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Vor dem letzten Qualifikationswochenende durchlebt der EV Zug eine resultatmässige Baisse. Besteht im Hinblick auf die Playoffs Anlass zur Sorge oder handelt es sich bloss um einen mentalen Durchhänger?{sitelinkxoff}

{sitelinkxoff}Im letzten Monat – seit die ZSC Lions am 25. Januar die Zuger Serie von sechs Siegen de suite beendet haben – konnten die Zuger von zwölf Meisterschaftspartien nur noch fünf gewinnen. Auf die Tabelle hat sich die Zuger Baisse kaum ausgewirkt – schlimmstenfalls werden die Kolinstädter die Qualifikation im zweiten Rang beenden und es verpassen, neue Klubrekorde aufzustellen. Beides wäre zu verschmerzen. Wichtiger als der Qualifikationssieg wäre manchem Fan wohl ohnehin die Gewissheit, den ZSC Lions als Gegner im Playoff-Viertelfinal ausweichen zu können. Und ob die Zuger nun erstmals die 100-Punkte-Marke knacken, erscheint sekundär.

Treten sie am Wochenende nicht völlig desolat auf, werden sie dennoch einige Klubbestmarken aufstellen. Der EVZ wird einen neuen defensiven Bestwert aufstellen (der Gegentorschnitt liegt momentan bei 2,26 Gegentoren pro Spiel), mit einem weiteren Sieg nach 60 Minuten würden die Zuger erstmals auf 30 Siege in der regulären Spielzeit kommen und mit sechs weiteren Punkten einen neuen Punkterekord aufstellen.

Die Zuger Defensive ist auf dem Weg zu einer Rekordsaison.
PHOTOPRESS / Urs Flüeler

Herausragende Statistiken unterwerfen sich den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit

Trotz – oder gerade wegen – der zuvor so souveränen Darbietungen, mögen die Resultate und inkonstanten Leistungen der letzten Wochen im Hinblick auf die vor der Tür stehenden Playoffs beunruhigen. Zumal die Mannschaft zunehmend mit einem vollständigen Lineup angetreten ist. Für eine bessere Beurteilung der Resultate lohnt sich eine Kontextualisierung. Wer die Statistiken anschaut, sieht, dass die Zuger bei der Schusseffizienz (2.), Fangquote der Torhüter (2.), Powerplay- (3.) und Boxplay-Quote (2.) jeweils zu den Besten der Liga gehören. Den Gesetzen von mathematischen Wahrscheinlichkeiten folgend gehen Statistiker davon aus, dass sich die kombinierten Werte (Schusseffizienz und Fangquote; Powerplay und Boxplay) im Verlaufe von zunehmenden Partien und Erfahrungswerten dem Liga-Durchschnitt von 100 Prozent annähern. Genau dies ist beim EVZ im letzten Monat geschehen. Das Boxplay war zuletzt nicht mehr so effizient, die Effizienz im Abschluss nicht mehr so gnadenlos und die Torhüter haben nicht mehr so überragend gehalten (was auch damit zusammenhängt, dass Tobias Stephan nach seiner Verletzungspause noch nicht zur Bestform zurückgekehrt ist) wie in den ersten zwei Dritteln der Qualifikation.

In den entscheidenden Partien bereit

Dass sich diese Faktoren resultatmässig stark ausgewirkt haben, kann mit anderen Erklärungen, die nicht statistisch messbar sind, begründet werden. Eine, welche um diese Jahreszeit oft genannt wird, ist, dass Spitzenteams ab dem Zeitpunkt, in dem die Playoff-Teilnahme mehr oder weniger gesichert ist, die Schrauben im Training anziehen. Dies sollte die Spieler auf die Intensität in den Playoffs vorbereiten, hat aber kurzfristig zur Folge, dass die Mannschaft weniger spritzig auftritt.

