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Nach dem Saisonende ist es an der Zeit, sich mit den Kaderveränderungen für die kommende Saison zu befassen. Gerade auf den Ausländerpositionen wird es beim EVZ noch zu Mutationen kommen – im Folgenden eine Analyse der Meldungen aus den letzten beiden Tagen.

Bekanntlich dürfen sich die Zuger Fans bereits jetzt ausserordentlich auf die kommende Spielzeit freuen – nicht nur aufgrund der erfolgreichen abgelaufenen Spielzeit, sondern weil mit Leonardo Genoni und Grégory Hofmann der wohl beste Schweizer Goalie der letzten Jahre und der beste Torschütze der vergangenen Qualifikation das ohnehin schon starke Team veredeln werden. Zudem stösst mit Jérôme Bachofner einer der talentiertesten Stürmer aus der ZSC-Organisation an den Zugersee. Auf der anderen Seite verlassen neben Ersatztorhüter Sandro Aeschlimann mit Reto Suri, Dominic Lammer und Tobias Stephan gleich drei langjährige und verdiente Akteure den Klub. Daneben sind – abgesehen von Verschiebungen, welche Junioren betreffen – keine Mutationen bei den Schweizer Spielern zu erwarten.

Mindestens drei Ausländer verlassen den EVZ

Umso mehr Arbeit dürfte Sportchef Reto Kläy bei der Komplettierung des Ausländer-Quartetts bevorstehen. Bekannt wurde in den letzten Tagen, dass der EVZ fortan ohne sein magistrales Duo bestehend aus Garrett Roe und Dennis Everberg auskommen muss. Bei beiden überraschte die Meldung nicht, da Roes Wechsel zu den ZSC Lions schon länger kolportiert wurde und Everberg familiäre Erwägungen priorisiert hat. Daneben wird der Vertrag mit Brian Flynn nicht verlängert. Das ist eine vernünftige Entscheidung, da der US-Amerikaner zwar einen soliden Job als fünfter Ausländer verrichtet hat, es auf dem Transfermarkt im Frühling und Sommer jedoch mit Sicherheit überzeugendere Optionen geben wird.

Stürmen ab nächste Saison nicht mehr gemeinsam für den EVZ: Garret Roe und Dennis Everberg.
PHOTOPRESS / Alexandra Wey

Vielseitiger schwedischer Flügel

So ist Kläy bei der Besetzung eines freien Ausländerplatzes bereits fündig geworden. Mit Erik Thorell konnte er den gewünschten (linken) Flügelstürmer verpflichten. Mit seinem Vorgänger Everberg weist der Schwede oberflächlich einige Gemeinsamkeiten auf – nicht nur aufgrund der Position und Nationalität. Die beiden 27-jährigen Linksschützen bestechen durch Schnelligkeit, scheuen den physischen Kontakt nicht und sind bedingungslose Teamplayer, die in allen drei Zonen und sämtlichen Spielsituationen effektiv auftreten können. 2013-14 haben sie gemeinsam bei Rögle BK, zu dem Everberg nun zurückkehrt, in der zweithöchsten schwedischen Spielklasse gespielt – zu Beginn der Saison unter einem gewissen Dan Tangnes. Die Karrieren der beiden Flügel haben sich danach getrennt. Während Everberg den Sprung in die NHL wagte, absolvierte Thorell zwei weitere Saisons in der Allsvenskan, bevor er ab 2016 in der obersten finnischen Spielklasse als Skorer in Erscheinung trat. Bei TPS aus Turku und Helsinki IFK war er teamintern jeweils der beste Torschütze. In der abgelaufenen Spielzeit konnte er von allen Spielern mit mehr als 15 Partien den zweitbesten Punkteschnitt der Liga vorweisen.

Im Gegensatz zu Everberg weist Thorell mit 178 Centimetern und 81 Kilogramm keine Gardemasse auf. Dennoch lässt er sich nicht einschüchtern und ist ein unangenehmer Gegenspieler, der hart für sein Team arbeitet. Wertvoll wird neben seiner Spielintelligenz und seinen Abschlussqualitäten seine Vielseitigkeit sein – nicht nur in Bezug auf seine Fähigkeit, Box- und Powerplay zu spielen, sondern auch darauf, dass er verschiedene Rollen erfolgreich ausführen kann. In den letzten Jahren hat er seine Skorerqualitäten in den Top-Linien unter Beweis gestellt, aber an der U20-Weltmeisterschaft 2012 verhalf er Schweden zu Gold, indem er als Rollenspieler je drei Tore und Assists beisteuerte. Der schnelle und komplette Spieler dürfte von seinen Anlagen her ausgezeichnet ins Spielsystem von Tangnes passen und seinem Coach bei der Zusammenstellung der neuen Sturmlinien viele Möglichkeiten eröffnen, da er auf beiden Flügeln agieren kann.

