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Bull-etin Zug

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Der EV Zug steckt nach fünf Niederlagen de suite in einer Krise. Jene, welche die Zahlen genauer betrachten, mag dies nicht überraschen. Da die Zuger ihre Leistung bei numerischem Gleichstand weiterhin nicht wie gewünscht abrufen können und zuletzt vom Glück verlassen wurden, widerspiegeln sich diese nun – im Gegensatz zum Saisonstart – in den Resultaten.

Von Yannick Ringger (Bild: PHOTOPRESS/ Gian Ehrenzeller)

Meine Zwischenbilanz nach den ersten vier Meisterschaftswochenenden anfangs Oktober basierte auf einer wesentlichen Erkenntnis: Der EVZ konnte auf einen gelungenen Saisonstart zurückblicken, weil er sich auf überragende Leistungen seiner Paradelinie Lammer-Roe-Stålberg und ausgezeichnete Special Teams verlassen konnte – trotz äusserst durchschnittlicher Leistungen und Resultate bei numerischem Gleichstand. Aufgrund der Qualitäten des Teams und des wegen zahlreicher Verletzungen nicht ausgeschöpften Potentials konnte man annehmen, dass es eine Frage der Zeit sein würde, bis sich die Kolinstädter bei 5-5 steigern würden.

Diese Annahme stimmte nicht nur zuversichtlich, sondern war eine Bedingung, um die Resultate auf diesem Niveau zu bestätigen. Denn die Erfolgsquoten der Special Teams waren dermassen hoch, dass sie realistischerweise mittelfristig zurückgehen mussten. Genau dies ist in den letzten Partien passiert. Die Special Teams produzierten nicht mehr so grossartig wie zu Beginn der Saison. Das Powerplay sorgt für weniger Jubelszenen und das Penaltykilling hält sich weniger oft schadlos. Beide gehören jedoch immer noch zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Das Überzahlspiel rangiert mit einer Erfolgsquote von 20.55 Prozent an dritter, das Unterzahlspiel mit 86.21 Prozent an zweiter Stelle.

Paradox der Special Teams als Folge von Passivität

Paradoxerweise können die Zuger aus ihren hervorragenden Special Teams nur durchschnittlichen Profit schlagen. Stellen wir die erzielten Treffer aus den Powerplays den Gegentoren im Boxplay gegenüber, kommt der EVZ auf einen Mehrwert von drei Toren. Dass dieser Wert trotz der tollen Quoten nicht höher liegt, hängt damit zusammen, dass die Zuger zu wenig oft Powerplay und zu oft Boxplay spielen. Sie finden sich Liga weit am häufigsten in Unterzahl-Situationen wieder, während sie nur am siebthäufigsten im Powerplay antreten dürfen. Dies ist eine Folge des Spiels bei numerischem Gleichstand. Der EVZ nimmt zu viele eigene und provoziert zu wenige gegnerische Strafen. In der Regel zeichnet dies Teams aus, die zu wenig Scheibenbesitz haben und zu passiv spielen. Nachdem die Kolinstädter letzte Saison den Sportpsychologen Saul Miller in die Garderobe zugeschaltet hatten, würde ihnen heuer eine Session mit Josep Guardiola, dem Philosophen des Ballbesitz-orientierten Fussballs, weiterhelfen.

Schwache Schussstatistik

Die nun geringere Effizienz der Special Teams wirkt sich umso dramatischer aus, da sich die Zuger bei numerischem Gleichstand nicht wesentlich gesteigert haben. Um wieder auf die Erfolgsspur zu finden, gibt es zwei Wege: Entweder zählen die Schützlinge von Harold Kreis darauf, dass ihre Special Teams wieder ähnlich dominieren wie anfangs Saison, oder sie steigern sich bei numerischem Gleichstand. Letzteres führt nicht nur zu besseren absoluten Zahlen in den Special Teams und einer höheren Wahrscheinlichkeit für nachhaltigen Erfolg, sondern ist insofern auch einfacher zu erreichen, da die Zuger in diesem Bereich über viel mehr Steigerungspotential verfügen. Dieser Eindruck lässt sich ebenfalls durch Zahlen stützen. Sowohl in der Kategorie erhaltener wie auch bei den abgegebenen Schüssen, liegen die Zuger jeweils im zehnten Rang klassiert. Letzte Saison kassierten sie pro Partie am viertwenigsten Schüsse, während sie am häufigsten auf das gegnerische Tor schossen. Blosse Schussstatistiken sind mit Vorsicht zu geniessen, haben aber dennoch einen gewissen Aussagewert – in Bezug auf die Spielanteile und die Wahrscheinlichkeit, ein Tor zu erzielen.

In der Offensive hat ausser der Linie um Lammer-Roe-Stålberg noch kaum ein Akteur sein Rendement erreicht. Bei fast allen Spielern hängt die geringere Produktion mit der Abgabe von weniger Schüssen als im Vergleich zur Vorsaison zusammen. Eine positive Ausnahme bildet dabei Suri, welcher nicht nur deutlich effizienter schiesst, sondern auch mehr Schüsse aufs Tor bringt. Martschini, McIntyre, Senteler und Diaz, deren Schusseffizienz sich teilweise deutlich unter ihrem Karrierewert befindet, können sich zudem über ausgeprägtes Abschlusspech beklagen. Es ist wahrscheinlich, dass sich der Knoten bei diesem Quartett mittelfristig löst. Wann dies geschieht, steht freilich in den Sternen. Die beste Medizin besteht im Generieren von mehr Chancen – und zwar nicht nur beim genannten Quartett, sondern bei allen Spielern.

Hoffnungsträger Holden

Headcoach Kreis hat dies erkannt, als er letzte Woche erstmals bei personellem Vollbestand seine Linien umgestellt hat. Er trennte das Duo Martschini und McIntyre. Der verletzungsbedingte Ausfall Klingbergs, der die Position Martschinis eingenommen hatte, sorgt dafür, dass Josh Holden ins Team zurückkehrt. Nun können die Zuger wie in der vergangenen Saison mit drei ausländischen Centern antreten und verfügen über mehr Breite auf dieser für die Stabilität des Teams so wichtigen Position.

Nachdem eine Schulterverletzung seine Saisonvorbereitung beeinträchtigt hatte, blieb Holden während seiner Vertretungen für McIntyre anfangs Saison äusserst diskret. Im Academy-Team konnte der 39-Jährige in den letzten Wochen Spielpraxis sammeln, weshalb die Hoffnung besteht, dass er – mit seinem langjährigen Flügel Martschini vereint – diesem zu bekannten Höhenflügen verhelfen kann. Eine zweite und dritte Linie, die das Spielgeschehen stärker zu ihren Gunsten beeinflussen können, würden viel dazu beitragen, das Formtief der Zuger zu beenden.

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