Zahlen Hockey

Wir stehen kurz vor den Playoffs und der Heimvorteil ist wieder in aller Munde. Doch welche Teams profitieren am meisten davon? Diese Frage kann man von statistischer Seite angehen, in dem man die Ergebnisse der Teams zuhause und auswärts jeweils isoliert vergleicht. Berechnet man dann die Heim – Auswärts Differenz verschiedener Statistiken, so kann man abschätzen, wieviel stärker eine Mannschaft diese Saison im eigenen Stadion war.

Von Micha Hofer

Mal vorne weg: Der Heimvorteil ist nicht einfach eine Floskel, mit der Chronisten um sich werfen können. Den Heimvorteil sieht man auch klar in den Zahlen. Diese Saison haben Heimteams durchschnittlich 12 Tore mehr erzielt, als die Gastteams. Auch geschossen wird zuhause mehr, durchschnittliche 3 Schussversuche mehr pro Spiel, ein Indiz, dass Heimteams mehr nützlichen Puckbesitz haben als Gastteams (die CorsiFor% ist zuhause durchschnittlich 5% besser).

Interessant ist auch, dass Heimteams diese Saison eine durchschnittliche Strafen Differenz (Anzahl PPs minus Anzahl PKs) von +24 haben. Dies deckt sich mit einer Analyse aus der letzten Saison, welche zeigt, dass jeder einzelne SIHF Schiedsrichter mehr Strafen gegen die Gastmannschaft ausgesprochen hat, als gegen die Heimmannschaft.

Im Bezug auf die Playoffs stellt sich nun natürlich die Frage, für welche Teams der Heimvorteil am wichtigsten ist, weil sie diese Saison zuhause sehr viel bessere Resultate erzielt hatten und für welche Teams der Heimvorteil relativ unwichtig ist, weil man zuhause kaum besser spielt als auswärts.

Die Methode

Diese Fragen sollen nicht im Kontext der Liga (sonst wäre Schlusslicht Kloten ja das schlechteste Heim- und Auswärtsteam), sondern wie erwähnt mit der Differenz zwischen den Statistiken in Spielen zuhause und auswärts jedes einzelnen Teams beantwortet werden. Man muss also etwas umdenken: Es geht hier nicht einfach darum, welche Teams zuhause im Ligavergleich am stärksten sind, sondern welche Teams zuhause sehr viel besser spielen als auswärts. Die beiden Hauptkriterien für die Antwort auf diese Frage sollen die Heim-Gast Differenzen im Prozentsatz der Tore und Schussversuche sein, der in den jeweiligen Spielen für ein Team gefallen sind (Goals For% und CorsiFor%). Eine positive Differenz bedeutet, dass ein Team zuhause sehr viel besser spielt als auswärts. Ist die Differenz null, so spielt ein Team zuhause genau gleich wie auswärts (was nicht unbedingt schlecht sein muss). Ist die Differenz negativ, spielt ein Team zuhause schlechter als auswärts.

Ein Beispiel: Die SCL Tigers haben zuhause eine GoalsFor% von 51.0%, auswärts sind jedoch nur 44.4% der Tore Langnauer Treffer. Die Heim-Gast Differenz in GoalsFor% beträgt also +6.6%, was ziemlich nahe am Liga Durchschnittswert liegt. Die Tigers profitieren also durchschnittlich stark von einem Heimvorteil, obwohl die GoalsFor% zuhause wie auch auswärts zu den schlechteren in der National League gehören.

Am meisten vom Heimvorteil profitieren:

Der EHC Biel spielt zuhause um einiges besser als auswärts. Die Differenz in CorsiF% ist mit +6.41% die zweitgrösste in der National League. Zuhause hat man auch 23 Tore mehr erzielen können als auswärts, dies vor allem, weil man zuhause eine Schusseffizienz von 10.3% hat, während man auswärts nur 7% der Schüsse aufs Tor verwerten kann. Obwohl man in der Tissot Arena nicht bedeutend weniger Tore zugelassen hat, als wenn man zu Gast war, kommt man damit auf eine GoalsF%, die zuhause 11.8% besser ist als auswärts.

