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Das Ambrì-Fieber und seine Nebenwirkungen

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Nach über der Hälfte der Regular Season befindet sich der HC Ambrì-Piotta wider Erwarten fast aller "Experten" noch immer direkt am Strich. Die neu formierte Mannschaft hat es geschafft, sich auch gegen grosse Gegner zu behaupten und sich von ärgerlichen Niederlagen, im Gegensatz zu anderen Jahren, nicht entmutigen zu lassen.

Von Fabiano Wey   (Bild: PHOTOPRESS/Jean-Christophe Bott)

Schaut man den Saisonverlauf an, fällt auf, dass die Leventiner sehr inkonstant sind – ein ständiges Auf und Ab. Vor allem Spitzenteams zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Niederlagen in Serie einziehen, dann aber wieder vorwiegend Siegesserien hinlegen. Siegesserien kann man von Ambrì-Piotta nicht erwarten, aber besser inkonstant, als negativ konstant, wie oftmals in den vergangenen Saisons. Dies illustriert die untenstehende Grafik exemplarisch. Abgesehen vom schwachen Saisonstart, ist es ein ständiges auf und ab. Wie gesagt ist dies natürlich besser, als stets zu verlieren, jedoch ist es ganz sicher mental eine sehr herausfordernde Aufgabe. Auf gute Spiele folgen enttäuschende und umgekehrt. Aber genau dies ist sicher auch ein grosser Verdienst der sportlichen Leitung um Duca, Cereda und Matte, deren Aufgabe es ist, das Team immer wieder neu zu motivieren. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern scheint ihnen das zu gelingen.

Bestes Beispiel ist die vergangene Woche: Zuerst die sehr ernüchternde Niederlage gegen Genf, wo die Pucks partout nicht ins Tor wollten und am Freitag die Frustration in Lausanne. Das Spiel in der Malley 2.0 war die Achterbahn im Kleinen: Nach 11 Minuten mit 0:3 zurück, zu Beginn des 3. Drittels mit 4:3 in Führung, aber am Ende dennoch mit 4:6 verloren. Der Frust war bei den Fans gross und bei der Mannschaft sicher nicht kleiner. 22 Stunden später stand aber bereits der ZSC in der Valascia. Es gibt sicher idealere Aufbaugegner nach einer solchen Niederlage. Was dann folgte hat viele Tifosi verblüfft, zeigt aber auch die (mentale) Verfassung der neuen Squadra. Gegen einen sehr harmlosen ZSC hatten die Biancoblu das Spiel stets unter Kontrolle, liessen sich aber mit dem Tore schiessen bis zur 37. Minute Zeit. Daher stieg die «Angst», dass der HCAP am Ende trotz guter Leistung wieder als Verlierer vom Eis muss. Die vergangenen Jahre haben diese Haltung in den Köpfen festgesetzt. Diese Befürchtungen wurden an diesem kalten Dezemberabend in der Valascia nicht zur Wahrheit. Die Mannschaft zeigte eine (ungewohnt) konstante Leistung über die vollen 60 Minuten, plötzlich fielen dann die Pucks rein und Goalie Conz erstickte die ZSC-Hoffnungen auf eine Wende im Keime. Die grosse Achterbahnfahrt findet seine Fortsetzung.

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Der Punkteverlauf vom HC Ambrì-Piotta nach 28 Runden.

Aber wo endet diese Achterbahn? Im Hoch mit der sensationellen Playoff-Qualifikation, in der Zwischenstation mit dem vorzeitigen Ligaerhalt oder doch im Tunnel? Natürlich ist diese Frage zurzeit nicht zu beantworten. Aber die Tatsachen, dass die Mannschaft keine Niederlagenserien, wie anfangs Saison mehr zulässt und auf schlechte Spiele umgehend reagieren kann, sind gute und ermutigende Anzeichen. Ambrì hat nach 28 Spielen 33 Punkte auf dem Konto. Letzte Saison waren es zur gleichen Zeit deren 26 Zähler. Mit 33 Punkten ist das Team auf Kurs zu 59 Punkten in der Regular Season. Letztes Jahr hatte das Achtplatzierte Biel 70 Punkte erspielt. So viel wird es dieses Jahr höchstwahrscheinlich nicht brauchen. Aber 59 reichen sicher auch nicht. Gibt es in der zweiten Hälfte diese negative Serie, wie anfangs Saison nicht, wird diese Zahl übertroffen. Um Spiele zu gewinnen braucht es Tore und diese werden mit Torschüssen produziert. Von diesen hat Ambrì so viele wie kein anderes Team der gesamten Liga. Ganz sicher ein direkter Einfluss von Trainer Luca Cereda. Mit 74 erzielten Toren ist man nur noch 39 hinter der Zahl aus dem Vorjahr in der gesamten Qualifikation. Dazu hat man momentan eine Tordifferenz von -11, letztes Jahr lag sie am Ende bei -51.

Es kündigt sich ein enorm knapper Strichkampf an, bei dem bei Punktgleichheit am Ende auch die Direktbegegnungen eine grosse Rolle spielen könnten. Zu Beginn der Saison sah es bei Ambrì in diesem Bezug nicht schlecht aus. Dies hat sich etwas gedreht. Mit Niederlagen gegen Biel, Lausanne und Genf musste man direkten Konkurrenten Punkte überlassen. Die Siege gegen Lugano, ZSC, Fribourg und Davos sind zwar wunderschön, aber bei Punktgleichheit mit Lausanne, Genf etc. spielen diese keine Rolle. Eventuell nicht unvorteilhaft könnte der Spielplan in den letzten 10 Runden sein. Ambrì spielt dreimal gegen Zug und je einmal gegen Bern, Davos und Fribourg. Dies sind Teams, die vermutlich dann nicht mehr die allerhöchsten Ambitionen haben werden und sich schon mit höheren Aufgaben zu beschäftigen beginnen. Allerdings stehen auch wichtige Spiele gegen Genf und Biel noch auf dem Programm. Meine Prognose: Die Achterbahn könnte eine schwindelerregende Geschwindigkeit aufnehmen und erst nach 50 Runden abrupt zum Stopp kommen. Endstation: Unknown.

Anmerkungen, Korrekturen, andere Meinungen? Schreibt mir auf Twitter @FabWey.

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Das Ambrì-Fieber und seine Nebenwirkungen

Blog mit aktuellen Themen und Hintergrundinformationen rund um das Phänomen HC Ambrì-Piotta - Ein Bergdorf spielt mit den Grossstadt-Vereinen mit.

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