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Swiss Women's Hockey

Zug ist und bleibt das Mass aller Dinge

 

Die Qualifikation ist gespielt, die Entscheidungen sind gefallen: Zug und Bern sind direkt fürs Halbfinale qualifiziert. Gesucht sind zwei weitere Teams aus dem Quartett Fribourg-Gottéron, ZSC Lions Frauen, Ambri und Davos. Und die Langenthaler Frauen gibt es (leider) nicht mehr.

Die Olympia-Pause hat begonnen, alle Augen sind auf die Schweizer Nationalteams in Mailand gerichtet. Geht's wieder einmal Richtung Medaille? Man würde es sich wünschen, vor allem für die Frauen, die seit Sotschi auf eine weitere WM- oder Olympiamedaille warten. Derweil pausiert die Meisterschaft der PostFinance Women's League. Gehen wir einen Schritt und analysieren wir die Leistungen der acht Teams während der Qualifikationsphase.

Zug: Wer sonst? (Rang 1, 78 Punkte, 148:30)

Hut ab! Die Zugerinnen beenden die Qualifikation nicht nur als "Halbzeitmeister", sie tun das auch mit einem Vorsprung, der seinesgleichen sucht: 20, ja, du liest richtig, 20 Punkte liegt Zug vor dem amtierenden Schweizer Meister SC Bern. Das hat vor ihnen noch kein Team in der PFWL erreicht. Ganz nebenbei hat das Team von Daniela Diaz auch noch den Cuptitel verteidigt. Im Zuger Team ist (fast) alles top: Die Torhüterin, die Verteidigung (am wenigsten Tore erhalten), die Stürmerinnen (mit Abstand am meisten Tore geschossen), das Powerplay (32,4 %, Bestwert der Liga) und auch das Boxplay (92,6 %, zweitbester Wert der Liga). 

Gerade mal zwei Teams haben die Zugerinnen besiegen können, Ambri Ende September und der SC Bern in der Overtime Mitte November. Einen Punkt haben die ZSC Lions Frauen entführt. Wer also soll das bestfunktionierende Team der Liga in den Playoffs schlagen? In einer Fünfer-Serie spricht alles für Zug – nur die Erinnerung an den letztjährigen Playoff-Final, der überraschend klar gegen den SC Bern verloren ging, geistert irgendwo im Hinterkopf mit. Nun, die Zugerinnen sind ein Jahr älter geworden, erfahrener, druckbeständiger und mit einem noch besser funktionierenden Spielsystem. Wer also soll die EV Zug Frauen schlagen??

SC Bern: Aufwärts oder abwärts? (Rang 2, 58 Punkte, 87:54)

Mal hüst und mal hott, mal gut mal schlecht, mal aufwärts, mal abwärts: Der amtierende Meister hat gerade noch die Kurve gekriegt und Ambri im Kampf um den zweiten, zur direkten Halbfinal-Qualifikation, berechtigenden Platz abgefangen. Ob das ein gutes Zeichen ist, bleibt abzuwarten. Fakt ist, der Meister trat vielfach nicht wie ein Meister auf, sondern eher wie ein zusammengewürfeltes Team, das seine Identität sucht. Die als Königstransfers angekündigten Wechsel der beiden Nati-Spielerinnen Sinja Leemann und Stefanie Wetli erwiesen sich als ganz normale Transfers, von den neuen, jungen Spielerinnen hat einzig Lenni Kozuh ihren Platz im Team gefunden, alle andern wurden meist mit B-Lizenz in der SWHL-B eingesetzt. Andererseits reisten nicht weniger als sechs Spielerinnen von Zunzgen, Thun und Ajoie zu total 43 Spielen nach Bern. 

Die statistischen Werte der Schlüsselspielerinnen sind durchwegs schlechter als im Vorjahr. Sinja Leemann beispielsweise erarbeitete sich bei den kriselnden ZSC Lions 28 Punkte mehr als diese Saison in Bern, bei Clara Rozier waren es 16 Punkte weniger, bei Topskorerin Estelle Duvin 7 und ihrer kongenialen Linienpartnerin Maija Otamo deren 6 Punkte weniger. Was sagt uns das? Der SC Bern Ausgabe 2025/26 hat bisher nie zu einer Einheit gefunden, es scheint, als ob die Chemie nicht stimmt. Oder: Wurde das Team inklusive Staff schlichtweg falsch zusammengestellt? Es mutet schon komisch an, wenn man mitten in der Saison eine vierte Ausländerin (Verteidigerin Bailey Kehl) aus der SWHL-B via B-Lizenz engagiert.

