NHL Observer

In den meisten Playoff-Vorschauen werden die Schlüsselspieler jeder Mannschaft vorgestellt und mit den gegnerischen Stars verglichen. Natürlich kommt in den Playoffs den Goalies und den Schlüsselspielern erneut eine besondere Bedeutung zu. Aber vergessen wir nicht jene „heimlichen Schlüsselspieler“ und „unsung heroes“, die wesentlich dazu beitragen, dass eine Mannschaft in den Playoffs erfolgreich ist. Und so manche dieser Akteure gehören auch zu den wohl meist unterschätzten Playoff Spielern der NHL.

In den letzten Jahren waren beispielsweise Pat Maroon oder Ryan O'Reilly solche Spielertypen, die man zu jenen Akteuren zählen konnte, deren „Impact“ höher war, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Denn wenn man von „unsung heroes“ spricht, sind nicht etwa die besten Skorer damit gemeint. Verschiedene Spielertypen werden damit angesprochen: Zum Beispiel wertvolle Boxplayer oder sehr fleissige Spieler, die im Schatten der Stars eine wichtige Rolle einnehmen. Oder auch jene, die in taktischer Hinsicht speziell wirkungsvoll sind. Beispielsweise sind dies Defensivstürmer, die gegnerische Topstars „an die Kette legen“ oder das Spiel nicht nur besonders gut lesen können, sondern auch ein Flair entwickeln für das Momentum in einer wichtigen Phase einer Playoff-Partie. Gemeint können auch jene sein, die in vorbildlicher Weise mit verbalen und physischen aber auch taktischen Mitteln dem Gegner zusetzen. Und … natürlich auch jene, die als so genannte „Secondary scorer“ als Matchwinner einige Partien entscheiden können. Nicht zu vergessen, dass auch Verteidiger in den Playoffs über sich hinaus wachsen können wie beispielsweise Brian Dumoulin in den Playoffs 2016 und 2017.

Für diese Playoffs könnten also Spieler wie Phillip Danault, Samuel Blais, Nick Foligno oder Blake Coleman einen besonderen „Impact“ erzeugen - sowohl als Secondary Scorer als auch in taktischer Hinsicht. Hier ist unsere Top 5-Auswahl der vielleicht am meisten unterschätzten Playoff Spieler 2021:

Platz 5: Nick Foligno, Zach Hyman (Toronto)

Nick Foligno ist ein typischer „Midseason Depht Trade“. Er wurde zwar nicht eigens für die Playoffs 2021 während der Saison verpflichtet. Aber die Tatsache, dass Nick - wie übrigens auch sein Bruder Marcus Foligno bei den Minnesota Wild – speziell in den Playoffs für die Kadertiefe wichtig sein würde, hat sicherlich eine grosse Rolle gespielt. Er wird bei den Maple Leafs zusammen mit Joe Thornton und Jason Spezza das defensive Gewissen der Stürmer bilden und kann jederzeit auch als Secondary Skorer auffallen. Bei Zach Hyman weiss man, wie giftig und effizient er sein kann und in jedes Sturmtrio eine besondere Prise Energie und Dynamik bringt.

Platz 4: Jared McCann, Bryan Rust und Jeff Carter (Pittsburgh)

Bryan Rust ist seit vielen Jahren einer der etablierten Secondary Skorer in den Playoffs. Er wird in der Szene wohl seit 2016 und 2017 nicht mehr unterschätzt. Auch Jeff Carter nicht, der weiss, wie Playoff-Hockey geht. Beim NHL-Veteranen Carter könnte man allenfalls dazu verleitet werden, ihn aufgrund seines Alters zu unterschätzen. Aber Achtung: Der wuchtige, grosse Stürmer weiss noch, wie man in den Playoffs effizient sein kann. Zur grossen Überraschung könnte Jared McCann aufsteigen, der als Zweiwegstürmer sehr mannschaftsdienlich spielt und ein Auge hat für das Umschaltspiel. Achtung auch auf seinen ansatzlosen und präzisen Handgelenkschuss.

Platz 3: Blake Coleman (Tampa)

Auch Blake Colemans Beteiligung an den Erfolgen der Mannschaft werden unterschätzt. Er ist schnell, taktisch intelligent und ein Boxplay-Spezialist. Er kann mit einer Aktion in jeder Partie das viel zitierte Momentum zu Gunsten der Mannschaft beeinflussen. Er wird ein ständiger Unruheherd werden für die Florida Panthers, weil er besondere Fähigkeiten als „Breakaway-Spieler“ hat.

Platz 2: André Burakowsky, J.T. Compher und Joonas Donskoi (Colorado)

Die drei obgenannten Akteure der Colorado Avalanche gehören wohl zu den drei meist unterschätzten Spielern ihrer Mannschaft. Dass Burakowsky mittlerweile zu einem regelmässigen Skorer aufstieg, hat seinem robusten Spielstil nicht geschadet. J.T. Compher ist seit jeher einer, der es liebt in Extremsituationen sein Spiel einen Grad höher zu schrauben, während Joonas Donskoi schon in den Jahren zuvor, speziell 2017 bei den San Jose Sharks gezeigt hat, wie effizientes Playoff-Hockey geht.

Platz 1: Phillip Danault (Montréal)

Phillip Danault ist das Paradebeispiel eines Teamspielers, der in jeder Phase einer Partie instinktiv das Richtige tut. Als Defensivcenter gegen die besten Offensivtrios der Gegner eingesetzt, ist der taktisch herausragende und bei den Mitspielern beliebte Danault effizient. Der 28-jährige ist schon sehr erfahren und dennoch im besten Alter für einen Center. Er kann sowohl im ersten Offensivtrio Akzente setzen als auch als „Mentor“ für die anderen jungen Center wirken. Wie wertvoll er ist, zeigte sich jeweils, wenn er verletzt aussetzen musste. Ohne Phillip Danault wären die Canadiens de Montréal in den Playoffs anfälliger und weniger effizient. Auston Matthews sagte zuletzt, dass er selten zuvor einen so intelligenten und effizienten Gegenspieler hatte. Es wird sich in diesen Playoffs zeigen, wer die Oberhand behält.

Im Weiteren erwähnenswert sind unter anderem: Jean-Gabriel Pageau (Islanders), Samuel Blais (St. Louis), Zach Whitecloud, Ryan Reaves und Chandler Stevenson (Vegas), Josh Anderson, Joel Edmundson und Jake Evans (Montreal), Nate Thompson, Mathieu Perreault und Nikolai Ehlers (Winnipeg) oder Nino Niederreiter (Carolina). Dies ist eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch beim Slapshot sowie beim Top Hockey und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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