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NHL Explained

Am Heiligabend hat sich Dino Kessler in seiner Rubrik "2 Minuten für Dino" darüber enerviert, dass ihm "Statistik Streber" jetzt das Eishockey erklären wollen. Natürlich bin ich, selbst identifizierter Statistik Streber, mit einigem, was in dem Video gesagt wurde, nicht einverstanden. Deshalb habe ich mir die Freiheit genommen Dino Kesslers Kommentare selbst zu kommentieren.

Von Micha Hofer

Grund für den kleinen „Rant“ scheinen die überraschend guten Vegas Golden Knights zu sein. Zu Beginn erklärt Kessler, dass vor der laufenden NHL Saison niemand damit gerechnet hätte, dass man Vegas zur Weihnachtspause in der Tabelle bei den besten Teams findet. Da hat er natürlich recht, wobei sich der Ausdruck "niemand" aber nicht nur auf Statistiker, sondern wirklich die ganze Hockeywelt anwenden lässt. Kessler sagt selbst, dass die Golden Knights auf dem Papier nicht eine der besten Mannschaften der Liga haben. Die Resultate würden gemäss dem Blick-Journalisten aber etwas anderes sagen.

Weiter erklärt er, dass Statistiken ein Mittel seien, im Nachhinein gewisse Thesen zu erhärten. Das ist tatsächlich ein Anwendungsgebiet für die Analytics und das klappt für den Fall von Vegas auch ganz gut. Die Golden Knights konnten beim Expansion Draft von den restlichen Teams jeweils den viertbesten Verteidiger oder den achtbesten Stürmer auswählen. Dies hat zu einem Team geführt, dass zwar kein Top-Talent aufweisen kann, dafür aber tiefer ist als die meisten anderen NHL Teams. Dies wiederspiegelt sich auch in den Statistiken. Tyler Dellow, "Statistik Streber" von The Athletic, hat zum Beispiel vor kurzem aufgezeigt, dass vor allem die ersten zwei Linien und das erste Verteidiger Duo der Golden Knights Probleme haben, und zu den schlechteren der Liga gehören. Andererseits hat Vegas aber durch die Tiefe ihrer Mannschaft eine 3. und 4. Linie, die im Vergleich zum NHL Schnitt sehr gut abschneiden. Dieser Trend zieht sich durch die herkömmlichen Statistiken wie Tore bis hin zu den Advanced Stats wie Puckbesitz und „Excpected Goals“. Hier sind sich Kessler und die "Statistik Streber" also einig. Vegas hat eine Mannschaft, von der man diese guten Resultate nicht erwartet hätte, Statistiken helfen uns aber im Nachhinein, die guten Resultate zu erklären.

Kessler erklärt uns nun, dass Statistiker glauben, die Zukunft vorhersagen zu können, dies aber niemand könne. Hier muss man vielleicht etwas ausholen. Viele verstehen nicht, warum sich Advanced Stats in ihrer Analyse oft auf Schussversuche und nicht auf Tore stützen. Grund dafür ist, dass Statistiker sich weniger für vergangene Tore und mehr für zukünftige Tore interessieren. Fakt ist, dass Statistiken basierend auf Schussversuchen ein besserer Indikator für zukünftigen Erfolg sind, als herkömmliche Statistiken wie Tore. Keiner hat je behauptet, die Zukunft mit hundertprozentiger Sicherheit vorherzusagen. Man hantiert hier immer mit Wahrscheinlichkeiten, die sich meist um die 60% bewegen. Da ist immer noch eine ziemlich grosse Restwahrscheinlichkeit vorhanden, dass ein anderes Resultat eintrifft, nur ist sie bei den Advanced Stats eben kleiner als bei herkömmlichen Statistiken. Mal ganz abgesehen davon: Modelle, die zukünftige Ereignisse vorhersagen sollen, sind ja nicht nur im Sport, sondern auch in der Wirtschaft omnipräsent, dort hat aber keiner Probleme damit.

Die Statistiker müssten nun zurück buchstabieren und erklären jetzt, dass der Erfolg von Vegas nicht mehr lange anhalten wird. "Ja und?" sagt Kessler, "jetzt sind sie aber gut". Hier gibt es einiges anzusprechen. Als erstes soll gesagt sein, dass längst nicht die ganze Analytics-Community überzeugt ist, dass Vegas noch in sich zusammenbrechen wird. Viele prominente Statistiker, darunter der oben genannte Tyler Dellow, glauben, dass Vegas diesen Erfolg mehr oder weniger aufrechterhalten wird.

