In der am kommenden Wochenende beginnenden Meisterschaft der PostFinance Women's League fehlt eines der Teams, das es in den letzten Jahren immer wieder mal verstanden hat, sich an der Verteilung der Medaillen in Meisterschaft und Cup zu beteiligen oder zumindest in der Spitzengruppe dabei zu sein: Ambrì-Piotta hat sein Team Tage vor dem Start des Eistrainings in der Leventina zurückgezogen. Die meisten Spielerinnen aus dem letztjährigen Kader haben neue Clubs in Schweden, der Women's League oder der SWHL B gefunden.
Von der Spitze aus zur Titelverteidigung?
Der Meister aus der Innerschweiz hat sich in der Vorbereitung rar gemacht und kein einziges Testspiel gegen ein Schweizer Team bestritten. Gegen die schwedischen Meister und Vizemeister, Brynäs und Frölunda, sowie den deutschen Meister Memmingen gab es eine Niederlage, den schwedischen Viertelfinalisten Färjestad bezwangen die Zugerinnen in Schweden klar. Der Meister hat die Abgänge von Ivana Wey (NCAA) sowie Noemi Neubauerova und Laura Fuoco (beide PWHL) mit neuem ausländischem Personal wettgemacht: Erstmals treten die Zugerinnen mit vier Ausländerinnen aus Österreich (2), Norwegen und Ungarn an. Der Kader des Meisters ist nach wie vor herausragend besetzt und es besteht kein Zweifel, dass die Zugerinnen auch in dieser Saison an der Spitze der Liga zu finden sein werden – Meisterblues hin oder her.
Die Frage nach dem Herausforderer
Die spannendste Frage: Wer ist der erste Herausforderer des Meisters? Nun, die Antwort ist eine "Verlegenheitslösung", denn keines der anderen sechs Teams hat sich in der Vorbereitung diese "Krone" verdient. Fribourg-Gottéron scheint mit einem ausgeglicheneren und höher einzustufenden Kader als letzte Saison prädestiniert für diese Rolle. Die Mischung aus jungen, erfolgshungrigen (Nationalteam-)Spielerinnen, gepaart mit der Erfahrung und Effizienz der neuen und bisherigen Ausländerinnen, mit Topskorerin Estelle Duvin als Sahnehäubchen, ist erfolgversprechend. Auch die ZSC Lions Frauen sind in ihrer zweiten Saison unter den neuen Verantwortlichen kompakter, unberechenbarer und in der Breite erstarkt. Noch fehlen drei Schlüsselspielerinnen der vergangenen Saisons und trotzdem performt das junge Team bereits ansprechend gut. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den drei Imports Chloé Aurard-Bushee (2 Punkte pro Spiel in der Vorbereitung), Fanny Rask (1,75 Punkte) und Bri Eid (0,86 Punkte) sowie der neuen "Topskorerin" Nora Harju (2,14 Punkte, beste Punktesammlerin aller Teams in den Testspielen) zu.
Auch die SCB Frauen wollen nach einer doch eher durchzogenen Saison mit internen atmosphärischen Störungen zurück in die Spur – und dies trotz gewichtigen Abgängen. Rund um die erfahrenen Spielerinnen wie Lara Christen oder Sinja Leemann steht ein breites "Angebot" an jungen Talenten bereit, den Weg zurück zum Erfolg zu unterstützen. Neu ist auch das Ausländerinnen-Kontingent. Einzige Konstante dabei ist Lea MacLeod, die bereits gegen Ende letzter Saison von Langenthal nach Bern wechselte. Die wichtigste Frage bei den Bernerinnen ist wohl, wer von den Leihspielerinnen und B-Lizenzen denn auch wirklich permanent zur Verfügung stehen wird und wie das Team den möglichen Abgang von Saskia Maurer in die PWHL ab November verkraften wird. Auch die Davos Ladies haben Kaderkosmetik betrieben und dabei der Konkurrenz wichtige, entwicklungsfähige Spielerinnen (Gaberell, Rossel, Leibundgut) abgeworben. Die Bündnerinnen, im zweiten Jahr vom Coaching-Duo Evelina Raselli und Livia Altmann geführt, haben in der Vorbereitung – wie bereits letzte Saison – Schwankungen in der Konstanz gezeigt. Trotzdem gehören sie zum wahrscheinlichsten Verfolgerquartett von Meister Zug.
Mehr als nur Spielverderber?