Ambri: Weiter so! (Rang 3, 54 Punkte, 91:73)

Der dritte Rang muss für die Tessinerinnen eine riesige Enttäuschung sein, denn wochenlang dominierten sie den Kampf um die direkte Halbfinal-Qualifikation deutlich. Und dann kam der Absturz. Drei Niederlagen in Serie liessen sie auf Rang 3 zurückfallen. Was in diesen zwei Wochen passiert ist (ausser dem Ausfall von Topskorerin Michaela Pejzlova), weiss wohl nur der Garderobengeist in Ambri und Biasca. Und trotzdem hat Ambri mehr überzeugt als vor einem Jahr, acht Punkte mehr gesammelt und mit dem Transfer der Nati-Spielerin Lena-Marie Lutz voll ins Schwarze getroffen: 21 Tore hat die 24-jährige Aargauerin erzielt und ist damit zusammen mit Lara Stalder und Estelle Duvin die beste Torschützin der Liga. Die Tessinerinnen sind in den Play-Ins gegen Davos Favorit, allerdings muss die Leistung von Anfang an stimmen, denn eine Best-Of-Three-Serie ist schnell einmal vorbei.

Was mit zur Steigerung der Leventinerinnen beigetragen hat, ist der Entscheid, alle vier Ausländerinnen weiter zu beschäftigen. Allerdings gilt es auch festzuhalten, dass die Punkteproduktion bei allen Vier rückläufig war, aber sie haben – zusammen mit Lena-Marie Lutz – das Team zusammengehalten. Ob das erneut für eine Vertragsverlängerung reicht, ist im einen oder andern Fall fraglich. Ambri muss dringend weitere Deutschschweizer Spielerinnen à la Lutz von einem Wechsel ins Tessin überzeugen. Nur Nachwuchsspiele-rinnen zu verpflichten, füllt zwar den Kader auf, aber bringt das Team nicht weiter.

Fribourg-Gottéron: Kein Heilsbringer! (Rang 4, 45 Punkte, 74:65)

Der SCB-Meistercoach Thomas Zwahlen ist kein Heilsbringer. Zwar liegen die Freiburgerinnen mit Rang 4 zwei Plätze und zehn Punkte über der Vorjahresleistung. Aber genügt das für den Anspruch, dereinst Meister zu werden. Nein, denn Gottéron hat trotz guten Verstärkungen aus Übersee in keiner Phase der Qualifikation in das Rennen um Rang 2 eingreifen können. Zu schwankend blieben die Leistungen, zu sehr war das Team von seiner Topskorer-Linie mit der (überzeugenden) Kanadierin Ann-Frédérique Guay, Norina Müller, der Schweizer Aufsteigerin des Jahres und der Finnin Jenna Suokko abhängig. Das Secondary-Scoring war mangelhaft, zwischen dem Führungstrio und weiteren Spielerinnen liegen zehn und mehr Punkte.

Dass die Ambitionen und der Hunger nach Erfolg in Freiburg ungestillt sind, ist deutlich spürbar. Hinter den Kulissen heisst es bereits, dass Gottéron im Kampf um die Verpflichtung neuer Spielerinnen kräftig mitmischt. So sei etwa der Wechsel der talentierten 18-jährigen Langenthal-Stürmerin Aiyana Vuillemin nach Freiburg bereits beschlossene Sache. Weitere sollen folgen…

ZSC Lions: Knapp daneben! (Rang 5, 44 Punkte, 67:45)

67 Tore: Seit Jahrzehnten haben die ZSC Lions mehr Treffer erzielt als in dieser Qualifikation. 122 waren es in den letzten beiden Meisterjahren 2022/23 und 2023/24. Nicht weniger als sieben Spiele gingen mit nur einem Tor Differenz verloren, sechsmal verloren die Zürcherinnen zu Null. Was uns das sagt? Den Zürcherinnen fehlte auch in dieser Saison eine herausragende Skorerin. Die beiden Ausländerinnen Kira Juodikis und Topskorerin Kristi Sashkina sind zwar gutes Mittelmass, aber ihnen fehlt oft der Killerinstinkt in ihren Abschlüssen. Die auf Januar 2026 verpflichtete Chloé Aurard-Bushee ist mehr Playmakerin und Vorbereiterin als Torschützin, hat aber seit Jahresbeginn bereits sieben Punkte gesammelt. Und die Österreicherin Anja Trummer ist eine willige Arbeiterin, aber für diese Liga schlicht nicht gut genug, um einen Ausländerplatz einzunehmen. Lisa Rüedi und Isabel Waidacher können noch einigermassen punktemässig mit den beiden Ausländerinnen mithalten, aber die Abgänge der besten Torschützinnen der letzten Saison – Sinja Leemann und Alina Marti – hallen nach. Immerhin: Mit der 19-jährigen Alisha Berger hat sich ein neues Gesicht unter die Top-Torhüterinnen der Liga gespielt. Sie ist mit einem Schnitt von 1,47 Gegentoren die Nummer 2 der Liga und liegt damit noch vor ihrer Teamkollegin Eveliina Mäkinen (1,58).

