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NHL Explained

Im letzten Artikel habe ich Unrestricted Free Agency erklärt. Dort habe ich erwähnt, dass man alle Spieler, deren NHL Verträge ausgelaufen sind, prinzipiell in zwei Töpfe schmeissen kann. Unrestricted Free Agents (UFA) und Restricted Free Agents (RFA). Den zweiten, etwas komplizierteren Topf, nämlich die RFAs, möchte ich heute erklären.

Von Micha Hofer

Bevor ein Spieler in den vollen Genuss des UFA Status kommt, wird er sich zuerst einige Male mit dem weitaus weniger gemütlichen RFA Status abquälen müssen. Der Grund dafür liegt in den Kriterien, die ein Spieler erfüllen muss, um ein Unrestricted Free Agent zu werden (diese kennst Du ja jetzt auswendig, weil Du meinen letzten Artikel gelesen hast…). Trotzdem kurz zur Wiederholung: Ein Spieler muss entweder sein 27. Lebensjahr überschritten haben, oder bereits 7 Saisons NHL Erfahrung haben um ein UFA zu werden.

Dies hat logischerweise zur Folge, dass jeder (ernstzunehmende) NHL Spieler einmal ein Restricted Free Agent war oder sein wird. Ebenfalls logischerweise trifft dies direkt nach dem Ablauf des drei jährigen Entry-Level Contracts eines Spielers zum ersten Mal zu (mehr dazu hier).

Was bedeutet es nun genau, ein Restricted Free Agent zu sein? Der wohl wichtigste Aspekt ist, dass der Spieler mit RFA Status seinen nächsten Vertrag ausschliesslich mit dem Team unterschreiben darf, mit welchem er zuletzt spielte. Wir sagen «das Team hält das Recht des Spielers». Schade ist dies natürlich, wenn Du als junger Spieler von Arizona gedraftet, oder dorthin getraded wurdest. Glückwunsch! Du spielst wohl bis du 27-jährigbist in der Wüste vor hunderten von Steppenläufern.

Während sich Vertragsverhandlungen für UFAs theoretisch recht einfach gestalten - entweder du unterschreibst das Angebot von Team X oder Y mit spezifischem Lohn und Dauer oder eben nicht – können RFA Vertragsverhandlungen schnell ziemlich chaotisch werden.

Ein Club hat die Möglichkeit, einen Spieler gehen zu lassen und keinen neuen Vertrag anzubieten. Wenn der Club die Rechte zum Spieler jedoch behalten möchte, kriegt der Spieler eine Qualifying Offer. Dies ist eigentlich ein Vertragsangebot, dass dem Spieler je nach Gehalt des vorherigen Vertrages zwischen 100% - 110% des Gehalts eben dieses vorherigen Vertrages anbietet. Sobald der Club diese Qualifying Offer an einen Spieler ausgestellt hat, wird der Spieler bei diesem Club bleiben müssen, egal ob der Spieler den Vertrag annimmt oder ablehnt. Die Qualifying Offer ist für Spieler von höherem Kaliber (wie z.B. Nino Niederreiter) daher reine Formsache und hat gar nichts mit den tatsächlichen Vertragsverhandlungen zu tun. Wenn man das dem Schweizer Durchschnitts-Hockey-Journalisten bei Gelegenheit einmal erklären könnte, wäre ich sehr dankbar.

Es passiert nicht selten, dass Club und Spieler in den darauffolgenden, ernsthaften Vertragsverhandlungen nicht auf einen grünen Zweig kommen. Der Grund dafür ist einfach: Der Club sitzt hier am längeren Hebel. Der Spieler hat letztlich keine andere Wahl, als das Angebot seines Clubs anzunehmen. Ich könnte hier lang und breit über Wettbewerb, Monopole und Reservationspreise schreiben, aber wir waren ja alle mal im Wirtschaftsunterricht und verstehen hier das Grundproblem. Ausserdem ist Ökonomie eine meiner Kern Inkompetenzen und deshalb lassen wir das ohnehin besser.
Wenn also ein Spieler mit RFA Status und sein Team in den Vertragsverhandlungen keinen Konsens finden, kann eine der beiden Parteien die Verhandlung zur Salary Arbitration bringen. Es gibt viele, wilde Regeln, wer wann wie oft zur Salary Arbitration aufrufen darf. Die wichtigste davon ist jedoch, dass ein Spieler erst nach 4 Jahren NHL Erfahrung dieses Recht erhält. Salary Arbitration ist ein bisschen wie ein Gerichtsfall. Team und Spieler treten mit ihren unterschiedlichen Vertragsvorstellungen vor einen unabhängigen «Arbitrator» oder «Richter». Dort verteidigen beide Parteien Ihre meist völlig weltfremden und viel zu hohen bzw. viel zu tiefen Lohnvorstellungen; wahrscheinlich nicht ganz ohne sich ein Grinsen über diese lächerliche Verhandlungsstrategie verkneifen zu müssen. Der Arbitrator sucht dann den rationalen Mittelweg, dort wo die tatsächlichen Vertragsvorstellungen der beiden Parteien ohnehin schon waren, und legt dies als den nächsten Vertrag der Spieler fest.
Es ist wichtig zu erwähnen, dass nur, weil eine der beiden Parteien die Verhandlungen zur Salary Arbitration ziehen möchte, dass nicht zwingend heisst, dass es auch tatsächlich zum Arbitration Hearing kommt. Unzählige Male wurden im Warteraum vor dem Hearing bereits Verträge abgeschlossen und der Arbitrator hat mit seiner Vorbereitung wieder eine Woche seines Lebens für nichts verloren.

Ein weiterer Punkt des Restricted Free Agent Status sind die Offersheets. Ich habe allerdings hier schon ausführlich über diese geschrieben. Dort könnt ihr lesen, wieso man die Dinger sowieso vergessen kann.

Zuletzt bleibt (wahrscheinlich) die Frage, warum junge Spieler in solch eine miserable Position gebracht wurden und dieser RFA Status überhaupt existiert. Nun, einerseits ist da natürlich das Argument, dass Teams Ressourcen in ihre gedrafteten Spieler stecken und auch einen gewissen Ertrag garantiert haben wollen. Andererseits ist es aber auch ein Stück weit die Schuld der Spieler selber. Nicht unbedingt die Schuld der jungen Spieler selber, aber die der älteren Veteranen, welche am Verhandlungstisch sitzen, wenn ein neues  «Collective Bargaining Agreement» (CBA) ausgearbeitet wurde. Ein 33-Jähriger Matt Stajan ist eher bereit, im Gegenzug für einen besseren Altersvorsorgeplan den Team-Besitzern etwas mehr Rechte über die jüngeren Spieler zuzugestehen.

Das ist so ziemlich alles, was es im Bezug zum RFA Status zu wissen gibt. Falls ich einige deiner Fragen unbeantwortet liess, oder Du Vorschläge für ein weiteres NHL-Explained Thema hast, schreib mir auf Twitter @EuroCaps oder via E-Mail an .

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NHL Explained

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