Kommen Aufsteiger Lausanne und die Neuchâtel Hockey Academy über eine reine Aussenseiterrolle hinaus und spielen im Kampf um Pre-Playoff-Plätze Spielverderber? Durchaus möglich. Lausanne kann seine erste Saison in der Women's League ohne Druck angehen. Die Gefahr eines Abstiegs ist ja bereits gebannt. Die Waadtländerinnen haben kräftig investiert und sich mit sechs bestandenen WL-Spielerinnen und einem (Über-)Angebot von acht Ausländerinnen inklusive Schweizer Lizenz-Spielerinnen verstärkt. "Star"-Neuzugang Maya Labad, PWHL-Siegerin der letzten Saison mit Montréal Victoire, wird allerdings kaum alle Spiele mit Lausanne bestreiten und bereits im November im Trainingslager von PWHL Las Vegas um einen Platz im neuen PWHL-Team kämpfen. Zwischendurch kursierte auch das Gerücht, dass Nati-Torhüterin Andrea Brändli die Zeit bis zum Trainingslager ihres neuen Teams – PWHL Detroit – mit einigen Spielen im Lausanner Tor überbrücken wird. Das könnte den Waadtländerinnen den Start in die Saison versüssen, denn das nominelle Goalie-Duo ist nicht gerade für Ausschläge nach oben bekannt.
Die Neuchâtel Hockey Academy bleibt ihrer Linie, junge Talente zu ködern, treu. Die aus Bern zugewanderten Spielerinnen sind allerdings auch bei mehr Eiszeit und Verantwortung zurzeit nicht mehr als Kaderergänzungen und deshalb noch in einem Lernprozess. Neuenburgs Hoffnungen liegen auf einer hohen Performance ihrer Torhüterin Nummer 1 und auf der Durchschlagskraft von insgesamt sieben Ausländerinnen in ihrem Kader. Im Mittelpunkt stehen dabei die neu verpflichteten Brooklyn Schneiderhan – fünf Punkte, vier Tore und ein Assist bei fünf Toren im letzten Vorbereitungsspiel gegen Lausanne –, Joelle Fiala (Davos), Bailey Kehl (SCB/Zunzgen-Sissach) und Jenna Kaila (Ambrì, noch nicht bestätigt).
Die Auflistung der Teams zeigt: Hinter dem zurzeit besten Schweizer Team, Meister Zug, kann jeder jeden schlagen. Den Erfolg beeinflussen vor allem zwei Aspekte: Die Ausländerinnen und die vielen jungen, nachgerückten Talente in den Kadern aller Teams. Ihre Entwicklung und Leistung können mitunter ebenso entscheidend sein wie die Performance der alten und neuen Imports sowie der Torhüterinnen – und gerade in dieser Beziehung sind nicht alle Teams gleich gut aufgestellt.
Die Transfers der PFWL:
SC Bern
Trainer: Michel Zwahlen (SUI, bisher)
Ausländerinnen (4): Sophie Hudson (CAN, neu), Lea MacLeod (CAN, neu), Ada Eronen (FIN, neu), Victoria Butuzov (GER/UKR, neu)
Zuzüge (8): Sophie Hudson (Queens University/USports/CAN), Lea McLeod (Langenthal), Ada Eronen (Kiekko-Espoo/FIN), Zoe Merz (Ambri), Lara Hug (U18Elit SCB), Victoria Butuzov (Memmingen/GER), Luana Birnstiel (Langenthal), Joana Leuenberger (Thun)
Abgänge (11): Estelle Duvin (Gottéron), Stefanie Wetli (ZSC Lions), Maija Otamo, Clara Rozier (beide Lausanne), Kaleigh Quennec (Rücktritt), Ilana Leibundgut, Alena Rossel (Davos), Amélie Walzer, Mila Croll, Céline Bonassi (alle Neuchâtel Hockey Academy), Cindy Joray (Gottéron)
Davos
Trainer: Evelina Raselli (SUI, bisher)
Ausländerinnen (4+1*): Avery Farrell (USA, neu), Kaitlin Jockims (CAN, neu), Klara Seroiszkova (CZE, bisher), Lucia Haluskova (SVK, bisher), Aurora Abatangelo* (ITA, bisher)
Zuzüge (8): Kaitlin Jockims (Djurgardens/SWE), Avery Farrell (St. Cloud University/NCAA), Alena Rossel, Ilana Leibundgut (beide SCB), Elena Gaberell (Zug), Lia Rubin (Langenthal), Nele Bachmann (Malmö/SWE), Anna Neuenschwander (Järnbrotts HK/Kvarnsvedens GoIF/SWE)
Abgänge (8): Tanja Hänggi (Rücktritt), Bri Eid (ZSC Lions), Macy Däscher, Tamara Wegmann (beide Rapperswil), Joelle Fiala (Neuchâtel Hockey Academy), Rebecca Roccella (Piemont Rebelles/ITA), Caroline Spies, Marie-Pierre Pélissou (beide?)