Eine weiteres  Team, welches diese Saison zuhause sehr viel erfolgreicher war als auswärts, ist der ZSC. Die Lions haben mit 20 mehr erzielten Heim- als Gasttoren auf der offensiven Seite des Pucks den dritt besten Wert der Liga.  Auch hatten die Stadtzürcher zuhause mehr nützlichen Puckbesitz. Die CorsiFor% ist im Hallenstadion um 5.8% besser als auswärts.

Auf der defensiven Seite des Pucks ist auch Lausanne interessant. Die beiden Torhüter haben dort zuhause eine 4.4% bessere Sv%. Das ist wohl der Hauptgrund, warum man zuhause 27 Tore weniger kassiert hat, als auswärts. Beides sind Liga Bestwerte. Allerdings muss hier gesagt werden, dass in Anbetracht der Tabellenposition von Lausanne wohl eher von einem Gastnachteil als von einem Heimvorteil gesprochen werden muss.

Die Zahlen sprechen auch für eine Heimstärke der Fribourger, welche dies durch leicht überdurchschnittliche Heim-Gast Differenzen auf beiden Seiten des Pucks zustande bringen. Die Luganesi haben in Lugano ganze 28 Tore mehr erzielt als wenn sie in der Rest der Schweiz gespielt haben, so gehören auch die Tessiner zu den Teams, welche zuhause um einiges erfolgreicher waren als auswärts.

Am wenigsten vom Heimvorteil profitiert:

Der SC Bern profitiert wenig von einem Heimvorteil und spielt in der PostFinance-Arena etwa gleich gut wie auswärts. Vielleicht etwas überraschend, das kann dem SCB aber ziemlich egal sein. Die Berner sind nämlich isoliert betrachtet sowohl zuhause wie auch auswärtsbei weitem das beste Team. Die geringe Differenz zwischen den Heim- und Gast-Statistiken, sollte in Bern also niemandem Kopfschmerzen bereiten. Interessant ist allerdings, dass die Berner das einzige Team der National League sind, dass auch auswärts eine positive Strafen Differenz hat (mehr PP als PK). Und das gleich mit einem Wert von +13. Get out your tinfoil hats.

Auch die Davoser und Genfer spielen zuhause statistisch nicht sehr viel besser als auswärts. Genf ist übrigens zusammen mit Kloten das einzige Team, welches zuhause weniger Tore erzielt hat als auswärts. Auswärts haben die Genfer eine Strafen Differenz von -56 (!), wenn sich daran nichts ändert, ist die Serie gegen das beste Powerplay der Liga wohl schnell vorbei.

Etwas kurios sind der EVZ und der EHC Kloten. Beide Teams haben zuhause zwar sehr viel mehr nützlichen Puckbesitz als auswärts, haben diesen aber in keiner weise in bessere Tordifferenzen umwandeln können. Bei den Zugern hatte Tobias Stephan (und von mir aus Aeschlimann) zuhause eine um 1.3% schlechtere Sv% als auswärts. Diese negative Heim-Auswärts Differenz ist im Kontext der Liga eine grosse Ausnahme. Durchschnittlich hatten Torhüter diese Saison zuhause eine um 1.7% bessere Sv% als auswärts.
Der EHC Kloten auf der anderen Seite hat zuhause eine um 1.3% schlechtere S% als auswärts. Kloten ist das einzige Team mit einer negativen Heim – Auswärts Differenz in S% während Teams durchschnittlich zuhause um 1.45% effizienter waren.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Heimvorteil für die grosse Mehrheit der Teams wirklich existiert, und die Tabelle der Regular Season durchaus auch für die Playoff Teams Bedeutung hat. Interessanterweise gibt es Teams, die sich diesen Heimvorteil vor allem offensiv erspielen und andere, die es eher defensiv tun, und auch Torhüter können einen Einfluss auf den potentiellen Heimvorteil haben

Lust auf mehr Zahlen? Wenn Du die in diesem Artikel erwähnten Statistiken auch von Deinem Team haben möchtest, oder Du generell Fragen zu Advanced Stats hast, freue ich mich immer, helfen zu können. Kontaktiere mich via Twitter (@EuroCaps) oder via E-Mail ()

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Advanced Stats haben mittlerweile auch im Schweizer Eishockey eine Heimat gefunden. Leider aber nur bei den Teams, nicht in den Medien. Diese Lücke will dieser Blog füllen.

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