Zahlen Hockey

Wir schreiben den 14. November 2017. Die ZSC Lions besiegen den Leader SC Bern in ihrem zwanzigsten Spiel mit 3:1 und festigen ihren Platz in den Top-3 der Tabelle. An der Oberfläche deutet alles darauf hin, dass die Zürcher nach einem verhaltenen Start ihre Form gefunden haben. Hätte man damals allerdings einen Blick in die Advanced Stats geworfen, dann wäre der bevorstehende Zusammenbruch der Lions alles andere als eine Überraschung gewesen.

Von Micha Hofer

Zu Beginn der Saison hatten die ZSC Lions noch dominantes Hockey gespielt. Der Prozentsatz der Schüsse, Schüsse aufs Tor und Tore, welcher in den Lions Spielen für die Zürcher gefallen ist, lag für alle Kategorien jeweils zwischen 60% und 65%. Kurz nach ihrem 10. Spiel allerdings, beginnen alle Statistiken, die auf Schussversuchen basieren, drastisch zu fallen. Die Anzahl erzielter Tore jedoch blieb weiterhin sehr hoch. In der Zeit um den oben genannten Sieg gegen den SC Bern kontrolliert Zürich nur noch gerade 47% ihrer Schussversuche (CorsiFor%). Die Schusseffizienz liegt knapp unter 12% und die Torhüter stoppen fast 92% der Schüsse aufs Zürcher Tor, was sich zu einem PDO Wert (Summe aus S% und Sv%) von 104 kombinieren lässt. Diese Zahlen geben ein eindeutiges Signal: Der Kollaps der ZSC Lions steht kurz bevor.

Der Wert von Schusssversuchsstatistiken wie Corsi (alle Schussversuche) oder Fenwick (Schussversuche ohne geblockte Schüsse) liegt nicht unbedingt darin, den aktuellen Erfolg oder Misserfolg eines Teams zu beschreiben. Dies tun Tore immer noch am besten. Statistiker schauen sich diese Zahlen an, nicht weil sie Schüsse interessanter finden als Tore, sondern weil sie zukünftige Tore mehr interessieren als vergangene Tore. Statistiken wie Corsi und Fenwick können zukünftigen Erfolg oder Misserfolg besser vorhersagen, als dies Tore tun. Und auch bei den ZSC Lions war dies nicht anders.

Gute 15 Spiele nachdem man am 14. November den 3. Tabellenplatz besetzt hatte, sitz man nach Spiel 38 plötzlich auf dem 7. Rang. Hat man damals noch ca. 3 Tore pro Spiel erzielen können und nur 2 erhalten, ist es jetzt schon fast umgekehrt. Der PDO-Wert, der als eine Approximation für «Glück» verwendet wird, weil er unweigerlich gegen 100 tendieren wird, ist von 104 auf 97 gefallen. Kurz vor Neujahrsbeginn wird Coach Hans Wallson entlassen und an der Oberfläche sieht nun alles ganz düster aus.

Der tiefe PDO Wert allerdings deutet darauf hin, dass die ZSC Lions sich auch wegen etwas Pech auf dem 7. Rang finden. Und auch unsere Propheten – die Schussversuchsstatistiken – tendieren zum Zeitpunkt, als man auf den 7. Tabellenplatz fällt, eigentlich langsam wieder gegen oben.
Die Zürcher sind wie erwartet kollabiert. Der Fall zwischen Spiel 20 und 30 war allerdings etwas steiler als vermutet. Es ist daher auch keine Überraschung, dass der ZSC sich unter Hans Kossmann wieder ein wenig gefangen hat. Zum Zeitpunkt der Olympia Pause hat man unter dem neuen Trainer die Gegentore auf durchschnittlich 1.5 pro Spiel reduzieren können, und auch selber trifft man wieder etwas häufiger. Die GoalsFor% und CorsiFor% decken sich jetzt und liegen mittlerweile wieder bei guten 55%. Die bisherige Saison der ZSC Lions war eine Achterbahn. Es scheint aber, als ob sich nun alles etwas eingependelt hat. Die Zürcher sind nicht so gut, wie man dies damals, am 14. November im Hallenstadion, hätte denken können, aber auch nicht so schlecht wie zum Zeitpunkt der Trainerentlassung. Der ZSC, den wir vor der Olympia Pause gesehen haben, entspricht wahrscheinlich am ehesten dem «wahren» ZSC. Ein gutes Team, das zwar in die SCB – «Verfolgergruppe» gehört, sich von dieser aber in keiner Weise absetzten kann.

Lust auf mehr Zahlen? Wenn Du die in diesem Artikel erwähnten Statistiken auch von Deinem Team haben möchtest, oder Du generell Fragen zu Advanced Stats hast, freue ich mich immer, helfen zu können. Kontaktiere mich via Twitter (@EuroCaps) oder via E-Mail ().
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Advanced Stats haben mittlerweile auch im Schweizer Eishockey eine Heimat gefunden. Leider aber nur bei den Teams, nicht in den Medien. Diese Lücke will dieser Blog füllen.

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