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Nach dem überzeugenden und überraschend deutlichen Sweep gegen den HC Lugano trifft der EV Zug im Playoff-Halbfinal auf den Lausanne HC. Die Zuger sollten sich auf eine wesentlich engere Serie einstellen, doch was können wir konkret erwarten?

Am Samstag haben die Waadtländer erstmals in ihrer Klubgeschichte eine Playoff-Serie in der obersten Spielklasse gewonnen. Nach den beträchtlichen Investitionen in den letzten Jahren und vor dem Einzug in die renovierte Patinoire de Malley in der kommenden Spielzeit mag dieser Erfolg die Ankunft des Klubs in der sportlichen Spitzengruppe der Liga markieren. Nun duelliert sich der LHC erstmals in den Playoffs mit dem EV Zug, einem gleichfalls aufstrebenden Verein. Diese Affiche verspricht unterhaltsames Eishockey und bietet Stoff für einige interessante Geschichten. Im Folgenden drei Müsterchen.

Unterschiedliche Philosophien im Spiel ohne Puck

Die beiden Headcoaches geben den aufstrebenden Organisationen ein passendes Gesicht. Dan Tangnes und Ville Peltonen stehen erstmals als Headcoaches in einem Playoff-Halbfinal in der obersten Spielklasse an der Bande. Beide haben eindrücklich bewiesen, dass sie mehr als vielversprechende Trainer-Talente sind, indem sie ihre Teams bereits in ihrer ersten Saison zu neuen Höhen geführt haben. Entscheidende Bedeutung kommt dabei den jeweiligen Spielphilosophien zu. Beide Teams verfügen über solide Defensiven, wobei die Mehrheit der Verteidiger überdurchschnittliche Qualitäten im Stellungsspiel und Spielaufbau aufweisen. Das Verhalten in der eigenen Zone basiert jedoch auf gänzlich unterschiedlichen Grundsätzen. Während die Zuger aktiv Druck auf ihre Gegenspieler ausüben, um den Puck so schnell wie möglich zurückzuerobern, verhalten sich die Lausanner gegenüber den Gegnern passiver und konzentrieren sich stattdessen darauf, sie mit einem soliden Stellungsspiel aus gefährlichen Abschlusspositionen zu drängen und notfalls viele Schüsse zu blocken.

Lino Martschini im Zweikampf mit Lausannes Dustin Jeffrey.
PHOTOPRESS / Martial Trezzini

In der Qualifikation hat dies dazu geführt, dass der LHC verhältnismässig viele Schüsse zugelassen hat, doch überwiegend ausserhalb der unmittelbaren Gefahrenzone, was wiederum die Fangquote des Goalie-Duos Sandro Zurkirchen und Luca Boltshauser beflügelt hat. Ein weiterer Effekt ist, dass die Waadtländer aufgrund des weniger aggressiven Zweikampfverhaltens wenige Strafen nehmen und so – trotz eines mässig effizienten Boxplays – in der Qualifikation ex-aequo mit dem EVZ am drittwenigsten Treffer in Unterzahl hinnehmen mussten.

Bei den Zentralschweizern ist es genau umgekehrt: Obwohl sie viele Strafen nehmen, können sie dank eines effizienten Boxplays den Schaden in Grenzen halten. Dass dies ein gefährliches Spiel ist, dürfte die Mannschaft von Tangnes in den Playoffs zum wiederholten Male bemerkt haben. Zwar mussten sie in Unterzahl nur einen Gegentreffer hinnehmen, doch erzielten die Luganesi viermal einen Treffer unmittelbar nach Ablauf eines Powerplays. Für die Zuger ist es deshalb von vorrangiger Bedeutung, dass sie disziplinierter auftreten und – auch in der offensiven Zone – weniger Strafen nehmen, zumal die Lausanner in den Playoffs bisher äusserst effizient in den Powerplays agiert haben. Auf der anderen Seite wird es interessant zu beobachten sein, ob es den Zugern gelingen wird, gegen die disziplinierten Waadtländer weiterhin so viele Strafen zu provozieren. Denn ihre starke Ausbeute im Powerplay verdanken die Zentralschweizer vor allem der Tatsache, dass sie sowohl in der Qualifikation als auch in den Playoffs am häufigsten in Überzahl antreten durften. In den Direktbegegnungen mit Lausanne in der abgelaufenen Qualifikation ist ihnen dies gelungen, doch zeigte sich das Powerplay ungewohnt zahnlos, was teilweise erklären mag, weshalb der EVZ drei der vier Partien verloren hat.

