Gazzetta dell'Ambrì

Die Tage der alten Valascia sind leider gezählt. Während der Abschiedssaison werden wir euch in der Gazzetta dell‘ Ambrì deshalb in jeder Ausgabe eine legendäre Geschichte der letzten 61 Jahren präsentieren.

Der Anfang macht ein Playoff-Spiel gegen Fribourg-Gottéron, welches noch Jahrzehnte später die Gemüter erhitzt. Wir schreiben den Samstag, 2. März 1991. Der HCAP führt in der Viertelfinal-Serie mit 2:1 und kann mit einem Heimsieg in die Halbfinals einziehen.

Natürlich ist die Valascia mit 7‘800 (offiziell gezählten) Zuschauern restlos ausverkauft.

Das langjährige Vorstandsmitglied des HCAP Fanclub Luzern, Tiziano Ceresa, erinnert sich: “Die Stimmung war grandios, das Gedränge riesig. Nicht nur in der Curva Sud, sondern auch im Gästesektor. Dieser war dazumal mindestens doppelt so gross wie heute. Die Fribourg-Fans mit ihren knallgelben Leibchen waren mit weit über zehn „Klopfstein“-Cars angereist.“

Mike Bullard genoss mit seinem Schnauz in Ambrì Kultstatus.

Das Spiel war definitiv nichts für schwache Nerven. Pauli Jaks wurde schon nach elf Minuten und vier Gegentoren durch Brian Daccord ersetzt. Das Schützenfest ging munter weiter. Nach 14 Minuten lag Ambri bereits 2:5 hinten, kam aber bis zur ersten Sirene wieder auf 4:5 heran. In der 37. Minute schoss Gottéron das 4:7. Bereits die Vorentscheidung? Von wegen, keine neun Minuten später markierte Luigi Riva den 7:7-Ausgleich. In der 53. Minute ging Ambrì erstmals in Führung und steuerte Richtung Halbfinal zu. Doch 75 Sekunden vor Schluss glich Gottéron durch Mario Rottaris zum 8:8 aus. Nur ein paar Augenblicke später doppelten die Saanestädter gleich nach und brachten den Sieg ins Trockene. Oder etwa doch nicht?

Die letzten Sekunden sind bei Tiz Ceresa immer noch präsent: „Wenige Sekunden vor Schluss schnappt sich unsere Nummer 10 Mike Bullard hinter dem eigenen Tor die Scheibe, drippelt übers ganze Feld und versenkt den Puck mit der Schlusssirene in Fribourgs Kasten. Es war einer jener Momente, als man dachte, die Valascia fliegt demnächst auseinander...“

Allerdings war Schiedsrichter Frey der Meinung, dass die Scheibe ganz knapp nach Ablauf der regulären Spielzeit die Linie überquerte. Tiz Ceresa erinnert sich noch gut daran, wie es zu endlosen Diskussionen auf dem Eis kam. „Eine Viertelstunde nach Matchende war die Valascia immer noch proppenvoll! Einige hatten ihre Nerven nicht mehr im Griff und es kam auf dem Eis zu wilden Raufereien zwischen den Fans.“

Schlussendlich hielten die Schiedsrichter an ihrem Entscheid fest. Mit den modernen Hilfsmitteln von heute, wäre das Spiel in die Verlängerung gegangen. Das Tessiner Fernsehen bewies am nächsten Tag, dass das Tor exakt 37 Hundertstelsekunden vor Ende fiel. Es war also ein Fehlentscheid der Schiedsrichter!

Böse Zungen behaupteten, dass es sich für Ambrì rächte, dass die parteiischen Zeitnehmer zuvor bei mehreren Spielunterbrüchen beim Stand von 8:7 die Uhr hatten laufen lassen…

Das Zeitungstelegramm zum Spiel am 2. März 1991.
Archiv Tiziano Ceresa

Die herausragenden Protagonisten dieses Abends waren auf Seiten von Fribourg die beiden russischen Weltklassespieler Bykov und Khomutov. Kumuliert neun Skorerpunkte gingen auf das Konto der beiden Ausnahmekönner. Ambrì hielt, angeführt vom Duo Mike Bullard und Peter Jaks (total sechs Punkte an diesem Abend), sehr gut dagegen. Mike Bullard absolvierte zwar nur eine Saison in der Leventina, bleibt aber unvergessen. Der kanadische Riesen-Schnauzer, welcher selten ohne Kaugummi anzutreffen war, skorte in 42 Spielen stolze 78 Punkte!

Der HCAP erholte sich von diesem epischen Duell nicht mehr richtig und verlor das entscheidende Spiel 5 in Fribourg gegen Bykov/Khomutov (10 Punkte!!) mit 2:7…

Über die Gazzetta dell'Ambrì

Die Gazzetta dell’Ambrì bietet viele Geschichten über und um den HCAP. Neben dem Magazin, das jeweils viermal im Jahr erscheint, ist die Gazzetta auch auf Social Media aktiv. Das Heft kann über die Webseite oder per Mail abonniert werden.

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Ausgewählte Beiträge aus dem deutschsprachigen HCAP Fanmagazin, welches jeweils viermal pro Jahr als Printheft erscheint.

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