Von der neuen Führung um die Ex-Nati-Spielerinnen Monika Waidacher als Head of Women's Teams und Christine Meier als Sportchefin und Assistenztrainerin von Headcoach Angela Taylor ist diese Saison mehrfach als Übergangssaison bezeichnet worden. Mit dem Gewinn der Cup-Bronzemedaille und der problemlosen Qualifikation für die Play-Ins ist der Appetit auf mehr nicht wegzureden. Vor allem nach dem die Zürcherinnen an ihrem Family-Day mit dem Spiel gegen Zug (0:1) einen neuen PFWL-Zuschauerrekord (4997 Zuschauer) aufgestellt haben.

Davos: Substanzverlust zu gross! (Rang 6, 36 Punkte, 54:73)

Kein anderes Team der PFWL hat auf diese Saison hin einen derart grossen Substanzverlust hinnehmen müssen wie die Davos Ladies, letzte Saison noch glückliche Gewinner der Bronzemedaille. Das Team der beiden ex-Nationalspielerinnen Evelina Raselli und Livia Altmann verlor auf diese Saison hin nicht weniger als sechs Impact-Spielerinnen, vor allem Topskorerin Elizabeth Lang, die Nummer 2 der letztjährigen Topskorer-Liste mit 53 Punkten. Die neuen Ausländerinnen und die (jungen) Neuzugänge konnten die Lücken nicht schliessen und die Bündnerinnen verloren sich rasch einmal im Niemandsland der Tabelle: (Viel) zu gut für die Playouts, aber zu wenig gut für ein echtes Vordringen unter die Topteams.

Herausragend aus Schweizer Sicht präsentierte sich die Nati-Spielerin Leoni Balzer, auch wenn der offensive Output mit zehn Punkten noch eher bescheiden blieb. Die 20-jährige Stürmerin etablierte sich als beste Schweizer Punktesammlerin und wurde für ihre konstant guten Leistungen mit einem Olympia-Ticket belohnt. Das Experiment mit zwei Schweizer Trainerinnen, die erstmals in der PFWL tätig sind, darf mit gutem Gewissen fortgesetzt werden. Handlungsbedarf besteht auf anderen Positionen…

Langenthal: Auflösung! (Rang 7, 13 Punkte, 31:104)

Nun ist es also wirklich so: Das Frauen-Team des SC Langenthal gibt es nicht mehr!! Trotz mehrwöchigen Rettungsversuchen mit einem Rückerstattungsantrag der Lizenz (der Vorstand des SC Langenthal hatte sein Team fälschlicherweise bereits Mitte Dezember zurückgezogen, anstatt bis 31. Januar zu warten!!). Für ein Ja zur Lizenzrückgabe hätte es ein Zustimmen ALLER A- und B-Clubs benötigt, die den Verband zur Rückgabe der Lizenz hätten umstimmen können. Aber leider waren nicht alle Clubs dafür. Man lässt sich wohl kaum zu sehr auf den Ast hinaus, wenn man bei den Nein-Sagern jene Clubs vermutet, die einen Gratis-Aufstieg in die PostFinance Women's League anstreben und möglicherweise auch jene, die sich einen möglichen Gegner vom Hals schaffen wollten. 

Wie dem auch sei: Gratulation an das Langenthaler Frauenteam, das ungeachtet der ungewissen Zukunft seit Mitte Dezember in jedem Spiel um jeden Zentimeter Eis gekämpft hat. Eine Einstellung, die allergrössten Respekt verdient!! Ob die Langenthaler Frauen nun die Playouts doch noch bestreiten, wird sich weisen. Offen ist auch, was mit den Spielerinnen passiert. Finden alle, die das möchten, einen neuen Club? 

Neuchâtel Hockey Academy: Es schmerzt! (Rang 8, 8 Punkte, 40:148)

Zwei Rekorde hat der Tabellenletzte Neuchâtel Hockey Academy in dieser Saison aufgestellt: Die Neuenburgerinnen haben mit acht Zählern am wenigsten Punkte der letztklassierten Teams seit Einführung der Achter-Liga in der Saison 2023/24 gesammelt. Konkurrent Langenthal brachte es zweimal auf neun Punkte. Und: Der zweite Rekord ist die schlechteste Tordifferenz (-108). Lugano brachte es 2023/24 auf -105, Langenthal ein Jahr später auf -91. Solche Zahlen schmerzen, wenn man die enormen Anstrengungen des einzigen verbliebenen, eigenständigen Frauenclubs in Betracht zieht. Es schmerzt, Neuenburg in dieser Position zu sehen und man wünscht sich, dass – endlich – wieder einmal konkurrenzfähige Ausländerinnen und entwicklungsfähige, neue Schweizer Spielerinnen den Weg nach Neuenburg finden. Die NHA ist in der PFWL eine Institution, die nicht wegzudenken ist, zumal der Club gleich drei Frauenteams in drei Ligen stellt. Allerdings: Vielleicht braucht es mal wirklich einen dauerhaften Wechsel in der Teamleitung. Der Versuch, einen neuen Trainer zu installieren, ist kläglich gescheitert und aus der Interimslösung wurde schnell wieder eine definitive Lösung.

 

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