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NHL Observer

Über Jahrzehnte war die jüdische Präsenz in der NHL, der besten Eishockey-Liga der Welt, nur bei den Fachleuten ein Thema. Heute, Mitte der 2020er-Jahre, darf man guten Gewissens behaupten: Es gibt nicht nur eine steigende Anzahl jüdischer NHL-Eishockeyprofis – nein, viele von ihnen sind sogar absolute Superstars. Und es folgen in den nächsten Jahren noch viele mehr.

Mehr als fünfzehn Stammspieler mit jüdischem Hintergrund stehen in dieser Saison 2025/26 bei NHL-Franchises unter Vertrag. Mehrere Dutzend Top-Talente bewegen sich zudem in der AHL und NCAA und werden bald auf NHL-Niveau zu Stammspielern reifen. Dazu kommen Trainer, Manager und Owner, die die Liga strukturell und sportlich mitprägen.

Die Etablierten

Wir haben an dieser Stelle regelmässig berichtet über die jüdischen NHL-Topstars. So zum Beispiel über Zach Hyman, einem der produktivsten Stürmer der Liga. Der Edmonton-Oilers-Flügelstürmer schaffte es zuletzt zweimal bis ins Stanley-Cup-Finale und zementierte seinen Status als kompletter Top-Six-Forward mit Leadership-Qualitäten. Hyman war beide Mal ein mitentscheidender Faktor als sogenannter Secondary Scorer. Bei den Fans ist er beliebt aufgrund seiner Arbeitsethik auf und neben dem Eis und er geniesst starken Support. Zach Hyman ist aber auch eine Person, die offen und auch öffentlich Haltung zeigt: Gegen Antisemitismus und Israelhass. In der Finalserie 2025 stand auch Jake Walman, der als sogenannter Two-Way-Verteidiger überzeugt hat – physisch, geradlinig, zuverlässig.

Bei den New York Rangers ist Adam Fox der Schlüsselspieler unter den Verteidigern. Der Norris-Trophy-Gewinner von 2021 ist einer der elegantesten Puckmover der Liga und in der Spielauslösung unverzichtbar. Ein anderer Verteidiger - Jakob Chychrun (Washington Capitals) - liefert seit vielen Jahren konstant Höchstleistungen und auch er ist einer der jüdischen Schlüsselspieler in seinem jeweiligen NHL Team. Es gibt noch viele weitere zu benennen: Die erfahrenen Jason Zucker (Buffalo Sabres), der wie ein Mentor geschätzt wird von seinen Teamkameraden oder Cody Glass (New Jersey Devils). Interessant ist auch Jordan Harris, der in Columbus bei den Blue Jackets spielt. Er ist einer der wenigen afro-jüdischen Spieler in der Liga-Geschichte. Die Liste ist lang – aber man darf auf keinen Fall die drei Hughes-Brothers vergessen: Alle drei gehören zu den dominierenden Stars in der NHL. Quinn Hughes, Captain der Vancouver Canucks, verkörpert den modernen Offensiv-Verteidiger wie kaum ein anderer. Luke Hughes hat sich in New Jersey in kürzester Zeit zum integralen Bestandteil der Devils-Abwehr entwickelt und Jack Hughes ist mit seinem Spielwitz und herausragenden läuferischen und technischen Fähigkeiten bereits ein Megastar der Szene – und diese Einschätzung ist keinesfalls übertrieben. Die Brüder sind Söhne der früheren US-Nationalspielerin Ellen Weinberg-Hughes.

