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Aus gesundheitlichen Gründen hat sich Fabian Schnyder entschieden, seinen auslaufenden Vertrag beim EVZ nicht zu verlängern und seine Karriere zu beenden. Damit tritt ein verdienstvoller Musterprofi zurück, auf den stets Verlass war.

Gründonnerstag, April 2017, kurz vor 23 Uhr. Die Bossard Arena tobt. Soeben hat Fabian Schnyder in der Verlängerung den EVZ zum Sieg in der vierten Partie des Playoff-Finals gegen den SC Bern geschossen. Dank Schnyders Treffer fehlen den Zugern «nur» noch zwei Siege zum zweiten Meistertitel – so nahe ist der EVZ dem Titel seit 1998 nie mehr gekommen.

Dieses Tor ist wohl jener Moment, den die EVZ-Fans am meisten mit «Schnitz» verbinden. Dabei passt es irgendwie nicht, die Karriere des Flügels auf einen einzigen Moment zu reduzieren – zumal nicht auf einen, in dem er für die ganz grossen Schlagzeilen sorgte. 17 Saisons hat er für die erste Mannschaft bestritten und sich in 873 Meisterschaftspartien für seine Farben zerrissen. Wer dem Luzerner zuschaute, wäre kaum auf die Idee gekommen, dass er jeweils einer der kleineren Spieler war. Mit seiner Einsatzbereitschaft, seinem Kampfgeist und Tempo verschaffte er sich und seinen Teamkollegen beim Gegner Respekt.

Schnyder trifft zum Sieg in der Verlängerung, April 2017.
Teleclub/SwissHabs

Muster an Konstanz und Verlässlichkeit

Schnyders grösste Qualitäten waren wohl seine Konstanz, Verlässlichkeit und sein Teamgeist. Seit seinem Durchbruch als Stammspieler in der Saison 2004-05 verpasste er mit Ausnahme der letzten Saison, als ihn eine zweite Operation eines Hüftgelenks auf fünf Einsätze limitierte, nur einmal mehr als drei Meisterschaftspartien in der Qualifikation. Selten stand er im Rampenlicht, aber stets erfüllte er die Pflichten seiner Coaches. Ob als flinker Viertlinienflügel, defensives Gewissen in einer offensiven Paradelinie, effektiver Unterzahlspezialist, Captain, Mentor der jungen Spieler – in den letzten 17 Jahren gab es keine Rolle, die Schnyder nicht pflichtbewusst erfüllt hätte. Sogar jene des fliegenden Superhelden übernahm er.

Immer im Dienst des Vereins – bereits in jungen Jahren, Januar 2007.

PHOTOPRESS / Alexandra Wey

Die offensiv produktivsten Saisons spielte der Flügel in den ersten vier Saisons unter Doug Shedden. 2008-09 bildete er mit seinen Kollegen aus dem Zuger Nachwuchs, Corsin Casutt und Janick Steinmann, die wohl beste vierte Linie der Liga, die wesentlich für die beeindruckende Aufholjagd nach der Weihnachtspause und das für unwahrscheinlich gehaltene Erreichen der Playoffs verantwortlich zeichnete. In der folgenden Saison erhielt Schnyder eine Beförderung und durfte neben Josh Holden und Damien Brunner in der Paradelinie auflaufen. Stets im Schatten des genialen Duos, sorgte Schnyder für Lücken in der gegnerischen Abwehr und hielt seinen Linienkollegen mit seinem defensiven Pflichtbewusstsein den Rücken frei.

2012 trat der frischgebackene Captain in die zweite offensive Reihe und erfüllte selbstlos jene Dienste, die in jeder Mannschaft gebraucht werden. Ein Muster an Zuverlässigkeit, schritt er auf und neben dem Eis als Leader voran. Auf dem Eis blockte er unerschrocken gegnerische Schüsse und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Akteure in Unterzahl. Den Einsatz, den er von seinen Teamkollegen einforderte, lebte er täglich auf dem Eis vor.

Schnyder als defensives Gewissen neben Damien Brunner und Josh Holden, Oktober 2011.

PHOTOPRESS / Marcel Bieri

«Leading by example» par excellence

Seinen grössten Akt an Teamgeist bewies er 2016. Nach dem blamablen Sweep gegen Lugano entschieden sich die sportliche Leitung und das Captain-Team der Mannschaft für verschiedene Veränderungen. Das Amt des Captains übernahm Holden (und danach Raphael Diaz). Schnyder wäre nie auf die Idee gekommen, diese Massnahme als Majestätsbeleidigung aufzufassen, sondern stellte sich auch ohne ehrenvollen Buchstaben auf der Brust stets in den Dienst der Mannschaft – und falls nötig vor sie. Musste eine schwache Leistung erklärt werden, gab Schnyder den Medienvertreterinnen und -vertreter bereitwillig Auskunft. Der Flügel führte durch ehrliches, souveränes Auftreten, Zuverlässigkeit, Professionalität und Leistungsbereitschaft – im Hintergrund und bei Bedarf im Vordergrund.

So war es gleichermassen logisch und doch ironisch, dass im darauffolgenden Frühling just jener Spieler dieses unvergessliche Tor schoss, der sich als Letzter in den Vordergrund gedrängt hätte.

Captain Schnyder ging stets unerschrocken voran – September 2013.

PHOTOPRESS / Alessandro Della Valle

Nun tritt der dienstälteste EVZ-Spieler von der Bühne ab – mit dem Makel, den lang ersehnten zweiten Meistertitel der Klubgeschichte nicht gewonnen zu haben. Vielleicht macht genau dieser Fakt die Nummer 57 zum typischen EVZ-Spieler der letzten 15 Jahre. Schnyder stammte noch aus einer anderen EVZ-Generation und prägte den Weg eines durchschnittlichen, noch im alten Herti-Stadion beheimateten Vereins zu einem Spitzenklub, der neue Massstäbe setzen will. Die Weiterführung dieses Wegs bleibt nun jüngeren EVZ-Generationen überlassen.

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