Bull-etin Zug

Eine Woche. So schnell kann es gehen und die Ausgangslage der Playoff-Serie ist auf den Kopf gestellt. Nach drei Siegen de suite finden sich die ZSC Lions in der Favoritenrolle wieder, während die Zuger dringend ein Erfolgserlebnis benötigen, um ihre Saison wenigstens um ein paar Tage zu verlängern. Wie konnte es soweit kommen?

Von Yannick Ringger   (Bild: PHOTOPRESS / Urs Flüeler)

Am Samstag vor einer Woche starteten die Zuger mit einem druckvollen und souveränen Auftritt gegen verunsicherte und fehleranfällige Zürcher in die Playoff-Viertelfinals. Seither hat sich das Blatt drastisch gewendet. Von Beginn weg war klar, dass es eine enge Serie werden dürfte und der EVZ als Qualifikationszweiter zwar zu favorisieren ist, aber doch nicht mit einem lockeren Durchmarsch gerechnet werden könnte. Dennoch schreit der dramatische Wechsel des Momentums nach Erklärungen. Im folgenden einige Versuche – nicht in bestimmter Reihenfolge.

Special Teams als Matchwinner für den ZSC

Auf den ersten Blick auffallen muss die schwache Powerplay-Bilanz der Zuger, welche mit weniger als 8.33 Prozent eine miserable Quote aufweisen. Noch schlimmer ist, dass den beiden im PP erzielten Törchen zwei erhaltene Shorthander gegenüberstehen, welche die dritte Partie zugunsten der Lions entschieden haben. Auf der anderen Seite konnten die Zürcher ihre Special Teams kaltblütig ausnutzen (29.41 Prozent), weshalb sie die zweite und dritte Partie für sich entscheiden konnten, obwohl sie bei numerischem Gleichstand eine negative Bilanz aufgewiesen haben. Mittelfristig werden sich die beiden Powerplay-Quoten aneinander angleichen – doch ist mittelfristig rechtzeitig genug für die Kolinstädter?

Erstes Tor scheint spielentscheidend zu sein

Es ist eine Binsenwahrheit, dass ein guter Start und das Erzielen des ersten Treffers wichtige Schritte auf dem Weg zu einem Sieg darstellen. In dieser Serie scheint dies besonders der Fall zu sein. Bisher hat jedes Mal jenes Team gewonnen, das den ersten Treffer erzielt hat. In den ersten beiden Partien konnte das Heimteam den Gegner jeweils während der ersten beiden Drittel dominieren, bevor sich das Auswärtsteam aufbäumen konnte. Die Spiele 3 und 4 verliefen zu Beginn wesentlich ausgeglichener, aber auch hier sorgte der erste Treffer jeweils für Sicherheit, Stabilität und Selbstvertrauen bei den Zürchern, während die Zuger den Tritt danach nie richtig gefunden haben. Als zuverlässige Marke, um den Ausgang des Spiels zu prognostizieren, hat sich bisher die zweite Drittelspause erwiesen. Bisher hat stets jenes Team gewonnen, das mit einer Führung in diese Pause gehen konnte – nur in der zweiten Partie mussten die Lions den zwischenzeitlichen Ausgleich hinnehmen.

Zusammenhang von Schussverhältnis und erzielten Treffern

Eine Gemeinsamkeit, die sich durch alle Partien zieht, besteht darin, dass stets jenes Team nach zwei Dritteln geführt hat, das mehr Schüsse kreieren konnte. Dabei war das Schussverhältnis nach zwei Dritteln nur in der dritten Partie relativ ausgeglichen. Bisher lässt sich also eine Korrelation von Anteil Schüssen aufs Tor und erzielten Toren feststellen – offensive Bemühungen in den ersten beiden Dritteln werden folglich belohnt.

Gleichwohl müssen im Hinblick auf die Schüsse bzw. deren Qualität zwei weitere Bemerkungen angefügt werden. Zunächst fällt auf, dass die Zürcher mit Abstand am meisten Schüsse von allen Playoff-Teams blocken – mit 25.50 pro Partie sind es fast doppelt so viele wie der EVZ (13.00; Liga-Durchschnitt: 14.00). Das legt den Schluss nahe, dass die Zuger bezüglich Spielanteilen nicht dominiert werden, sondern schlicht Probleme haben, ihre Schüsse auf das Tor Lukas Flüelers zu bringen. Überdies weisen die Lions – wie erwartet werden konnte – in den Playoffs eine deutlich bessere Schusseffizienz aus – mit 10.00 Prozent entspricht dies dem Wert einer mit offensiven Ausnahmetalenten bestückten Equipe (EVZ: 7.81, Liga-Durchschnitt 9.45 Prozent).