Was ebenfalls auffällt: Die Dichte an starken jüdischen Torhütern auf höchstem Niveau: Devon Levi ist einer der besten AHL-Goalies und gilt als Zukunfts-Stammkeeper der Buffalo Sabres. Er ist auch mit einem WM-Titel gekrönt als Nationalkeeper Kanadas im WM-Turnier 2023. Und ein anderer WM-Held ist Jeremy Swayman (Boston). Er führte die USA 2025 in Stockholm zum ersten Weltmeistertitel seit 1960 – seine Ruhe und Technik machten ihn zum überragenden Goalie des Turniers. Hinter ihnen klopft Yaniv Perets (Lehigh Valley Phantoms) an die NHL an. Auch er stammt wie sein enger Freund Devon Levi aus der Provinz Québec. 

Die neuen Stars

Das ist nur ein kurzer Überblick über die etablierten jüdischen NHL-Stars – aber es kommt noch besser: Bei den besten Nachwuchsspielern folgen noch viele mehr: Allen voran Zeev Buium (Minnesota Wild). Der israelisch-amerikanische Verteidiger Zeev Buium hatte seinen Profi-Durchbruch 2025 mit der Playoff-Teilnahme und er gewann 2025 zudem noch WM-Gold mit dem Team USA. Er hat das Talent, in Minnesota langfristig eine Top-Four-Rolle zu übernehmen. Sein Bruder Shai Buium (Tampa Bay) steht übrigens auch kurz vor dem NHL-Debüt. Auch die Buium-Brüder symbolisieren also, dass jüdisches Eishockey-Talent längst nicht mehr die Ausnahme ist. Weitere junge NHL-Spieler im Fokus: Max Sasson (Vancouver Canucks) – er debütierte 2024 in der NHL und überzeugt mit Drive und Instinkt. Ozzy Wiesblatt (Nashville Predators) und Cole Guttman (Los Angeles / Ontario Reign) wurden ebenfalls neu zu NHL-Stammspielern und entwickeln sich immer weiter in der Welt-Elite. Diese Aufzählung beruht nicht auf Vollständigkeit, sondern ist ein Streiflicht, wie stark sich Eishockey auf höchstem Niveau in der jüdischen Community in Nordamerika entwickelt. 

Jüdischer Einfluss hinter der Bande und in der Chefetage

Es gibt aber auch eine starke jüdische Komponente bei den Coaches und in der Liga-Führung: Seit über drei Jahrzehnten steht Gary Bettman an der Spitze der NHL. Der New Yorker, 2016 in die International Jewish Sports Hall of Fame aufgenommen, hat die Liga globalisiert und wirtschaftlich erfolgreich gemacht sowie eine grosse Expansion mit neuen Teams in neuen Märkten erwirkt wie keiner vor ihm. Auch in den Ownership-Strukturen sind Namen wie Henry und Susan Samueli (Anaheim Ducks), Larry Tanenbaum (Toronto Maple Leafs), Stan Kasten (Los Angeles Kings), Jeffrey Solomon (New York Rangers) und Scott D. Malkin (New York Islanders) feste Grössen. Sie repräsentieren den wirtschaftlichen Rückhalt und die medienstrategische Kompetenz der heutigen NHL.

Betreffend Coaching ist Ryan Warsofsky (San Jose Sharks) der erste jüdische Headcoach in der Liga seit den 1990ern und er führte die USA 2025 als Headcoach zu WM-Gold – ein Meilenstein für amerikanisches Coaching. Somit waren mit dem Coach sowie Swayman und Buium gleich drei Juden im WM-Siegerteam. Die USA gewann im Finalspiel gegen die Schweiz 1:0 nach Verlängerung. Das war der erste WM-Titel seit 60 Jahren!  Der Schlüssel zum Erfolg: Das strategische und sehr geschickte taktische Spielsystem von Ryan Warsofsky gegen die läuferisch starken Schweizer. Sein Bruder David, Assistenzcoach in Washington, folgt demselben Weg. Historisch führte Cecil Hart die Montréal Canadiens in den 1930ern zu zwei Stanley Cups; die nach ihm benannte Hart Trophy ist bis heute einer der wichtigsten Individual-Awards der Liga – ein permanenter Verweis auf jüdische Eishockey-Geschichte.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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