja, jetzt hofft man in Südostflorida, dass der mittlerweile schon einige Jahre dauernde sportliche Aufstieg eine Nachhaltigkeit erzeugt auf verschiedenen Ebenen: Denn der Playoff-Erfolg 2023 und vor allem jetzt 2024 bedeutet eine Geldspritze für die Wirtschaft und Wertschöpfungskette von Fort Lauderdale, der von Sunrise (nahe Sawgrass /Everglades) nächstgelegenen, grösseren Stadt.

Situativer Popularitätsgewinn und kurzfristige Wertschöpfung 

Immerhin waren die Restaurants, Hotels und Bars bereit für den Besucheransturm, der tatsächlich eintraf. Die hatte auch mit den Modefans und den Besuchern aus Edmonton zu tun. Es wird mit Sicherheit eine Wirtschaftsspritze im positivsten Sinne sein, so war der Tenor der Unternehmerverbände in Fort Lauderdale. Auch der Bürgermeister von Fort Lauderdale, Dean Trantalis, freute sich darüber und liess sich folgendermassen in den Medien zitieren: „Wir schätzen die wirtschaftlichen Auswirkungen auf bis zu 30 Millionen zusätzlicher Wertschöpfung bis zum Ende der Finalserie.“

Aktuell sind natürlich überall auf dem Las Olas Boulevard Stanley-Cup-Flaggen mit den Namen beider Teams zu sehen. Einige interessante und aktuelle Zahlen der Standortförderung Greater Fort Lauderdale zeigen, dass aufgrund der Stanley-Cup-Playoffs die Hotels in der Region einen Anstieg der Auslastung um 10 Prozent erzielten. Die Finalserie hatte mindestens 5’000 Übernachtungen pro Spiel generiert dank Fans und dem Tross, den die Medien, die NHL-Mitarbeiter und Sponsoren mitbringen. 

Haben die Modefans Kundenbindungs-Potenzial?

Die grosse Frage steht aber im Raum: Wie situativ und abhängig vom Spielverlauf wird die Popularität der Panthers in der Region bleiben? Die Erfahrung aus Tampa Bay zeigt, dass es noch einige Jahre brauchen wird, damit ein Club aus einem zwar grossen US-Markt, aber dennoch eines NHL-Mikrokosmos, sich längerfristig ökonomisch etablieren kann. Speziell, wenn man die Bevölkerungsstruktur und das Interessenpotenzial der Region Miami/Fort Lauderdale/Sunrise Everglade berücksichtigt. Mittlerweile müssen die Panthers als Organisation nicht mehr so stark wie einst Jahr für Jahr von den anderen Clubs quersubventioniert werden (über den gemeinsamen Marketingpool). Nur ist eine dauerhafte Marktdurchdringung, wie es im Marketingjargon heisst, noch längst nicht erreicht. Es gibt aber Vorbilder: Die Wirkung der Vermarktungserfolge und Etablierung der Dallas Stars oder kürzlich der Vegas Golden Knights können als Beispiele herangezogen werden und auch die NHL hofft, dass besonders die Panthers davon profitieren (und somit auch die ganze Liga gemäss des Vermarktungs-Rahmenvertrags). Auch die Los Angeles Kings und Tampa Bay Lightning sind Vorbilder. Aber auch hier waren das strategische Zielgruppen-Marketing, ein optimales Timing und die sportliche Kontinuität die Basis für die Etablierung einer NHL-Community. Von dieser Konstanz sind die Panthers noch weit weg. Besonders bezüglich breitflächiger Kundenbindung. 

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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