Bull-etin Zug

Seit diesem Wochenende kann Coach Dan Tangnes personell wieder aus dem Vollen schöpfen. Interessant wird sein, wen er auf die Tribüne setzt – diese Frage hat durch die Verpflichtung von Andreas Martinsen noch an Brisanz gewonnen.

Am vergangenen Wochenende trat der EVZ – mit Ausnahme Fabian Schnyders, der bis Ende Saison ausfallen wird – erstmals seit dem Frühherbst in personellem Vollbestand an. Nach der Verpflichtung von Tobias Geisser im Dezember bedeutet dies, dass Dan Tangnes mindestens einen arrivierten Verteidiger auf die Tribüne schicken, respektive zu Einsätzen mit der EVZ Academy verdonnern muss. In Biel mussten Livio Stadler und Miro Zryd, der bereits tags zuvor im Heimspiel gegen Lugano zuschauen musste, in den sauren Apfel beissen.

Neben Raphael Diaz, Santeri Alatalo, Dominik Schlumpf und Geisser dürfte Jesse Zgraggen gesetzt sein. Seit seiner Ankunft in Zug im Sommer 2018 gehört der 26-Jährige zu den verlässlicheren Verteidigern. Er spielt ein unspektakuläres Eishockey, weist eine relativ geringe Fehlerquote auf und bringt eine gehörige Portion Physis in die Partie. Wenn Zgraggen bei numerischem Gleichstand auf dem Eis steht, schiessen die Zuger tendenziell mehr Tore, als sie erhalten. Reduzieren dürfte der Kanada-Schweizer die Strafen, doch ansonsten spricht wenig gegen seinen Einsatz. Tangnes sieht das ebenso: Mit 16 Minuten erhält Zgraggen zweieinhalb Minuten mehr Eiszeit pro Partie als Johann Morant und Stadler (Thomas Thiry erhält knapp mehr als 11 Minuten, während Zryd unter 10:30 spielt).

Miro Zryd ist im Kampf um einen Stammplatz momentan im Hintertreffen.
PHOTOPRESS / Patrick B. Kraemer

Verlässlicher Stadler oder stagnierender Zryd?

Eigengewächs Stadler hat im vergangenen Jahr grosse Fortschritte erzielt und darf regelmässig an der Seite Diaz’ spielen. Hochgerechnet auf 60 Minuten Spielzeit bei numerischem Gleichstand erzielt der EVZ mit Stadler auf dem Eis mehr als einen (1.08) Treffer als der Gegner – nur Diaz und Thiry weisen bessere Werte auf (1.22 respektive 1.18, ohne Dario Wüthrich, der bloss drei Partien bestritten hat). Sicherlich hängt dies damit zusammen, dass der 21-Jährige von der Dominanz des Zuger Captains profitiert. Doch letztlich ist es entscheidend, einen Partner zu finden, der es erlaubt, Diaz’ Output zu maximieren. Stadler hat bisher fleissig Argumente gesammelt, dass er momentan der beste zur Verfügung stehende Mann für diese Rolle ist.

Kein Zuger Verteidiger steht pro gespielter Minute bei mehr Toren auf dem Eis als Miro Zryd – sowohl in der eigenen als auch der gegnerischen Zone. Der Adelbodner überzeugt mit seinen offensiven Qualitäten und statistischen Werten, treibt seine Coaches mit seinem zuweilen fahrlässigen Umgang mit der Scheibe und dem inkonsequenten Zweikampfverhalten jedoch regelmässig zur Weissglut. Der 25-Jährige hat in den letzten Monaten stagniert und scheint nicht mehr das volle Vertrauen seiner Coaches zu geniessen. Zryd dürfte in den kommenden Wochen vermehrt Gelegenheit erhalten, in der Academy an seinen Schwächen zu arbeiten, damit er im Falle von Verletzungen sein unbestrittenes Potential ausschöpfen kann.

Morants offensive Bestmarke

Wie Zryd hat auch Thiry in den letzten Monaten stagniert, weshalb seine Zukunft ebenfalls jenseits der Zentralschweiz liegen wird. Für Thiry spricht, dass er in der eigenen Zone verlässlicher auftritt, seine physischen Qualitäten stärker in die Waagschale wirft und sich als passende Ergänzung zu Alatalo angeboten hat. Für seine unmittelbare Zukunft werden die kommenden Partien besonders wichtig sein, zumal der Part des physisch robusten und primär defensiv orientierten Verteidigers nicht nur von Zgraggen, sondern auch von Morant zuverlässiger gespielt wird.

