Select your language

NHL Observer

In den Playoffs wird der wahre Wert der sogenannten Rollenspieler jeweils immer deutlicher sichtbar. Das Secondary Scoring und die Kadertiefe in der Verteidigung können sogar ganze Playoff-Serien entscheiden. In einer Serie ist dieser Aspekt besonders stark sichtbar geworden. 

In den Playoffs schauen alle jeweils auf die Schlüsselspieler: Die Top-Offensivtrios und das erste Verteidigerduo mit den Stars sowie natürlich auf die Goalies. Aber was, wenn sich diese Schlüsselspieler nicht durchsetzen oder taktisch sowie spielerisch neutralisiert werden? Dann zeigt sich wirklich, ob ein Kader auch wirklich Playoff-Reife besitzt, und es müssen andere Leistungsträger zu Schlüsselakteuren werden: Die Rollenspieler.

Rollenspieler werden zu Matchwinnern

Dank ihren Rollen oder Kernkompetenzen werden diese Spieler als heimliche Helden verehrt. Und in ihren Mannschaften respektiert, da sie einen eindeutig nachweisbaren Mehrwert erbringen. In einer idealen Playoff-Mannschaft braucht es diese Wasserträger und heimliche Leader als Rollenspieler wie auch als Teamstützen. Es geht hierbei um taktische und spielerische Fragen, aber auch darum, ob diese Leaderfiguren hinter den Leadern in punkto Teamchemie oder bei der Impulsgebung innerhalb eines Spiels und zwischen den Partien eine Wirkung erzeugen können: Als Impulsgeber, Step-Up-Guys, Secondary Scorer oder Crunch Time und Special Team Heroes. 

Mit zunehmender Serienlänge und wachsender physischer wie mentaler Belastung wird die Kadertiefe noch entscheidender. Gerade in entscheidenden Spielen sind es nicht zwingend die grossen Namen, sondern jene Spieler aus der zweiten und dritten Reihe, die mit einem geblockten Schuss, einem gewonnenen Bully in der eigenen Zone oder einem opportunistischen Treffer den Ausschlag geben. 

Die Unsung Heroes können auch ganze Playoff-Runden entscheiden

In jeder Playoff-Serie sind sie auszumachen und stechen als Unsung Heroes heraus. In jener zwischen den Tampa Bay Lightning und Montréal Canadiens wurde die Wichtigkeit dieser Rollenspieler wohl am deutlichsten spürbar: Während die Top-Offensivtrios sich im Verlaufe der ersten sechs Partien mit der Torproduktion immer schwerer taten (Ausnahme Brandon Hagel bei den "Bolts“), wurden andere zu heimlichen Helden oder gar Matchwinner der Serie: Gage Goncalves und Dominic James bei Tampa (auch Corey Perry und Nick Paul, die jedoch in dieser Serie nicht so torproduktiv sind wie sonst) und Josh Anderson, Kirby Dach, Zachary Bolduc, Alex Texier und wie immer in den Playoffs auch Jake Evans und Phillip Danault. Sie sorgten nicht nur für wichtige Tore, sondern drückten auch in emotionaler Hinsicht der Serie ihren Stempel auf. Aber sie zeigen sich auch emotionale Leader und wichtige Akteure für die Teamchemie. Manche haben einschlägige Playoff-Erfahrungen genau in dieser Rolle (Danault, Evans, Anderson) während andere erst ihre wahre Playoff-Identität gefunden haben scheinen (Dach, Bolduc, James). 

Die Serie zwischen Tampa Bay und Montreal bestätigte also ein zentrales Playoff-Gesetz: Meisterschaften werden nicht allein von Stars entschieden, sondern von funktionierenden Rollenprofilen. Wer über Rollenspieler verfügt, die ihre Aufgabe nicht nur erfüllen, sondern im richtigen Moment über sich hinauswachsen, verschafft sich den entscheidenden Vorteil – spielerisch, taktisch und emotional. 

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

About this

Do you already know...?