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Swiss Women's Hockey

Mit der Halbfinal-Qualifikation in den SWHL-B-Playoffs war der Aufsteiger in die Women's League bereits bekannt. Doch das reichte dem Lausanner Team nicht: Mit einem beeindruckenden Steigerungslauf holte sich Lausanne Féminin auch noch den Meistertitel und lässt damit alles Negative verstummen. Eine Würdigung.

Zugegeben: Nach dem wenig überzeugenden Halbfinaleinzug des Qualifikationszweiten Lausanne Féminin und dem damit bereits feststehenden Aufstieg in die Women's League fiel auch meine Einschätzung nur negativ aus. Doch das Team von Jens van Poucke und Mathieu Echenard hat alle Kritiker verstummen lassen, mit einem Steigerungslauf im Halbfinal und im Final gegen die vermeintlich übermächtigen Brandis Ladies als Qualifikationssieger. 2:1-Siege gegen Lyss, 3:1-Siege gegen Brandis, zwei Berner Clubs, beide ohne Aufstiegsambitionen, aber mit dem urigen Willen, den SWHL-B-Titel zu holen. 

Die beiden Serien waren kein Selbstläufer, im Gegenteil. Aber die Ladies aus Lausanne haben diese Zusatzaufgaben nach dem Aufstieg, der ja eigentlich auch hätte als Belohnung für eine mittelmässig bis gute Saison genügen können, in einer Art und Weise gespielt, als ginge es ums Überleben. Kein Weg war zu weit, kein Forechecking oder kein Zweikampf zu mühsam: Einsatz pur, Shift um Shift, Block um Block. Diese Hingabe für eine neue Aufgabe nach dem Aufstieg ist schlicht und einfach verblüffend. So verblüffend, dass man oft seinen Augen nicht traute. Lausanne hat sich den Meistertitel mit einer Hingabe erarbeitet für die auch das grösste Lob noch nicht genug ist. Hut ab! Gratulation!

Auch Glück dabei

Sicher: Es brauchte auch Glück, etwa beim 4:3-Sieg gegen Lyss im dritten Halbfinalspiel, als Gaelle Bourquins Schuss im Powerplay 4.7 Sekunden vor dem letzten Sirenenton zum Schuss in den Final wurde. Oder in der vierten Partie des Finals in Lausanne, als ein Pass von Hermione Guillaume, der Jüngsten in Lausannes Aufstellung, von hinter der Torlinie, unglücklich abgelenkt durch die Brandis-Torhüterin, den Weg ins Tor fand. Der Meisterschuss von Héloise Fournier kurz nach Spielmitte war ein eindrückliches Beispiel, wie Lausanne seine Tore regelrecht "erchrampfte": Fournier verwertete den eigenen Abpraller zum Game-Winning-Goal. Einige andere Tore in den Playoffs fielen nach ähnlichen Situationen oder nach gewonnenen Zweikämpfen vor dem gegnerischen Tor.

Meisterlich war auch der Lausanner Zuschaueraufmarsch: Dreimal in fünf Playoff-Heimspielen hatten die Ladies mehr als 1‘000 Zuschauer (maximal 1‘507). Dies ist für die Women's League nicht uninteressant, denn mit Lausanne kommt ein neuer Markt mit einigem Potential in die oberste Frauenliga.

Paradelinie liefert

Bei aller Euphorie, eines darf man nicht vergessen: Lausanne spielt nächste Saison eine Liga höher, einer Liga mit viel höherem Tempo, härterem Körpereinsatz und besser ausgebildeten Teams als in der SWHL B. Und: in der Women's League sind Bodychecks erlaubt, das kennen die Waadtländerinnen noch nicht. Das Finalkader der Waadtländerinnen weist einen Schnitt von unter 20 Jahren auf (ohne Gaelle Bourquin, 47) und weist eine Menge Perspektivspielerinnen auf. 14 Spielerinnen sind noch keine 20 Jahre alt, 7 davon noch keine 16. Und eine ganze Reihe dieser Spielerinnen hat in den Playoffs Akzente setzen und auch drei der total 13 Treffer erzielen können. Die meisten Tore allerdings erzielte Lausannes Paradelinie mit den beiden Französinnen Lisa Cédelle (3) und Héloise Fournier (2) sowie "Oldie" Gaelle Bourquin (2). Mit der 22-jährigen Chloé Sierra traf eine weitere Spielerin dreimal. 

Jetzt sind Verstärkungen gefragt

Die Perspektivspielerinnen - allen voran Verteidiger-Talent Cyrielle Berthod (17) - haben durchaus eine Zukunft in der Women's League, aber sie brauchen Unterstützung von einigen erfahrenen Spielerinnen, die auf reichlich Women's League-Erfahrung zurückblicken können. Das gilt auch für Topskorerin Lisa Cédelle. Sie kann die Last des Toreschiessens nicht alleine tragen, obwohl sie diese Saison in Langenthal in neun Einsätzen zweimal getroffen hat. Auch in der Goaliefrage müsste Lausanne über den Schatten springen und Sentimentalitäten beiseitelassen. Die bald 23-jährige Aurélie Roehrich hat bei ihren 10 Einsätzen in der Women's League nicht eben geglänzt und ist im Meisterrennen durch Ambri-Leihgabe Sofia Bernardasci (21) ersetzt worden. Die Tessinerin glänzte in den Finalspielen 2 bis 4 und liess gerade noch einen Treffer zu. Auch bei ihren 28 Women's League-Einsätzen für Lugano, Ambri und Neuenburg liegen ihre durchschnittlichen Werte weitaus tiefer als jene von Roehrich. 

Das Team von Lausanne Féminin wird sich auf allen Positionen verstärken müssen, will es nicht in den gleichen Strudel geraten wie das inzwischen aufgelöste Langenthaler Frauenteam. Das haben die Waadtländerinnen nicht verdient, auch wenn sie einiges an Lehrgeld werden zahlen müssen. Und – oberste Priorität – das Team, das den Aufstieg geschafft hat, wird sich mit den neuen Spielerinnen innert kürzester Zeit wieder zu einer verschworenen Einheit zusammenfinden müssen. Jener Einheit, die den Aufstieg und den Meistertitel möglich gemacht hat.

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