Eine andere Erklärung berücksichtigt die mentale Einstellung der Spieler. Ab Ende Januar hat rund um den EVZ der bevorstehende Cup-Final nicht nur die Berichterstattung, sondern wohl auch die Gedanken der Akteure dominiert. Keiner wollte sich im Hinblick auf die für die gesamte Organisation so wichtige Partie – von Sven Senteler mit einem «siebten Spiel einer Playoff-Serie» verglichen – verletzen. Nach dem Cupsieg und den Feierlichkeiten anlässlich des ersten Pokalsiegs nach über zwei Jahrzehnten brauchte die Mannschaft wohl einige Partien, um sich wieder auf den Meisterschaftsalltag zu fokussieren. Die paar Prozent, um welche die Spieler physisch und psychisch zuletzt nachgelassen haben, wirkten sich resultatmässig insofern fataler aus, als dass die Zuger in neun der erwähnten zwölf Partien gegen Teams angetreten sind, die noch mitten im Kampf um die Playoff-Plätze stecken und mit 100-prozentiger Leidenschaft und Identität um jeden einzelnen Punkt kämpfen. Es überrascht folglich nicht, dass sämtliche sieben Niederlagen im letzten Monat gegen Mannschaften in Reichweite des Strichs resultierten (während die Partien gegen Bern, Davos und Rapperswil allesamt gewonnen wurden).

Dafür, dass es sich eher um ein mentales Problem also um eine Leistungskrise handelt, spricht die Tatsache, dass die Zuger im letzten Monat in den drei für sie wichtigsten Partien eine überzeugende Leistung zeigen konnten. Einerseits im Cup-Final gegen die Rapperswil-Jona Lakers, anderseits in den Meisterschaft-Heimspielen gegen die ZSC Lions und den SC Bern. Im Spiel gegen die Zürcher besiegten sie den letzten noch nicht bezwungenen Widersacher; gegen den Tabellenführer setzten sie ein Zeichen der Stärke im Kampf um den Qualifikationssieg (das am Dienstag gegen Biel allerdings nicht bestätigt wurde). Die drei Partien mögen als Indiz dienen, dass die Zuger jede Mannschaft schlagen (können), wenn sie mit der richtigen Einstellung antreten und der Partie die notwendige Bedeutung zumessen. Im Hinblick auf die Playoffs sollten Motivationsschwierigkeiten oder mentale Blockaden, die momentan gegen Strichteams zu uninspirierten Leistungen und ungenügenden Resultaten führen, nicht auftreten...

Welcher Söldner muss pausieren?

Eher Anlass zur Sorge bieten mag die Tatsache, dass insbesondere im Angriff noch unklar ist, wie die beste Aufstellung aussieht. Exemplarisch lässt sich dies anhand der Ausländer darstellen. Nach der Rückkehr von Carl Klingberg vor einer Woche verfügt Coach Dan Tangnes erstmals über den Luxus, dass er aus fünf fitten Akteuren vier auswählen kann. Bereits nach Klingbergs Comeback hat sich der Coach dahingehend geäussert, dass er für den Schweden einen Stammplatz vorsieht, und Zuversicht verbreitet, dass der Flügelstürmer im Hinblick auf die Playoffs bereit sein wird. In den letzten Partien hat Klingberg stetig an Fahrt aufgenommen, weshalb davon auszugehen ist, dass er in den Playoffs gesetzt sein wird. Dasselbe gilt für seinen Landsmann Dennis Everberg. Mit seiner Wucht und Intensität vor dem gegnerischen Tor bringt dieser Elemente mit, die gerade in den Playoffs von unermesslicher Bedeutung sein werden.

Weniger klar ist das Bild bei den drei ausländischen Centern. Garrett Roe hat trotz einigen Verletzungspausen eine überzeugende Qualifikation gespielt. Für ihn spricht seine Spielübersicht, das Verständnis mit Everberg und seine Unberechenbarkeit im Powerplay. Gegen ihn spricht, dass er in den letzten Saisons in den Playoffs jeweils abgetaucht ist und sich allzu leicht provozieren lässt. Zuletzt pausierte Roe gegen Bern und in Biel – ob er überzählig war oder geschont wurde, ist nicht klar.

