Zugegeben – geschickte Sportdirektoren nutzen jedes auch nur kleinste Schlupfloch, um sich einen Wettbewerbsvorsprung zu verschaffen. Und sie werden dafür gefeiert. Das ist nur fair und logisch. Unlogisch war aber, dass es bisher solche Schlupflöcher gab, die eine Wettbewerbsverzerrung in den Playoffs herbeiführten. Wie beispielsweise eine Gehaltsobergrenze, die nur in der regulären Saison galt. In den Playoffs fiel diese Beschränkung weg, was kluge General Manager wie zuletzt 2021 Julien BriseBois (Tampa Bay Lightning) oder 2023 Kelly McCrimmon (Vegas Golden Knights) nutzten: Verletzte Schlüsselspieler wurden auf die LTIR (Long-Term Injury Reserve) gesetzt und durch den frei gewordenen Cap-Space konnten gezielt Verstärkungen hinzugeholt werden. Beides waren geschickte Manöver, wurden aber kontrovers diskutiert. Denn es führte dazu, dass ihre Teams während den Playoffs, weil jene verletzten Spieler wieder fit waren, weit über die Gehaltsgrenze geschossen waren.
Drei der letzten fünf Stanley-Cup-Sieger nutzten die raffinierte Strategie
Tampa Bay setzte 2020/21 nämlich ihren Topstar Nikita Kucherov für die gesamte Hauptrunde auf die Liste (nach einer Operation im Dezember) und hatte so 9,5 Millionen an Cap-Space frei. Wie von Zauberhand war dann Kucherov für die Playoffs ganz fit und war mit 32 Punkten auch noch mit Abstand Topskorer.
Die Golden Knights nutzten 2023 die gleiche Finte: Mark Stone fehlte im Saisonverlauf einige Monate. Ivan Barbashev stieß vor den Playoffs zum Team. Stone (24 Punkte) und Barbashev (18) waren entscheidende Spieler auf dem Weg zum ersten Titel.
Einer Berechnung des Portals PuckPedia zufolge gab es ähnliches auch 2025. Während die Edmonton Oilers im Final Spieler für etwas mehr als 80 Millionen Cap-Hit einsetzten, lagen die Florida Panthers mit 93 Millionen mehr als fünf Millionen über der bis dahin gültigen Obergrenze von 88 Millionen.
Playoff-Cap und weitere Verschärfungen
In der neu ausgehandelten CBA-Vereinbarung (Collective Bargaining Agreement) von 2026-2030 ist dies nun neu geregelt. Die Regeln zum Playoff-Cap und LTIR gelten aber erst ab der Saison 2029/30. Dann wird der Playoff-Salary-Cap analog zum regulären Cap berechnet – und zwar nur auf die maximal 20 einsatzbereiten Spieler pro Spiel.
Hinzu kommen Verschärfungen bei den LTIR-Praktiken: Nur wer garantiert ausfällt, wird auf die Liste gesetzt – sonst gelten Obergrenzen. Zudem wird das doppelte Retention-Handling bei Trades beendet. Dies bezeichnet die Praxis, dass ein Team bei einem Spieler-Trade einen Teil des Gehalts übernimmt, um den Cap-Hit für das aufnehmende Team zu reduzieren. Ein Beispiel: Team A tradet Spieler X an Team B und übernimmt 50 Prozent seines Gehalts. Team B zahlt nur die Hälfte, bekommt aber die vollen Leistungen.
Vorteile und Nachteile - Lob und Kritik
Die Vorteile dieser Reformen sind naheliegend: Massive Einkaufstouren zur Playoff-Vorbereitung sind nicht mehr möglich und somit wird ein grosser Wettbewerbsvorteil ausgehebelt. Dieser nutzte zudem vor allem jenen Teams, die eh schon sportlich abgesichert waren und die Playoffs fast sichergestellt hatten. Auch die Planungssicherheit für alle Clubs wird wieder hergestellt.
Einige kritisieren aber auch diese Reformen: Die taktischen Freiheiten waren ein strategisches Werkzeug – auch bei Verletzungsrisiko und im Bereich der Belastungssteuerung für die Schlüsselspieler. Auch wird eine gewisse finanzielle Flexibilität verringert und die Umsetzungen ab 2029/30 erweisen sich als kompliziert mit der neuen Playoff-Cap-Berechnung. Kritiker:Innen behaupten, NHL-Boss Gary Bettman habe zu lange gezögert angesichts der LTIR-Exzesse der letzten Jahre. Andere fragen: Ist die Regelung nun endlich fair? Oder ist es eine Bremse für kreative Teamentwicklung? Fakt ist aber: Die Zeichen stehen auf eine stabilere, aber für einige geschickte Taktiker unter den General Manager weniger flexible Zukunft.
DE