Goalie-Duell unter speziellen Vorzeichen

Mit Robin Grossmann, Dario Trutmann, Sandro Zangger spielen mehrere ehemalige Zuger nun beim Gegner. Am speziellsten dürfte sich die Affiche jedoch für Torhüter Sandro Zurkirchen anfühlen. 2013 beim EVZ ausgemustert, wird er diesen Sommer Lausanne wohl trotz eines weiterlaufenden Vertrages verlassen, weil die Waadtländer sein Gegenüber Tobias Stephan verpflichtet haben. Beiden Torhüter bietet sich nun die Chance, ihren momentanen Arbeitgebern zu zeigen, dass sie womöglich nicht die beste Entscheidung getroffen haben. Beide haben nach einer sehr guten Qualifikation in den Playoffs noch nicht restlos überzeugt, wobei in den entscheidenden Phasen auf sie Verlass war. Für Stephan spricht die Erfahrung, dass er seine Mannschaft bereits zweimal in den Playoff-Final geführt hat, während Zurkirchen seine ersten Playoffs als Stammkeeper bestreitet.

Lausannes Schlussmann Sandro Zurkirchen könnte auf nächste Saison hin nach Lugano wechseln.
PHOTOPRESS / Martial Trezzini

Offensive Abhängigkeit vs. Ausgeglichenheit

Je mehr in den Partien auf dem Spiel steht und je umstrittener sie sind, desto eher werden die Coaches dazu tendieren, ihre besten Kräfte zu forcieren. Entsprechend wird die Bedeutung der beiden momentan wohl besten Verteidiger der Liga, Raphael Diaz und Jonas Junland, für ihre Mannschaften noch zunehmen. In der Offensive wird Peltonen die Linie um Dustin Jeffrey mit den Flügeln Christoph Bertschy und Joël Vermin forcieren. Das Trio hat in den Playoffs mit zwölf Treffern mehr als die Hälfte aller Lausanner Treffer erzielt. Von Stürmen wie Ronalds Kenins, Tyler Moy oder Yannick Herren, die allesamt noch auf ihren ersten Treffer bei numerischem Gleichstand warten, muss mehr kommen, wenn der LHC den Final erreichen soll.

Schlüsselspieler für den LHC, Jonas Junland, verteidigt gegen Zugs Garrett Roe.
PHOTOPRESS / Laurent Gillieron

Bei den Zugern stellt sich die Frage, ob Tangnes nun beginnen wird, seine Bank zu kürzen. Bisher hat er keinen Anlass dazu gesehen. Der Erfolg gibt ihm Recht. Die vier Linien haben mit ihrem Tempo, Intensität und Offensivdrang Lugano mehrheitlich dominiert und dazu beigetragen, dass die gegnerischen Top-Spieler wie Grégory Hofmann oder Jani Lajunen kaum von einer anhaltenden Druckperiode ihrer Teamkollegen profitieren konnten. Viele sogenannte Rollenspieler wie Sven Leuenberger, Dominic Lammer oder Yannick-Lennart Albrecht konnten ihren Einsatz zudem mit Toren vergolden lassen.

Eine Statistik mag die Diskrepanz zwischen der Zuger Ausgeglichenheit in der Offensive und der Lausanner Abhängigkeit von der Top-Linie illustrieren. Unter den Top 30 mit der besten Punkteausbeute pro Partie in den diesjährigen Playoffs rangieren vom LHC bloss die drei Akteure der Top-Linie – vom EVZ hingegen zehn (!) Spieler. Nicht zuletzt aufgrund der grösseren offensiven Breite sind die Kolinstädter in dieser Serie zu favorisieren.

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