Kann Roe Rückkehrer Klingberg auch in den Playoffs in Szene setzen?
PHOTOPRESS / Alexandra Wey

Stattdessen durfte zuletzt Brian Flynn zwischen den schwedischen Flügeln wirbeln. Der US-Amerikaner hat sich nach seiner Ankunft im Januar an die Verhältnisse auf Schweizer Eis akklimatisiert und gezeigt, dass er nicht nur ein Lückenbüsser, sondern eine echte Verstärkung sein kann, falls sich ein anderer Importspieler verletzt oder nicht überzeugt. Flynn verfügt über eine komplette Spielweise und hat im letzten Frühjahr bei den Texas Stars gezeigt, dass er in den Playoffs für den Unterschied sorgen kann.

Sorgenkind McIntyre – und Martschini?

Genau umgekehrt als bei Roe gestaltet sich die Lage bei David McIntyre. Der Kanadier hat in seinen beiden Saisons beim EVZ bewiesen, dass er in den Playoffs jeweils sein bestes Hockey spielt. Unvergessen bleibt, wie er die Zuger vor zwei Jahren mit elf Toren in den ersten Final nach 19 Jahren geführt hat. Doch beim 32-Jährigen wirft der aktuelle Formstand Fragen auf. Mittlerweile hat er seit neun Partien keinen Treffer mehr erzielt – und in den letzten 23 Meisterschaftsspielen kommt er nur auf zwei Tore. Seine Baisse lässt sich nicht nur an der mageren offensiven Produktion ablesen, sondern auch an ungewöhnlich vielen Scheibenverlusten und Strafen sowie fehlender Spritzigkeit. Dies lässt sich mit den drei bis vier unterschiedlichen Blessuren und längeren Pausen erklären, die dazu geführt haben, dass sich der Kanadier immer noch auf der Suche nach dem Spielrhythmus befindet.

Zumindest die physischen Probleme scheint McIntyre hinter sich zu lassen. Nach der Partie vom vergangenen Samstag gegen den SC Bern, in welcher er seinen besten Auftritt seit längerer Zeit absolviert hatte, bekannte er, dass sich seine physische Verfassung im Vergleich zu früheren Phasen in der Saison «wie Tag und Nacht anfühlt. Ich habe kürzlich zu Lino [Martschini] gescherzt, dass ich mich so gut gefühlt habe wie zuletzt gegen Lugano im zweiten Saisonspiel [als er vor fünf Monaten nach einem Treffer und zwei Assists im ersten Drittel verletzungsbedingt ausgeschieden war].» Angesichts seiner Fähigkeit, in den Playoffs aufzublühen, hoffen die Zuger darauf, dass McIntyre am letzten Wochenende der Qualifikation seine zuletzt aufsteigende Formkurve bestätigen und seine Torflaute beenden kann.

Ein wichtiger Mann in den Playoffs der vergangenen Jahre, David McIntyre.
PHOTOPRESS / Patrick B. Kraemer

Ein gesunder und dominanter McIntyre könnte sich als Schlüssel zum Zuger Playoff-Erfolg erweisen – nicht nur aufgrund seiner eigenen offensiven Produktion, sondern auch, weil ihm die Verantwortung zukommt, Topscorer Martschini die bestmöglichen Voraussetzungen zu bieten, damit dieser erstmals in den Playoffs sein Potential restlos ausschöpft. Bisher konnten die beiden noch zu selten den Nachweis erbringen, dass ihre Linie besser ist als die Summe der Einzelteile. Gelingt ihnen dies, dürfen sich die Kolinstädter berechtigte Hoffnungen machen, dass ihre momentane Baisse sehr bald als nicht mehr als eine Fussnote der Saison 2018/19 betrachtet wird.

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