Des Weiteren scheint Kessler davon auszugehen, dass die «Statistik Streber» anfangs Saison auf ihre Spreadsheets geguckt haben und aufgrund der Daten Vegas bereits abgeschrieben hatten. Dem ist nicht so. Man hatte zum neuen Team ja noch gar keine Daten. Die Ironie dahinter, die Golden Knights als Beispiel zu wählen um Advanced Stats zu kritisieren, obwohl Vegas diesen Sommer das einzige Team war, über welches Statistiken keine signifikanten Aussagen machen konnten, scheint Kessler nicht bewusst zu sein. Die Statistiker haben sich lediglich die Mannschaft von George McPhee angesehen, und aufgrund des Spieler-Kalibers eine weniger erfolgreiche Saison vorhergesagt. So wie dies der Rest der Medien, darunter scheinbar auch Dino Kessler, ebenfalls getan haben.

Der für mich wichtigste Punkt ist aber die Aussage "Ja und, jetzt sind sie aber gut". Niemand streitet die Position der Golden Knights in der Tabelle ab. Tore erklären vergangene Resultate und damit die aktuelle Tabellenlage immer noch am besten. Statistiker fokussieren sich aber wie oben angetönt mit Stats wie Corsi hauptsächlich auf zukünftige Resultate. Wenn diese Statistiken eine weniger glänzende Zukunft hervorsagen, kann man natürlich schon hinstehen, "Ja und?" sagen und dies ignorieren. Das scheint mir allerdings eine nicht sehr progressive Denkweise zu sein, und wird wohl früher oder später daneben gehen. Da muss man nur die Ottawa Senators fragen, die letztes Jahr trotz miesen Advanced Stats bis ins Conference Final vorgedrungen sind und jetzt zur Weihnachtspause das drittschlechteste Team der NHL sind.

Zum Schluss des Videos erwähnt Kessler einen solchen "Statistik-Streber", der letztes Jahr gesagt haben soll, dass Bern aufgrund von zu wenig Puckbesitz nicht Meister werden könne. Er betitelt besagte Person als "Holzkopf". Keine Ahnung, wer dies wann gesagt haben soll. Berns Corsi-Wert ist tatsächlich letztes wie auch dieses Jahr nicht hervorragend. Dies ist mit «Score Effects» aber gut nachvollziehbar. Bern ist dauernd in Führung und spielt daher oft eher defensiv als offensiv. In den ersten beiden Dritteln ist Bern auch ein gutes bis sehr gutes Puckbesitz-Team. Im dritten Drittel allerdings, in dem der SCB oft nur noch eine Führung verwalten muss, hat Jalonens Team einen weitaus schlechteren Corsi-Wert. Dies ist exakt, was wir bei einem dominanten Team wie den Bernern erwarten würden.

Die Message von Kessler ist, dass Statistiken Hockey nicht erklären könnten. Den Anspruch stellen Statistiken auch nicht. Niemand kann diesen komplexen Sport in seiner Ganzheit erklären, keine Statistiken und keine Blick-Experten. Advanced Stats sind lediglich ein weiteres Tool, welches dabei helfen soll. Die Stärken der Advanced Stats liegen darin, uns Dinge aufzuzeigen, die das menschliche Gehirn nicht verarbeiten kann. Die meisten Teams in der National League haben Corsi-Werte zwischen 45% und 55%. Wie viele Male müsste ich eine Münze werfen, bis unser Gehirn merkt, dass diese zu 55% auf Kopf landet? Zusätzlich sind Advanced Stats besser darin, zukünftige Resultate vorherzusagen als die herkömmlichen Statistiken. Sie haben deshalb einen wichtigen Platz im Sport.

Wer sich gegen die Implementation von Statistiken im Eishockey wehrt, hat bereits verloren. Wir wissen, dass 30 von 31 Teams in der NHL mit Statistiken arbeiten, viele davon haben ganze Analytics-Departments (Das 31-ste Team sind übrigens die oben erwähnten Ottawa Senators). Auch in der Schweiz setzen Teams vermehrt auf Advanced Stats und einige Clubs haben auch schon eigene Statistiker. Auch unsere Nationalmannschaft hat ein Analytics Programm, dass sich von dem von top NHL-Organisationen nicht unterscheiden lässt. Niemand ist gezwungen, sich für diesen Aspekt des Eishockeys zu interessieren. Wer sich aber aktiv dagegenstellt, wird sich auch hierzulande über kurz oder lang geschlagen gegeben müssen.

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