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NHL Observer

Viele Sportfans in der Provinz Québec können sich ein Leben ohne den Sportsender RDS gar nicht mehr vorstellen. Seit 1989 hat sich die „francophone Schwester“ von TSN (The Sports Network) im französischsprachigen Teil Kanadas etabliert und unterhält die Zuschauerinnen und Zuschauer täglich rund um die Uhr mit Live-Sport sowie mit klassischen und auch innovativen Sendeformaten. Wir waren vor Ort zu Besuch und schauten hinter die Kulissen.

Joël Ch. Wuethrich

Réseau des sports (RDS) ist ein kanadischer, französischsprachiger Sportfernsehsender aus der Provinz Québec mit Sitz in Montréal. Der Sender wird von Bell Media betrieben und sendet rund um die Uhr. RDS ist das französischsprachige Gegenstück zu The Sports Network und ging am 1. September 1989 auf Sendung als erster französischsprachiger Sportsender Kanadas. Er ist bekannt für die Übertragung der Spiele der Canadiens de Montréal aus der National Hockey League, wo er die Übertragungsrechte für rund 60 Saisonspiele in seinem Verbreitungsgebiet innehat. Aber RDS hält auch andere Rechte in der Provinz Québec wie beispielsweise jene für die Ottawa Senators, für die Laval Rockets (AHL), für die Canadian Football League, für den Fussball, die Formel Eins, Tennis und vielen mehr. Was aber den Sender besonders attraktiv macht, ist die hohe Fachkompetenz im Eishockey. Sendeleiter Charles Perreault, der auch für die Sendeinhalte und -planung verantwortlich ist: „Wir haben natürlich einige Alleinstellungsmerkmale, die uns helfen, die Treue der unterschiedlichen Zielgruppen dauerhaft zu sichern. Natürlich ist Eishockey absolut dominierend in unserem Programm, aber wir könnten uns auch ohne Eishockey gut halten. Denn wir holen ausschliesslich sehr fachkompetente Panelisten und Experten in unser Team, die von der Audienz auch als solche wahrgenommen werden, aber auch für das TV-Geschäft geeignet und eloquent sind. Und diese Strategie gilt eben nicht nur für unsere Eishockey-Formate, sondern bei allen Sportarten, die wir bedienen.“

Charles Perreault fav

Charles Perreault, Sendeleiter und RDS-Ikone.
Joël Ch. Wuethrich / RDS

Kult-Kommentatoren der Szene geben sich die Klinke in die Hand

Charles Perreault hat in seinen über 30 Jahren als Sendeleiter viele aus der Sportprominenz kommen sehen und nur wenige sind nicht mehr bei RDS. Und es ist wirklich so, denn wenn man an den Mitarbeitenden von RDS am 1755 Boulevard René-Lévesque in Montréal begegnet, merkt man schnell, dass sich hier das „Who is Who“ der Sportprominenz jeden Tag begegnet. Viele ehemalige Stanley-Cup-Sieger und bekannte Persönlichkeiten sind hier im Einsatz und zu Gast bei den ebenso prominenten Moderatoren, die fast den gleichen Kultstatus geniessen wie ihre Gäste. Zu den rund 50 Expertinnen und Experten und/oder Panelisten in den beliebten Talkshows gehören beispiesweise Guy Carbonneau, Benoit Brunet, Vincent Damphousse, Bob Hartley, Bruno Gervais, Denis Gauthier, Marc Denis, Stéphane Fiset, Gaston Therrien und sein Namensvetter Michel Therrien und der immer sehr lebendige und unterhaltsame P.J. Stock - um nur wenige Namen zu nennen. Bis vor kurzem war auch Guy Boucher im Team, bis er sich als Assistenzcoach der Toronto Maple Leafs hat anheuern lassen.

Eine Zauberformel für Montréals TV-Landschaft

Was RDS so besonders macht, ist nicht nur eine ähnliche Zauberformel wie jene der grösseren anglophonen Schwester TSN. Der Sender hat aufgrund der enormen Identifikation mit dem Sport und den Sportlerinnen und Sportlern aus der Provinz Québec eine sehr treue Zielgruppe geschaffen. Und man konnte mit einigen Sendeformaten wie beispielsweise das Talkshow-Flaggschiff „L'Antichambre“ sowohl bei einem eher klassischen Publikum wie auch mit innovativen Segmenten wie „Le 5 à 7“ eine erweiterte Zielgruppe erreichen, das auch eine salopp-lustige und dennoch fachkompetente Moderation schätzt. Nicht zuletzt ist es auch kein Geheimnis, dass „Le CH“ oder „le Canadien“, wie man die Montréal Canadiens hier nennt, als Thema dominiert. Kein NHL-Team – nicht einmal die Toronto Maple Leafs - geniesst eine so hohe Aufmerksamkeit und intensive Medienberichterstattung in seinem Einzugsgebiet wie die „Habs“. Tägliche Pressekonferenzen und Berichte aus den Trainings und sonstigen Aktivitäten, Portraits und Vor- wie auch Nachbetrachtungen zu den Spielen und zur NHL generell gehören zur Normalität. Und alles (fast) unabhängig davon, ob die „Habs“ sportlich erfolgreich sind oder nicht: Die Werbetreibenden und -partner stehen Schlange und die Vermarktung der Sendeformate und Live-Spiele sowie auch im Online-Bereich ist bei RDS sehr erfolgreich. Und nichts lässt darauf hindeuten, dass sich dies in nächster Zeit ändern wird. Ausser... man verliert die im dreistelligen Millionenbereich wertvollen Übertragungsrechte für die Live-Spiele der Canadiens in der Regular Season. Das würde den Sender empfindlich treffen. Sendeleiter Charles Perreault: „Die Verhandlungen für die nächste Vertragslaufzeit stehen 2024 an. Diese führen dann unsere Chefs auf allerhöchster Ebene. Ich freue mich indessen, bald mein berufliches Lebenswerk in einem Top-Zustand meiner Nachfolge zu übergeben.“

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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