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Das Ambrì-Fieber und seine Nebenwirkungen

Es war wohl für die meisten eine Überraschung, als die Meldung publik wurde, dass Reto Berra nicht nach Fribourg, sondern nach Anaheim wechseln würde und damit in Nordamerika bleibt. Geplant war, dass Berra für mindestens die nächsten drei Jahre die Nummer 1 bei Gottéron wird. Da Benjamin Conz Mitte Juni in Ambrì unterschrieben hat, haben die Drachen plötzlich nicht mehr ein Goalie-Luxusproblem, sondern eine echte Challenge vor sich.

Von Fabiano Wey

Berra hat, gemäss CapFriendly, in Anaheim einen Vertrag für ein Jahr über 700'000 USD unterschrieben. Dies ist nicht die Hälfte von dem, was er in Colorado erhalten hatte. Allerdings bewegt sich das Salär bei Fribourg wohl ein klein wenig darunter, was die Entscheidung nicht sonderlich schwer machte. Hinter John Gibson und Ryan Miller geht er als designierte Nummer 3 in die neue Saison. Wohl nur bei einer Verletzung von Gibson oder Miller kommt er zu NHL-Einsätzen. Ansonsten kämpft er mit Jungtalenten um Einsätze in der AHL.

Der ursprünglich unterschriebene Dreijahresvertrag bei Fribourg bleibt bestehen und würde weiterhin gelten, falls Berra nach der nächsten Saison aus Anaheim zurückkommt. Aber verfolgen die Kalifornier tiefergehende Pläne mit Berra? Miller hat noch einen Vertrag für die nächsten zwei Saisons und wird dann 38 sein. Daher ist es sehr unklar, ob ihm nochmals verlängert wird. Aber zu sagen, dass sie Berra für seine Nachfolge sichern wollten, ist sehr weit hergeholt. Trotzdem, sollte Berra gute Leistungen zeigen, ob in der NHL oder AHL, könnte er durchaus in Anaheim oder sonst wo in Nordamerika eine Zukunft haben.

Sollte er tatsächlich über nächste hinaus in Nordamerika bleiben, hätte Fribourg noch viel grössere Probleme, nach dem Abgang von Conz Konstanz auf die Torhüterposition zu bringen. Denn genau das war mit der Verpflichtung Berras die Absicht.

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Bild: PHOTOPRESS/Salvatore Di Nolfi

Kurzfristiges Problem bei Fribourg – Und Langfristig?

Da Fribourg Reto Berra die NHL-Ausstiegsklausel zugestehen musste, haben sie nun das grosse Problem: Fribourg steht unter Zugzwang und muss schnell handeln. Sie haben momentan nur den 20-jährigen Goalie Ludovic Waeber unter Vertrag. Die eine Option ist eine Ausländerlizenz für einen Goalie zu «opfern». Zum jetzigen Zeitpunkt haben sie vier ausländische Feldspieler unter Vertrag- den Norweger Holøs und die Tschechen Birner, Cervenka und Repik. Der ausländische Goaliemarkt ist aber recht ausgetrocknet. Wenn sie diese Option wählen, wäre Jakub Stepanek eine logische Wahl. Der 31-jährige Weltmeister hat vor zwei Jahren bei Bern Erfahrung in der Schweiz gesammelt und ist dazu auch ein Tscheche.

Verpflichtet Fribourg keinen ausländischen Goalie, müssen sie eine Nummer 2 eines anderen Schweizer Teams ausleihen...ausser sie verpflichten Martin Gerber. Wir wissen nicht, ob er an Fribourg überhaupt Interesse hätte oder nicht, aber Gerber ist der einzige Schweizer National League Torhüter noch ohne Vertrag für die neue Saison. Der Vorteil: Ihm könnte man sicher einen Einjahresvertrag geben und sich so nichts verbauen, sollte Berra zurückkommen. Hinzu kommt, dass Fribourg mit dieser Lösung nicht Gefahr läuft, dass eine Leihgabe plötzlich zurückgeholt wird und sie dann erneut ohne Goalie da stehen. Doch, welche potentiellen Ausleihe-Möglichkeiten gibt es überhaupt? Nicht viele, ist die Kurzantwort. Sofort wurde Davos als möglicher Ausleihpartner gehandelt. Aber die Bündner müssen nachdem Gilles Senn im NHL Draft gezogen wurde selber zuerst evaluieren, wo sie stehen. Der ZSC hat mit Schlegel und Flüeler zwei ebenbürtige Goalies, aber beabsichtigen sie zu rotieren, sind sie ebenfalls kein Kandidat. Kloten könnte eine Möglichkeit werden. Auf die neue Saison hin haben sie den Finnisch-Schweizerischen Doppelbürger Dennis Saikkonen von…Fribourg verpflichtet. Sollte er nun ausgeliehen werden, würde Luca Boltshauser zur klaren Nummer 1 werden. Eine andere Option könnte Daniel Manzato sein, welcher bei Lugano keine Eiszeit bekommt. Er wäre daher für beide Seiten keine schlechte Lösung. Momentan nicht in der National League beschäftigt ist Melvin Nyffeler von Rapperswil. Ein Wechsel kommt aber natürlich nur in Frage, wenn Nyffeler eine National-League-Ausstiegsklausel besitzt.

Angenommen, Fribourg verpflichtet oder leiht einen Goalie für eine Saison aus, bekommen sie so keine Probleme, wenn Berra zurückkommt. Und man muss kein Prophet sein, wenn man sagt, dass Fribourg das so machen wird. Aber was ist, wenn Berra überzeugen kann und über die Saison hinaus in Nordamerika bleibt? Eines ist sicher: Benjamin Conz kommt nicht zurück. Zwar hat er in Ambrì (nur) einen Vertrag für ein Jahr plus Option erhalten, aber wie Fribourg-Sportchef Christian Dubé gegenüber sport.ch  erklärte, wäre es auch zur Trennung gekommen, wenn Berra nicht verpflichtet worden wäre.

In diesem Blog war Ambrì nur indirekt das Thema. Sie werden im Nachhinein wohl nicht unglücklich sein, dass sie Reto Berra nicht bekommen haben, falls sie überhaupt jemals die Absicht dazu hatten.

Habe ich in der Betrachtung um Fribourg und Reto Berra einen wichtigen Aspekt vergessen? Schreibt mir auf Twittter @FabWey oder schickt mir eine Mail. Ich würde mich freuen.

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Das Ambrì-Fieber und seine Nebenwirkungen

Blog mit aktuellen Themen und Hintergrundinformationen rund um das Phänomen HC Ambrì-Piotta - Ein Bergdorf spielt mit den Grossstadt-Vereinen mit.

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