ZSC Lions mit breiterem und ausgeglichenerem Line-Up

Auf dem Papier schien dies einer der potentiellen Vorteile der Zürcher zu sein. Nun hat sich das tatsächlich bewahrheitet. Neben dem Powerplay konnten sich die Zürcher auf Produktion aus allen vier Linien verlassen. Sie können ihr Spiel mit vier Linien durchziehen und ihre Eiszeit einigermassen balancieren. Kossmanns Schützlinge profitieren nicht nur davon, indem die Zürcher Stars frischer sind, sondern auch, weil die Jungen das Vertrauen zurückzahlen – wie Marco Miranda, der in der vierten Begegnung den Gamewinner erzielt hat.

Ganz anders beim EVZ. Die Viertlinienstürmer Kast und Zehnder erhalten durchschnittlich weniger als fünf Minuten Eiszeit. Noch mehr erstaunt, dass Nolan Diem – der Zuger Defensivcenter schlechthin – in der vierten Partie nur während 35 Sekunden im Boxplay eingesetzt wurde, während die ohnehin stark forcierten David McIntyre (über vier Minuten in Unterzahl!) und Garrett Roe auch in Unterzahl stark gefordert wurden. Mehr Boxplay-Einsätze für Diem würden den beiden ausländischen Topshots eine Verschnaufpause geben, um bei numerischem Gleichstand die offensive Bürde, die bei Zug stark auf den beiden Toplinien lastet, besser erfüllen zu können.

Bild: PHOTOPRESS / Urs Flüeler

Kossmann managt Match-Ups

Egal, wie die Serie enden wird: Man wird ZSC-Coach Hans Kossmann sicher nicht vorwerfen können, dass er nicht alles versucht hat. Einerseits hat er mit den Rochaden der Ausländer ein mehrheitlich glückliches Händchen bewiesen. Linden Vey hat in der zweiten Partie beim Gamewinner assistiert, Drew Shore in der vierten Partie doppelt so viele Treffer wie in der ganzen Qualifikation erzielt und Lauri Korpikoski einen auffälligen Auftritt wie selten hingelegt. Anderseits betreibt der Interimstrainer aktives Coaching, indem er seit Spiel 2 konsequent versucht, die Linie Baltisberger-Schäppi-Herzog gegen eine der beiden Zuger Toplinien antreten zu lassen – bisher mit durchschlagendem Erfolg. Herzog avancierte im zweiten Aufeinandertreffen mit einem Doppelpack zum Matchwinner und Chris Baltisberger gelang es zuletzt mehrmals, Garrett Roe zu provozieren und auf die Strafbank zu locken. Auf Seiten der Zuger fehlt bisher nicht nur ein intelligenter Aggressivleader, der beispielsweise Fredrik Pettersson unter die Haut geht, sondern Coach Harold Kreis sollte versuchen – in den Heimspielen kann er das dank dem zweiten Wechsel einfacher umsetzen –, dass seine beiden Toplinien um McIntyre und Roe dieser Linie ausweichen können.

Fazit

Die oben aufgeführten Punkte zeigen, dass sich der Erfolg der ZSC Lions plausibel begründen lässt und keinem Zufallsprodukt entspricht. Die Zuger haben sich bisher unter Wert verkauft und wurden zumindest teilweise Opfer von weniger vorteilhaften Quoten, die sich über kurz oder lang ausgleichen werden – wobei der EVZ auf eine sofortige Wende hoffen muss. Immerhin dürfen die Kolinstädter nun wieder zuhause antreten, wo sie tendenziell dominanter auftreten und Coach Kreis dank des Vorteils des zweiten Wechsels die Match-Ups besser steuern kann. Wichtig wird es sein, einen soliden, aggressiven (nicht übermotivierten) Start zu erwischen, die Scheibe auf das gegnerische Tor zu bringen und entsprechend viel Verkehr vor dem Tor Flüelers zu provozieren.

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