Es sind zwar Mannschaften im Aufbau, mit jungen Kadern, viel Talent – aber noch ohne die strukturelle Reife um als echtes Contender-Team zu gelten. Rund ein Dutzend Partien vor dem Ende der Regular Season 2025/26 zeigt sich jedoch ein interessantes Bild: Ebensolche Teams wie Buffalo, Anaheim, Utah und auch Boston haben sich in Position gebracht, in der ein Playoff-Einzug keineswegs mehr als Überraschung gelten kann. Ebenso setzen San Jose und Columbus weitere Teams noch auf eine starke Schlussphase, die ihnen den Einzug in die Playoffs ermöglichen könnte. Gleichzeitig bestätigen Mannschaften wie Montreal oder Detroit klare Fortschritte im Rebuild, das sich in den vergangenen Jahren bereits abgezeichnet hat.
Aus Perspektivteams werden plötzlich Herausforderer
Der "Blick" auf die Tabelle offenbart dabei eine interessante strukturelle Gemeinsamkeit. Ein grosser Teil dieser Teams verfügt über vergleichsweise junge Kader, gespickt mit einigen wichtigen Veteranen sowie einer guten Balance im Team. Viele zentrale Leistungsträger befinden sich noch in der frühen oder zweiten Phase ihrer NHL-Karriere – mit entsprechendem Entwicklungspotenzial. Gerade in der langen Regular Season kann diese Mischung aus Tempo, Energie und offensiver Kreativität ein Vorteil sein. Junge Teams spielen oft mutiger, aggressiver und mit weniger taktischer Vorsicht als erfahrenere Gegner. In einzelnen Spielen kann das zu spektakulären Auswüchsen führen – im positiven wie im negativen Sinne.
Überraschungsteams und ein Sonderfall
So wie die Buffalo Sabres und Anaheim Ducks. Beide Organisationen haben in den vergangenen Jahren konsequent auf einen strukturierten Neuaufbau gesetzt. Zunächst liess der messbare Erfolg aber lange auf sich warten. Ganz im Gegensatz zu den Montréal Canadiens beispielsweise. Nun scheint der Knoten geplatzt. Die Teams verfügen über Geschwindigkeit und Kreativität. Boston wiederum ist in diesem Zusammenhang ein Sonderfall. Trotz personeller Veränderungen und eines teilweise erneuerten Kaders gelingt es den Bruins erneut, ihre bewährte Spielstruktur aufrechtzuerhalten. Sie profitieren dabei von einer über Jahre gewachsenen Teamkultur, die auch jüngeren Spielern Orientierung bietet.
Lange Playoff-Durststrecken – jetzt Licht am Ende des Tunnels
Mehrere der Teams, die in der aktuellen Saison 2025/26 überraschend im Playoff-Rennen auftauchen, verbindet eine lange Phase der Playoff-Abstinenz. Oder sie hatten sich in den letzten Jahren nur vereinzelt qualifizieren können. Besonders markant ist die Situation bei den Buffalo Sabres, die aktuell die längste aktive Playoff-Durststrecke der gesamten NHL aufweisen (seit der Saison 2010/11, also 15 Jahre!).
Junger Organismus – ein Vorteil im Quali-Schlussspurt?
Dass gerade mehrere junge Mannschaften in dieser Phase der Saison konkurrenzfähig erscheinen, ist kein Zufall. Junge Teams verfügen häufig über Tempo, Energie und eine gewisse taktische Unberechenbarkeit. Gerade im Frühjahr, wenn die Belastung der Saison bei vielen Routiniers Spuren hinterlässt, können diese Faktoren entscheidend sein, wenn die jungen Leistungsträger nun zunehmend Verantwortung übernehmen können.
Superstar Macklin Celebrini lässt träumen
Während also einige dieser vermeintlichen Überraschungsteams bereits relativ komfortabel im Playoff-Rennen liegen, erleben Teams wie die San Jose Sharks diese Saison einen Leistungsschub, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung junger Schlüsselspieler. Die Sharks zeigen phasenweise mehr offensive Kreativität als in den Vorjahren – und dies nicht nur dank Macklin Celebrini. Gleichzeitig fehlt es dem Team aber noch an der Konstanz. Columbus gehört ebenfalls zu jenen Mannschaften, deren Leistungen stark schwanken. Auch die Blue Jackets sind derzeit ein Schwellenteam und wie schon vor einem Jahr werden sie möglicherweise bis fast am Schluss der Qualifikation auf eine Playoff-Teilnahme hoffen dürfen.
Vorbild Montréal Canadiens und das Lernen unter Stressbedingungen
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang der "Blick" auf Montreal. Denn die Canadiens stehen exemplarisch für eine Mannschaft, die bereits in den zweiten Gang schalten konnte. Im Frühjahr 2025 konnte das Team erstmals seit Beginn seines Neuaufbaus in der Saison 2021/22 wieder Playoff-Luft schnuppern. Für einige zentrale Spieler war dies die erste Erfahrung in einer Postseason-Serie auf NHL-Niveau. In der Sportwissenschaft gilt diese Art von Erfahrung als entscheidender Entwicklungsschritt. Studien aus der Leistungspsychologie und der Trainingsforschung zeigen, dass Athleten unter extremem Wettkampfdruck besonders intensive Lernprozesse durchlaufen. Dieser Effekt wird häufig als Lernen unter Stressbedingungen beschrieben. Entscheidungsprozesse werden schneller und präziser, taktische Abläufe verinnerlichen sich stärker, und Spieler entwickeln eine höhere mentale Stabilität im Umgang mit Drucksituationen. Gerade im Eishockey, wo die Playoffs mit einer deutlich höheren physischen und taktischen Intensität gespielt werden als die Regular Season, kann diese Erfahrung einen nachhaltigen Einfluss auf den Playoff-Erfolg eines Teams haben. Montreal scheint genau von diesem Prozess zu profitieren. Mehrere junge Leistungsträger wirken im Vergleich zum Vorjahr stabiler, abgeklärter und konstanter.
Gleichzeitig bleiben jedoch strukturelle Fragen bestehen, die gerade in den Playoffs entscheidend werden können. Eine der zentralen Unsicherheiten betrifft bei Montreal die Situation auf der Goalieposition – trotz des Supertalents Jacob Fowler und einem konstanten Jakub Dobes. Der Held der Quali 2024/25, Samuel Montembeault, ist aktuell nur noch die Nummer 3. Aktuell fehlt bislang jene klare und dauerhaft verlässliche Nummer eins, die in der Postseason oft zum entscheidenden Faktor wird. Die Geschichte der NHL ist reich an Beispielen, in denen ein überragender Goalie den Unterschied zwischen einem frühen Ausscheiden und einem langen Playoff-Lauf ausgemacht hat.
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