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Bull-etin Zug

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Am Montag hat der EV Zug die Trennung von Headcoach Harold Kreis bekanntgegeben. Trotz eines um ein Jahr weiterlaufenden Vertrages vermag diese Entscheidung nicht zu überraschen. Interessant ist nun, inwiefern sich der Wunsch nach einer stärkeren Nachwuchsförderung auf die Trainer-Wahl auswirkt.

Von Yannick Ringger | Bild: PPR / Melanie Duchene

Zum dritten Mal in den vier Saisons unter Kreis sind die Zuger diesen Frühling nicht über den Playoff-Viertelfinal hinausgekommen. Dennoch ist dies nicht der hauptsächliche Grund für die vorzeitige Auflösung des Vertrags, sondern die mangelhafte Förderung des eigenen Nachwuchses. So hält auch CEO Patrick Lengwiler fest: «In der Qualifikation erhielten die Jungen viel Spielpraxis, aber in den Playoffs haben wir teilweise nur mit neun Stürmern gespielt. Das war ein Rückfall in alte Zeiten.» In der Tat hat beispielsweise Yannick Zehnder im Playoff-Viertelfinal weniger als fünf Minuten Eiszeit pro Partie gespielt oder ein erfahrener, aber limitierter Larri Leeger wurde in der Verteidigung den talentierten Tobias Geisser und Thomas Thiry vorgezogen. Demgegenüber hat Hans Kossmann seiner vierten Linie mit Mike Künzle, Raphael Prassl und Marco Miranda konsequent vertraut, was nicht nur mit entscheidenden Treffern belohnt wurde, sondern auch dazu geführt hat, dass er seine Top-Stars nicht überforcieren musste.

Dienen die ZSC Lions mit der Struktur ihrer Nachwuchsabteilung inklusive eigenem Farmteam seit längerem als Vorbild für die Nachwuchsstrategie der Zuger, so haben die Zürcher in den diesjährigen Playoffs bewiesen, wie die Früchte aus der Nachwuchspyramide in der ersten Mannschaft erfolgreich geerntet werden können. Folglich definiert Lengwiler die Anforderungen an den neuen Headcoach klar: «Er muss zu 100 Prozent unsere Klubphilosophie mittragen.» Gleichwohl sollte der Spagat zwischen Nachwuchsförderung und Erfolg der ersten Mannschaft – was sich nicht zwangsläufig ausschliessen muss, wie die Beispiele in Zürich oder in Davos wiederholt gezeigt haben – gelingen. Der EVZ befindet sich in einer ausserordentlich interessanten Periode, da er auf dem Papier über eine genügend starke Mannschaft verfügt, die an der Spitze mitspielen kann, und gleichzeitig Jahr für Jahr eigene Junioren nachziehen kann. Nächste Saison dürfen Zehnder und Thiry, die sich in der ersten Mannschaft etabliert haben, mit grösseren Rollen rechnen, daneben drängen die Verteidiger Victor Oejdemark, Livio Stadler oder Nico Gross (falls er vorzeitig aus Nordamerika zurückkehrt) sowie Stürmer wie Fabian Haberstich oder Sven Leuenberger nach. Dennoch wird ein Team, das vor einem Jahr den Final erreicht hat und dessen Kern sich im besten Hockey-Alter befindet, kaum einen Coach engagieren, nur weil er Junge einsetzt, sondern einen, der weiss, wie er sie weiterbringen kann, und weiterhin eine Leistungskultur einfordert.

Es wird deshalb interessant zu sehen sein, wie der EVZ den Fokus bei der Trainerwahl setzt. Reicht ein auf Profistufe erfolgreicher Coach, der ein Bekenntnis für den Nachwuchs abgibt, oder gehen die Zuger neue Wege und stellen einen Coach ein, der sich bisher vornehmlich in der Nachwuchsarbeit seine Sporen abverdient hat? Keine Rolle spielt hingegen gemäss Lengwiler die Nationalität oder ob der Coach Erfahrung im Schweizer Eishockey mitbringt.

Im Folgenden einige Namen, die für den EVZ interessant sein könnten – es sind persönliche Picks, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und das Wissen um die Gedankenspiele auf der EVZ-Geschäftsstelle.

Hans Kossmann (56) als Kronfavorit?

Glaubt man den Prognosen in der Schweizer Journaille, erscheint der Notnagel der ZSC Lions als Kronfavorit. Tatsächlich hat der Kanada-Schweizer in den vergangenen fünf Wochen eine überzeugende Visitenkarte abgeliefert. Nicht nur schöpft er aus einem zuvor verunsicherten Team meisterliches Potential aus, sondern hat dem eigenen Nachwuchs dabei viel Vertrauen geschenkt. So beeindruckend seine momentane Tätigkeit erscheint, darf nicht vergessen werden, dass er beim ZSC als Interimscoach nichts zu verlieren hat und zuvor bei Gottéron und vor allem bei Ambrì als Vollzeit-Coach nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen hatte.

