Zahlen Hockey

Der National League Spielplan wird im Sommer jeweils mit viel Vorfreude erwartet. Ist der Spielplan dann endlich öffentlich, übertragen Fans die Spieldaten ihres Teams fleissig in die private Agenda. Der Einfluss des Spielplans auf die zu erwartende Leistung des eigenen Teams wird jedoch selten hinterfragt.

Dass in der Schweiz die Teams oft an aufeinander folgenden Tagen spielen, macht den National League Spielplan allerdings sehr spannend. Intuitiv können wir uns alle vorstellen, dass es vorteilhaft ist, wenn ein ausgeruhtes Team (hat am Vortag nicht gespielt) auf einen müden Gegner (hat am Vortag gespielt) trifft. Wir wollen diesen Effekt hier unter die Lupe nehmen und (natürlich!) in Zahlen erfassen.

Für die Analyse verwende ich die Statistik «Point%». Diese Zahl besagt, welchen Prozentsatz der maximal möglichen Punkte ein Team tatsächlich erzielt hat. Der SC Bern hat in der Saison 17/18 in 50 Spielen 109 Punkte erzielt. Die maximal mögliche Punktzahl in 50 Spielen beträgt 150 Punkte, also hatten die Berner letzte Saison eine Point% von 109/150 = 72.6%.

Mit dieser Statistik wollen wir uns nun auf müde und ausgeruhte Teams stürzen. Über die letzten 10 Saisons gerechnet, haben ausgeruhte Teams, die gegen müde Gegner gespielt haben, 53.5% der maximal möglichen Punkte geholt. Wir sehen also einen signifikanten Vorteil für das ausgeruhte Team. In der Saison 18/19 wird ein National League Team diesen Vorteil ganz speziell geniessen können: Fribourg-Gottéron darf ausgeruht ganze 5 mal gegen einen müden Gegner spielen, umgekehrt trifft es die Fribourger kein einziges mal.

Nachdem wir uns nun alle über die glücklichen Fribourger aufgeregt haben, wollen wir das ganze etwas relativieren. Vergleichen wir den Effekt von «Ausgeruht vs. Müde – Spielen» mit dem Heimvorteil, so ist dieser weit weniger bedeutend. In den letzten 10 Saisons haben Heimteams nämlich 58.3% der maximal möglichen Punkte ergattert.

Weil der Heimvorteil im Eishockey ein so wichtiger Effekt ist, wollen wir unseren Datensatz auch dementsprechend aufteilen und dann die Point% berechnen. So fallen alle NL-Spiele in eine von 4 Kategorien. Hier jeweils aus der Sicht des Heim Teams:

Behalten wir den Heimvorteil (58.3%) im Kopf, so stellen wir interessanterweise fest:

  • Ein ausgeruhtes Heimteam zieht keinen Vorteil aus der «Ausgeruhtheit»
  • Ein müdes Auswärtsteam zieht (fast) keinen Nachteil aus der Müdigkeit.
  • Ein müdes Heimteam zieht einen signifikanten Nachteil aus einem ausgeruhten Gegner.

Müdigkeit ist also nur ein Nachteil, wenn man zuhause auf einen ausgeruhten Gegner trifft. Umgekehrt ist es nur ein Vorteil am Abend vorher kein Spiel gehabt zu haben, wenn man auswärts auf einen müden Gegner trifft. Leicht lässt sich vermuten, dass dieses Resultat auf eine Voreingenommenheit (Bias) der Schweizer Spielplanverfasser zurückzuführen ist. NHL-Statistiker Micah Blake McCurdy hat allerdings den gleichen Effekt auch in der NHL entdeckt, womit diese Vermutung mit grosser Wahrscheinlichkeit als falsch eingestuft werden darf.

Wollen wir uns also mit diesem Wissen noch einmal ansehen, welche Teams aus dem Spielplan 18/19 wirklich einen Vorteil ziehen.

Die ZSC Lions sind also das Team, welches vom Spielplan 18/19 am meisten profitieren dürfte. Die Bieler hingegen hatten etwas Pech mit dem diesjährigen Spielplan und Fribourg hat in Wirklichkeit nur einen sehr kleinen Vorteil aufgrund des Spielplans.

Lautet die Frage also nur noch, wie fest sich dieser Effekt letztendlich auf die Tabelle auswirken wird. Weil es sich nur um sehr wenige Spiele handelt, die wirklich einen Unterschied machen, ist der Effekt ziemlich klein. Mathematisch gesehen (und Teamstärke mal aussenvor gelassen) dürften nächste Saison dem ZSC rein aufgrund des Spielplans 0.6 Punkte geschenkt und dem EHC Biel 0.4 Punkte geklaut werden. Der Spielplan wird also kaum über Playoff Teilnahmen entscheiden, aber welches Team würde einen geschenkten halben Punkt ablehnen?

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Advanced Stats haben mittlerweile auch im Schweizer Eishockey eine Heimat gefunden. Leider aber nur bei den Teams, nicht in den Medien. Diese Lücke will dieser Blog füllen.

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