Fribourg-Gottéron Ladies
Trainer: Thomas Zwahlen (SUI, bisher)
Ausländerinnen (5+1*): Estelle Duvin* (FRA, neu), Jamie Grinder (CAN, neu), Kyra McDonald (CAN, neu), Ashton Thorpe (CAN, neu), Megan Cornell (USA, neu), Ann-Frédérique Guay (CAN, bisher)
Zuzüge (14): Estelle Duvin*, Cindy Joray (beide SCB), Ashton Thorpe (University of British Columbia/USports), Jamie Grinder (Salzburg Eagles/AUT), Kyra McDonald (TWU Spartans/USports/ CAN), Megan Cornell (Langenthal), Suvi Ria In-Albon (OHA Mavericks Prep U18/OWHL), Mia Portner (Valais-Wallis U18), Jil Wasmer (Valais-Wallis Future U16/Ambri), Mia Anthamatten (Visp U16Top), Océane Defferard (Zunzgen-Sissach), Aina Streule (Bassersdorf/Langenthal), Jil Baker (Bassersdorf/Winterthur U16Top), Muriel Wilcke (Neuchâtel Hockey Academy)
Abgänge (14): Lauren Dabrowski (Nipissing University, OUA/CAN), Rebekka Langenegger (Dartmouth College/NCAA), Selina Steiner (Lyss), Vanessa Bärtschi (Zunzgen-Sissach), Alixane Berthod (Lausanne), Camille Huwiler (Rücktritt), Julia Schafer (Neuchâtel Hockey Academy), Cassandra Rensch, Jade Surdez (beide Lausanne), Amélie Jobin, Laurine Modoux, Jenna Suokko, Maggie MacEachern, Carola Saletta (alle?)
Lausanne
Trainer: athieu Echenard (SUI, bisher)
Ausländerinnen (7+1*): Maya Labad (CAN, neu), Clara Rozier (FRA, neu), Maija Otamo* (FIN, neu), Julia Mesplède (FRA, neu), Lucie Turcotte (FRA, neu), Jessica Boulanger (CAN, neu), Jana Poirrier (Zunzgen-Sissach/Fribourg-Gottéron), Lisa Cédelle (FRA, bisher)
Zuzüge (12): Maya Labad (Montreal Victoire/PWHL), Julia Mesplède (University of Vermont/NCAA/USA), Lucie Turcotte (Stonehill College (NCAA/USA), Clara Rozier, Maija Otamo (beide SCB), Jessika Boulanger (Langenthal), Jade Surdez, Cassandra Rensch (beide Gottéron), Samira Besson (GCK Lions), Jana Poirrier (Zunzgen-Sissach/Gottéron), Selina Beer (Bassersdorf/Langenthal), Lara Anthamatten (Ambri)
Abgänge (8): Natalie Musilova (Timra/SWE), Gaëlle Bourquin, Martina Capezzali, Amelia Perzoff, Alexandra Despont, Nerea Gimenez, Soraya Renaud, Alissia Waeber (alle ?)
Neuchâtel Hockey Academy
Trainer: Gilles Voirol (SUI, neu)
Ausländerinnen (8): Bailey Kehl (USA, neu), Joelle Fiala (CAN, neu), Brooklyn Schneiderhan (USA, neu), Clara Piazzon (FRA, bisher), Tatiana Onyshchenko (POL/UKR), Mattea Adobati (FRA, bisher), Olympe Guillemand (FRA, bisher), Ester Herin (FRA, bisher)
Zuzüge (11): Bailey Kehl (Zunzgen-Sissach/SC Bern), Joelle Fiala (Davos), Brooklyn Schneiderhan (Saint Anselm College, NCAA(USA), Amélie Walzer, Mila Croll, Céline Bonassi (alle SC Bern), Alexane Juillard (Ajoie/Lyss), Julia Schafer (Gottéron/Zunzgen-Sissach), Amélie Andrey (Worb), Norah Voirol (Lyss/Ajoie), Jelena Sonderegger (Lyss/SCB)
Abgänge (8): Joya Stettler (Thurgau), Muriel Wilcke (Gottéron), Aurélie Roehrich (Lausanne), Anna Senzers (Bytom, POL), Alexandria Weiss, Tatum White, Liliane Perreault, Cindy Lambercier (alle?)