Chance für einen jungen Coach?

Ein klares Bekenntnis zum Nachwuchs würde die Ernennung eines Coaches wie Thierry Paterlini (42) oder Stefan Hedlund (42) bedeuten. Beide haben sich einen vorzüglichen Ruf als Ausbildner erworben, die das Maximum aus ihren Teams herausholen und über ein feines taktisches Gespür verfügen, doch können beide keine Erfahrungen als Chefcoach eines Profiklubs in der obersten Spielklasse vorweisen. Ähnliche Kandidaten umfassen U20-Naticoach Christian Wohlwend (41) oder den EVZ-Novizen-Coach Marcel Jenni (44). Luca Cereda hat zuletzt bei Ambrì bewiesen, dass der Sprung machbar ist, doch scheint er beim EVZ, der weiterhin an der Spitze mitspielen will, noch etwas grösser zu sein und eine gewisse Lust auf ein Wagnis zu erfordern.

Verabschiedung von nordamerikanischer Hockeykultur?

In der schwedischen Elitserien gibt es einige Coaches, die junge Spieler zu Stars ausgebildet haben und gleichzeitig zu Meisterehren geführt haben. Allerdings stehen die Hoffnungsvollsten der Gilde wie Sam Hallam (38, Växjö), Roger Rönnberg (46, Frölunda) und Johan Lindbom (46, HV71) bei ihren Teams noch für mehrere Saisons unter Vertrag. Zudem mag das Scheitern des Vorzeige-Duos Hans Wallson/Lars Johansson bei den ZSC Lions zu Vorsicht mahnen – zumal bei einem Klub wie dem EVZ, der zuletzt stark von einer nordamerikanischen Kultur geprägt war. Gleichwohl scheint momentan eine Frische und Aufbruchstimmung den Eissportverein zu umgeben, weshalb eine Abkehr von bisherigen Traditionen nicht überraschen würde.

Oder doch ein Nordamerikaner?

Eine andere Option, um einen erfahrenen, im Umgang mit jungen Spielern erprobten Coach zu verpflichten, bestünde im Abgrasen des Reservoirs der kanadischen Juniorenligen. Ein gänzlich ungewohnter Schritt ist dies für Schweizer NL-Klubs nicht, hat doch Gottéron letzten Sommer Mark French aus der WHL nach Fribourg gelotst. Entscheidet sich der EVZ für diese Route, könnte ein Dominique Ducharme (45), der 2013 mit den Halifax Mooseheads den Memorial Cup und diesen Januar mit der kanadischen U20 die Weltmeisterschaft gewonnen hat, ein heisser Kandidat sein. Allerdings hat der Coach und General Manager der Drummondville Voltigeurs keine Erfahrungen im Umgang mit Profis. Diese würde ein Benoît Groulx (50) mitbringen, der nach einer ähnlich erfolgreichen Karriere im Juniorenhockey wie sein frankokanadischer Trainerkollege seit zwei Saisons die Syracuse Crunch in der AHL trainiert. Willie Desjardins (61) und Mike Johnston (61) kombinieren Erfolge im Nachwuchsbereich und in der AHL respektive in Tätigkeiten für das kanadische Männer-Team. Allerdings haben beide in der NHL ihren Ruf als hervorragende Ausbildner nicht bestätigen können. Dies trifft auf die meisten momentan verfügbaren nordamerikanischen Coaches zu.

Warum nicht Bob Hartley (57)?

Grundsätzlich Chancen bei Trainer-Vakanzen haben Coaches, die in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie Teams zu Meistertiteln führen. Vor allem, wenn sie dies in der besten Liga der Welt (2001 mit der Colorado Avalanche) und in der Schweiz erreicht haben. Der gestrenge Hartley, der seine Teams mit harter Hand führt und auch Spieler mit grossen Namen nicht schont, würde für einen Stilwechsel im Vergleich zu Harold Kreis sorgen, doch hat er während der Meistersaison mit den ZSC Lions 2012 – nach einer schwachen Qualifikation – verschiedenen jungen Spielern das Vertrauen geschenkt, die auch den diesjährigen Playoff-Final prägen, wie Reto Schäppi, Ronalds Kenins oder Luca Cunti.

Gegen Hartley könnte sein eher konservatives Spielsystem sprechen. Es erscheint plausibel, dass der EVZ den Coaching-Wechsel nicht nur zur Intensivierung der Förderung eigener Junioren vollzieht, sondern auch, um auf dem Eis etwas offensiver und dynamischer aufzutreten.

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