Zahlen Hockey

Nach dem Spiel am Freitag zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern hat nun jedes Team mindestens 10 Spiele gespielt. Zeit, einen Blick auf ein paar frühe, statistische Trends zu werfen.

1. EHC Biel is here to stay

Als der EHC Biel letztes Jahr in der Tabelle plötzlich an dritter Stelle zu finden war, haben die Statistiken überhaupt nicht dafür gesprochen, dass die Bieler dorthin gehören. Dieses Jahr erzählen die Analytics eine andere Story über das Team von Törmänen. Zurzeit hat der EHCB eine CorsiFor% von 52%, das ist höher, als man letztzes Jahr über beliebige 10 Spiele je erreicht hat. Der etwas hohe PDO Wert von 103 lässt sich hauptsächlich auf die Liga weit zweithöchste S% von 10.5% zurückführen. Sollte es allerdings ein Team geben, welches diese S% halten könnte, ist es Biel, die offensiv weniger auf Schussvolumen und mehr auf Schussqualität setzen. Die Special Teams sind zwar nicht herausragend, die Strafen Differenz von +16 allerdings schon. Der EHC Biel unter den Top Teams, daran wird man sich wohl gewöhnen müssen.

2. Lugano kann von Glück reden, auf Rang 10 zu sitzen

Der HC Lugano war in diesen ersten 10 Spielen eine Katastrophe. Die CorsiFor% von 43% (!) ist mit 3 Prozentpunkten Abstand die schlechteste der Liga. Gleichzeitig ist der PDO Wert von 104 ein Zeichen dafür, dass Lugano sehr viel Glück hatte. Die Shooting% von 12% wird garantiert fallen. Vier Spieler erzielen bei über 25% ihrer Schüsse ein Tor, sechs Spieler bei über 15%. Dies überrascht, weil Lugano aus wenig hoffnungsvollen Positionen abschliesst. Dass dieses Team sich in der Tabelle vor Davos befindet, ist einzig Glück und Elvis Merzlikins zu verdanken.

3. Fribourger Defensive vielversprechend

Fribourg Gottéron lässt zur Zeit bei 5v5 mit nur 42 Schussversuchen pro 60 Minuten bei weitem am wenigsten gegnerische Schüsse zu. Zudem ist Fribourg neben Zug das einzige Team, das Schüsse aus dem Slot aktiv zu unterbinden vermag. Mit einer überdurchschnittlichen Offensive gehört Gottéron zu den besten 5v5 Teams der Liga. Kriegt man die vielen Strafen (4.6 Zweiminutenstrafen pro Spiel?!) und das Boxplay in den Griff, könnte dieses Team vorne mitmischen.

4. Backup Torhüter

Erfreulich ist, dass in der National League diese Saison bereits 24 Torhüter gespielt haben. Was der HC Davos schon lange weiss, hat jetzt scheinbar auch der Rest der Liga herausgefunden: Wenn ein Torhüter an aufeinanderfolgenden Tagen eingesetzt wird, kann man von ihm am zweiten Tag eine signifikant tiefere Fanquote erwarten. Es macht Sinn, in diesen Situationen den Backup Torhüter einzusetzen.

5. Jérôme Bachofner

Dem 22 jährigen Zürcher läufts. Mit durchschnittlich nur 11 Minuten Eiszeit pro Spiel ist Bachofner der ZSC Topscorer. Es macht deshalb Sinn, diese Zahlen einmal von der Eiszeit lösgelöst zu betrachten. So findet man Bachofner auf dem Liga weit zweiten Platz in Punkte/60 Spielminuten und auf dem fünfzehnten Platz in Schüssen/60 Spielminuten. Er schiesst übrigens auch einfach von überall. Die Story ist schön, aber auch hier: Eine Shooting% von 23% wird er wohl kaum eine ganze Saison durchziehen können.

6. Janis Jérôme Mosers Plus/Minus Bilanz

Der nur 18 jährige Bieler hat mit +10 zusammen mit Martschini die beste +/- Bilanz der Liga. Diese Statistik ist zu grossen Teilen unbrauchbar, vor allem für die Evaluation von Spielern. Dass Moser in der +/- Bilanz brilliert, ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass Antti Törmänen den 2000er Jahrgänger gezielt in geschützten (also offensiven) Situationen einsetzt. In mitten der Ausländer Debatte könnten sich einige Trainer der NL eine Scheibe von dieser Coaching-Philosophie abschneiden.

7. Lausanner Offensive weit weg vom möglichen Potential

Das Team unter Ville Peltonen produziert bei 5v5 am zweitmeisten Schussversuche (62SA/60Min) wie auch am zweitmeisten Schüsse aufs Tor (33SOG/60Min) der National League. Dazu kommt, dass die Schüsse zu grossen Teilen aus dem Slot kommen. Hier also ein Team aus der Kategorie "die Shooting% von 5.4% wird steigen, and look out when it does". Im Powerplay produziert man sogar am meisten Schussversuche der Liga (125/60Min), dies ebenfalls aus guten Positionen.

8. Blocking Shots – eine Ville Peltonen Philosophie?

Beim SC Bern hat man sich in den letzten zwei Jahren in alle möglichen Schüsse geworfen. Als einziges Team haben die Berner jeweils über 30% der gegnerischen Schussversuche geblockt. Peltonen ist neu in Lausanne, und plötzlich scheint man beim SCB nicht mehr so viel Wert auf das Schüsseblocken zu legen, dafür aber in Lausanne um so mehr. Vielleicht nur ein komischer Snapshot aus lediglich 11 Spielen, vielleicht eine Coaching-Philosophie.

9. Neue "Statistik" auf SIHF

Seit dieser Saison gibt’s auf der Team Stats Page vom Verband auch ein Tab, welches die Tore der Teams nach Position aufteilt. Nicht dass man damit so früh in der Saison grosse Analysen machen könnte, aber in Fribourg hat tatsächlich noch kein einziger Verteidiger getroffen, während in Rapperswil 40% der Tore von den Hintermännern stammen.

10. Sports, Data & Journalism Conference

Am kommenden Donnerstag (25. Oktober) veranstaltet das Center for Research in Sports Administration der Universität Zürich eine Sports Data Konferenz. Unteranderem wird auch ein Mitarbeiter von 49 Mining (der Hockey Analytics Firma von Andreas Hänni, welche sowohl für die Schweizer Nationalmannschaft als auch MySports die Advanced Stats bereitstellt) ein Poster über deren expected Goals Model präsentieren. Nebst spannenden Präsentation ist dort auch der Autor dieses Artikels anzutreffen. ;)

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Advanced Stats haben mittlerweile auch im Schweizer Eishockey eine Heimat gefunden. Leider aber nur bei den Teams, nicht in den Medien. Diese Lücke will dieser Blog füllen.

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