Morant ist in den letzten Wochen offensiv geradezu explodiert und hat mit vier Saisontreffern sein Gesamttotal aus seinen ersten fünf Regular Seasons in Zug übertroffen… Etwas seriöser fortfahrend, bringt der 33-Jährige viele Eigenschaften mit, welche in der heissen Phase der Saison noch zusätzlich geschätzt werden: Physis, in der Regel defensive Verlässlichkeit, Erfahrung, die Bereitschaft, vor dem eigenen Goalie aufzuräumen und notfalls die Fäuste sprechen zu lassen. Der Franzose hat zudem oft an der Seite von Diaz gespielt.

Johann Morant, wie man ihn kennt: Kompromisslos und hart im Nehmen.
PHOTOPRESS / Marcel Bieri

Wer spielt neben wem?

Interessant ist nicht nur, wer spielen wird, sondern auch, wie sich das auf die Zusammensetzung der Abwehrpaare auswirken wird. Geisser hat seit seiner Rückkehr vornehmlich an der Seite Schlumpfs gespielt – nach einer Angewöhnungszeit scheinen die beiden nun besser zu harmonieren. Wenn sie ihr Potential abrufen, bilden die beiden ein solides Paar, das über ein gutes Stellungsspiel verfügt, die nötige Physis mitbringt und die Angriffsauslösung beschleunigen kann.

Geisser hat zu Beginn seiner NL-Karriere unter Harold Kreis häufig an der Seite von Diaz gespielt. Dessen reguläre Abwehrpartner in den vergangenen beiden Jahren waren Livio Stadler und Johann Morant, während Alatalo hauptsächlich Schlumpf oder Thiry an seiner Seite wusste. Zgraggen wiederum spielte entweder mit Zryd oder Schlumpf. Es ist folglich wahrscheinlich, dass Tangnes und Klas Östman, der für die Defensive zuständig ist, in den kommenden Wochen einige neue Abwehrpaare ausprobieren werden.

Schafft Martinsen Freiräume?

Auch die Sturmreihen dürften nach der Ankunft von Andreas Martinsen einigen Experimenten ausgesetzt werden. Faszinierend wird sein, wie intensiv Tangnes rotieren lässt – gerade beim Verzicht auf einen der beiden ausländischen Center, Jan Kovar und Oscar Lindberg, würden grössere Umstellungen erforderlich.

Die Zuger bekundeten zuletzt Mühe, ihre zahlreichen Chancen in Tore umzumünzen. Martinsen wird dieses Problem kaum lösen, indem er die gegnerischen Netze füllt. Mit seinem körperbetonten Spiel vor und um das gegnerische Tor herum dürfte der Norweger aber das Leben der Torhüter unangenehmer gestalten und die Aufmerksamkeit der gegnerischen Verteidiger auf sich ziehen. Dies dürfte dem jeweils scheibenführenden Zuger mehr Freiräume ermöglichen – vielleicht ist das ein Rezept, damit sich ein Spieler wie Lino Martschini besser entfalten kann?

Der wahre Wert von Martinsen wird sich kaum in Punkten messen lassen – der 29-Jährige ist weder in seinen 152 NHL-Einsätzen noch in der American Hockey League oder der Deutschen Eishockey Liga als Skorer aufgefallen. Das physische Spiel ist seine grösste Qualität – daneben verfügt der 190cm-Hüne über ansprechenden Speed, solide Hände und die Fähigkeit, in beiden Special Teams eingesetzt zu werden. Gerade im Powerplay hat zuletzt neben Carl Klingberg eine Präsenz vor dem gegnerischen Tor gefehlt, die für Unruhe sorgt, Abpraller provoziert und Schüsse ablenkt. Im besten Fall sorgt der Flügel hier für Abhilfe. Im schlechtesten Fall erweist er – bisher nicht als ausgeprägter Playoff-Spieler in Erscheinung getreten – sich nicht als Verstärkung und den Zugern fehlt bei einer Verletzung von Kovar oder Lindberg – unter der Annahme, dass die Transferaktivitäten nun abgeschlossen sind – eine valable Alternative auf der Center-Position.

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