ZSC Lions
Trainer: Angela Taylor (SCO, bisher)
Ausländerinnen (4): Fanny Rask (SWE, neu), Bri Eid (CAN, neu), Chloé Aurard-Bushee (FRA, bisher), Anja Trummer (AUT, bisher)
Zuzüge (10): Fanny Rask (Ambri), Bri Eid (Davos), Stefanie Wetli (SC Bern), Nora Schrupkowski (GCK U16Elit/U18Top), Stella Zagnoli (Dübendorf U18Top), Gloria Henek (Winterthur U18Top), Shayna Merkofer (GCK Frauen/ZSC Lions/Bülach U16Top), Lisa Binder (GCK Frauen/Kloten U16Top), Enya Frolik, Lian Tovi (beide GCK Frauen)
Abgänge (10): Shannon Sigrist, Dominique Scheurer, Isabel Waidacher, Julia Marty, Eveliina Mäkinen (alle Rücktritt), Mara Frey (Zug), Samira Besson (Lausanne), Kira Juodikis, Laura de Bastiani, Kristi Sashkina (alle?)
Trainer: Daniela Diaz (SUI, bisher)
Ausländerinnen (4+1*): Emma Lintner (AUT, neu), Millie Rose Sirum (NOR/USA, neu), Mira Seregély (HUN, neu), Annika Fazokas (AUT, bisher), Leonie Kutzer* (AUT, bisher),
Zuzüge (8): Mira Seregély (HK Budapest/HUN), Millie Rose Sirum (Skelleftea/SWE), Emma Lintner (Stanstead, CAN), Mara Frey (ZSC Lions), Lara Klaus (Rapperswil-Jona Lady Lakers/Langenthal), Joy Roulet, Simone Ambauen, Neela Brander (alle Sursee)
Abgänge (6): Ivana Wey (Northeastern University/NCAA), Noemi Neubauerova (Seattle Torrent/PWHL), Sinia Gubser (Rapperswil-Jona Lady Lakers), Elena Gaberell (Davos), Kristina Kontny (Rücktritt), Laura Fuoco (Vancouver Goldeneyes/PWHL).
Schweizerinnen im Ausland
- Andrea Brändli: PWHL Detroit (neu, bisher Färjestads)
- Alina Müller: PWHL Hamilton (neu, bisher Boston)
- Alessia Baechler: Northeastern University (USA, NCAA)
- Naemi Herzig: College of the Holy Cross (USA, NCAA)
- Vanessa Schaefer**: University of British Columbia, USports/CAN)
- Monja Wagner: Union Women’s Hockey (USA, NCAA)
- Nicole Vallario: New York Sirens (PWHL)
- Ivana Wey: Northeastern University (USA, NCAA, neu, bisher Zug)
- Laura Zimmermann: St. Cloud University (USA, NCAA)
- Rebecca Langenegger: Dartmouth College (NCAA, neu, bisher Gottéron)
- Sonja Inkamp: Mercyhurst University (NCAA, neu, bisher Ambrì)
- Shimay Koradi: Feia (Fort Erie International Academy, neu, bisher Brandis)
- Hayley Hirt: Oswego University (NCAA III, neu, bisher Ambrì)
- Lauryne Dünnenberger: Aurora University (USA, NCAA III, neu, bisher New Hampshire Mountain Cats)
- Alicia Fausch: OHA Mavericks Tardiff Prep U18 (CAN)
- Margaux Favre: Merrimack College (USA, NCAA)
- Léa Péclard: New Hampshire Mountains Cats U19 AAA (USA)
- Alexandra Lehmann**: Nipissing Lakers (USports/CAN)
- Lucie Tenenbaum**: Minnesota State University USA, NCAA)
- Maria Zerr**: Pittsburgh Penguins Elite AAA (USA)
*«Lizenz-Schweizerinnen»
**Doppelbürgerinnen
EN