Zahlen Hockey

MySports hat am letzten Freitag in einem rühmlichen Effort, Advanced Stats an die breite Öffentlichkeit zu bringen, das Powerplay des HC Lugano etwas genauer analysiert. Dazu hier eine kleine Ergänzung.

Ueli Schwarz betrachtete im Studio von MySports am Freitagabend den wichtigsten Aspekt eines jeden Powerplays – das Schussvolumen – und präsentierte auch «expected Goals», eine Statistik, bei welcher zudem Schussqualität miteinbezogen wird. Daneben gibt es allerdings auch noch einen weiteren Faktor, der uns etwas über das Powerplay aussagen kann: Die Struktur.

Unter Powerplay Struktur können wir uns alle intuitiv etwas vorstellen. Jeder Fan weiss genau, wo auf dem Eis welcher Spieler zu stehen hat, wenn sich das PP in der Zone festgesetzt hat. Im letzten Jahr haben NHL Statistiker genauer analysiert, wie wichtig die Struktur eines Powerplays tatsächlich ist. Allen voran Matt Cane, der die auf Schusspositionen basierende Statistik «Powerplay Structure Index» einführte. Seine wichtigsten Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Powerplay Struktur ist ein besserer Indikator für zukünftige Tore, als vergangene Tore.
  • Powerplay Struktur und Schussvolumen sind fast unabhängig voneinander.
  • Powerplay Struktur ist ein schlechterer Indikator für zukünftige Tore, als Schussvolumen.

Dieses Phänomen können wir auch in der Schweizer NL erkennen. Schauen wir uns das derzeit effizienteste Powerplay der Liga (GSHC: 22.22%) an:

Daten: SIHF

Bei den Genfern hat jeder Spieler in der ersten Powerplay-Formation seine exakte Position. Jeremy Wick und Kevin Romys Positionen überlappen zwar, aber es ist klar zu sehen, dass sich Romy lediglich im Slot, Wick hauptsächlich zwischen den Bullykreisen aufzuhalten hat.

Vergleichen wir das Bild mit einem Powerplay, das zum Start der Saison etwas Mühe hatte. Der SC Bern hat mit 13.51% das dritt ineffizienteste Powerplay. (Das ineffizienteste Powerplay hat Rapperswil, dort hat man aber noch nicht wirklich eine erste PP Formation gefunden, weshalb diese Grafik nicht viel Sinn machen würde.)

Daten: SIHF

Hier schiessen alle Stürmer von überall. Mancher SCB Fan wird jetzt sagen, dass diese Powerplay Formation oft rotiert, um Verwirrung in die gegnerische Defensive zu bringen. Dies bringt allerdings auch Verwirrung in die Offensive der eigenen Reihen. Im Powerplay hat man 120 Sekunden Zeit, um eine Überzahl auszunutzen, deshalb muss man in der Offensivzone mit einem klaren Plan auftreten. Jeder Spieler muss genau wissen, wo sein Mitspieler zu einem gegebenen Zeitpunkt zu finden ist. Die besten Powerplays in der NHL sind extrem strukturiert: Die 2015/16 Penguins unter Mike Sullivan, die Washington Capitals unter Adam Oates, die 2016/17 Columbus Blue Jackets unter John Tortorella. Schaut man sich diese Powerplays an, wird man wenig Rotation sehen. Backstrom weiss immer genau, wo Ovechkin steht. Wennberg wusste immer genau, wo Sam Gagner stehen wird.

Wir vermuten also, dass auch in der National League die Struktur etwas zum Erfolg des Powerplays beitragen wird. Für die Berechnung von Matt Canes Powerplay Structure Index ist es aber wohl noch etwas früh und die von MySports präsentierten Statistiken sind sicher weiterhin die besten Indikatoren für ein gutes Powerplay. Allerdings könnte es sich trotzdem lohnen, auch die Powerplay Struktur etwas genauer zu untersuchen, wenn dann genug Daten vorhanden sind.

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Advanced Stats haben mittlerweile auch im Schweizer Eishockey eine Heimat gefunden. Leider aber nur bei den Teams, nicht in den Medien. Diese Lücke will dieser Blog füllen.

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