Thorell entspricht dem Beuteschema von Kläy

Nicht nur aufgrund der frühen Bekanntgabe der Verpflichtung passt Thorell idealtypisch ins Ausländer-Beuteschema des EVZ unter Kläy. Der Sportchef kennt sich im skandinavischen Eishockey wie kaum ein anderer Schweizer Sportchef aus und hat – auch dank der Champions Hockey League – ein wertvolles Beziehungsnetz knüpfen können, aus dem sich immer wieder neue Akteure rekrutieren lassen und in welchem Rögle BK oft auftaucht, nicht zuletzt auch bei der Verpflichtung Roger Hanssons zum Headcoach des Academy-Teams und Head of Development. Hansson war seit 2005 in verschiedenen Funktionen (u.a. als General Manager, Assistenztrainer und Headcoach) für den Klub aus dem südschwedischen Ängelholm tätig.

Doch Thorell weist auch hinsichtlich seines Spielertyps Parallelen zu den ausländischen Stürmern der vergangenen Jahre auf. Vorbei scheinen die Zeiten von offensiven Künstlern wie Glen Metropolit, Linus Omark oder Pierre-Marc Bouchard zu sein, die mit ihrer brillanten Stocktechnik und aussergewöhnlichen Übersicht die Fans verzaubert und die Topscorer-Statistiken dominiert haben, in den Playoffs jedoch früher oder später regelmässig abgetaucht sind. Kläy setzt stattdessen auf Zweiwegstürmer, die zwar sehr genau wissen, wo das gegnerische Tor steht, sich jedoch ebenso bewusst sind, wo sich das eigene befindet. Wichtig ist eine komplette Spielweise, mit der die Spieler der Mannschaft in jeder Situation helfen können, und Eigenschaften wie Schnelligkeit und Intensität, um die Zuger Spielphilosophie umzusetzen. Kommt hinzu, dass eine Mannschaft mit Schweizer Flügeln wie Lino Martschini und Grégory Hofmann nicht in erster Linie die spektakulärsten Importspieler, deren Wert sich primär an Skorerpunkten ablesen lässt, verpflichten muss.

Neuzuzug Erik Thorell
HIFK

Darf McIntyre bleiben?

Thorell scheint momentan der einzige Söldner zu sein, der seinen Platz beim EVZ auf sicher hat. An einer weiteren Zusammenarbeit mit Carl Klingberg und Pontus Widerström, der in der letzten Qualifikation am meisten Einsätze aller Zuger Ausländer bestritten hat und nächste Saison idealerweise etwas häufiger für das Academy-Team auflaufen würde, bekundet Sportchef Kläy Interesse. Die Vertragsverhandlungen wurden jedenfalls mit beiden bereits aufgenommen.

Noch keine definitive Bestätigung gibt es, ob David McIntyre, der über einen Vertrag bis 2020 verfügt, bleiben darf. Der Kanadier hat zuletzt zu selten sein Rendement abgerufen und war in den Playoffs regelmässig überzählig. Zahlreiche Blessuren haben den 32-Jährigen daran gehindert, zu seinem Rhythmus zu finden und jenes dominante Zweiwegspiel zu zeigen, mit dem er in den Playoffs 2017 glänzte. Dennoch konnte er auch in der vergangenen Saison solide Statistiken vorweisen. Bei numerischem Gleichstand konnte er 2,3 Punkte pro 60 Einsatzminuten verbuchen – ligaweit (mindestens 20 Partien) der elftbeste Wert (eindeutige Leader waren übrigens der künftige Zuger Hofmann und sein letztjähriger Teamkollege Linus Klasen mit 3,18) und teamintern der zweitbeste hinter Roe (2,36).

Es stellt sich allerdings die Frage, ob Tangnes McIntyre genügend vertraut, um ihn bei engem Spielstand in den wichtigen Einsätzen kurz vor Spielende zu forcieren. Diesbezüglich hatte der Center – auch aufgrund vieler unnötiger Strafen – gegenüber Roe zuletzt das Nachsehen. Wenn sich Tangnes vorstellen kann, dass ein fitter McIntyre seine Ansprüche erfüllen kann, dürfte dieser eine vierte Saison am Zugersee in Angriff nehmen. Dies würde Kläy etwas an Arbeit abnehmen, da der Sportchef – im Idealfall, dass Klingberg und Widerström bleiben – ohnehin bereits mindestens einen neuen Center suchen muss.

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