Zahlen Hockey

Das Centre for Research in Sports Administration (CRSA) der Universität Zürich hat am 25. November eine Konferenz rund um Analytics und Data Journalism im Sport gehalten. Ich durfte der Konferenz für swisshockeynews.ch beiwohnen und habe nebst einem Poster von Andreas Hännis Stats Firma 49 mining analytics zu Single Player Performance im Eishockey auch diverse Talks zu anderem Themen besuchen können. Nachfolgend ein Rückblick auf die für mich am interessantesten Projekte.

Eishockey

Junior Researcher Garret Binding (49 mining analytics) präsentierte ein Poster zum Thema «Context-Driven evaluation of Single Player Performances in Swiss Ice Hockey». In der Saison 16/17 standen sich in der NL rund 130'000 unterschiedliche Spielerkombinationen gegenüber. Mit den von der SIHF erfassten Daten versuchte Binding nun basierend auf diesen Kombinationen die individuellen Beiträge eines Spielers am Erfolg seiner Mannschaft zu isolieren.

Für die Nerds

49 mining analytics erstellt dazu zuerst ein expected Goals Model mit Faktoren wie Schussposition, numerischer Zustand (5v5, 5v4 etc) und aktueller Spielstand. Danach wird xGF% als abhängige Variabel verwendet, während die jeweiligen Spielerkombinationen die unabhängige Variabel darstellen. Für darauffolgende Regression wurde die Methode der Elastic Net Regularization angewendet, welche als eine Kombination der Lasso- und Ridge-Methoden verstanden werden kann.

So identifiziert Binding bereits mit den Daten aus der Saison 16/17 Toni Rajala als den Bieler Spieler mit dem am positivsten «Impact». Andere Resultate überraschen eher. So war zum Beispiel 16/17 gemäss dieser Methode Johan Morant der Zuger mit dem höchsten Imapct. Ob das Projekt fortgeführt und die Methode weiter angepasst wird, steht aber laut Garret Binding noch in den Sternen.

"Impact-Player": EHC Biels Toni Rajala.
Robert Hradil / RvS.Media

Eishockey war zudem Thema in einem weiteren Projekt. Daniel Vogler und Tobias Keller analysierten die Schweizer Sport Medien Landschaft mit einem «topic model». Ihre Resultate zeigen, dass das Eishockey mit einem Anteil von 13.1% die Sportart ist, die am zweitmeisten Berichterstattung bekommt. Interessant ist, dass der Anteil der Berichterstattung über den Nationalen Spielbetrieb im Eishockey mit 81,1% weit über dem Durchschnitt aller Sportarten von 52% liegt.

Artificial Intelligence

Ein anderes Thema, das an der Konferenz diverse Male angesprochen wurde ist die Verwendung von AI zur Bestimmung der Zuschauer Zufriedenheit. So analysiert IBM zum Beispiel für Wimbledon und das Masters Turnier verschiedene Fernsehbilder. Basierend auf Parametern wie «crowd cheering» und «commentator excitement» kann IBM den Organisatoren der Events wertvolle Informationen weitergeben, welche diese dann verwenden können, um das Zuschauer Erlebnis zu verbessern. An einer russischen Universität werden sogar die Gesichtsausdrücke von Fussballfans in TV Bildern analysiert, um «fan happiness» zu messen. Danach wird untersucht, welche Faktoren mit der Zufriedenheit der Fans korrelieren. Scheinbar sind russische Fussballfans umso zufriedener, je tiefer die Temperaturen sind.

Rivalitäten

Bleiben wir bei den Fans. Garry Gelade hat Rivalitäten im englischen Fussball untersucht. Seine Resultate zeigen, dass Spiele, in denen Fans die gegnerische Mannschaft als Rivalen identifizieren, in der Tat härter umkämpft sind. So gibt es in diesen Spielen mehr Zweikämpfe, Fouls und Karten. Interessanterweise werden in Spielen zwischen Rivalen auch weniger Pässe und tiefere Passgenauigkeit aufgezeichnet und Spieler begehen allgemein mehr «Fehler» (nicht genauer definiert).

Trainerentlassungen

Ob man in einer Krise am Coach festhalten soll, wird stets heiss debattiert. Die CRSA Conference war da nicht anders. Zwei Poster zu Trainerentlassungen wurden präsentiert. So fand Johannes Orlowski, dass sich Spieler nach einem Trainerwechsel in der Bundesliga wieder mehr anstrengen (gemessen z.B. an zurückgelegter Distanz), der erwünscht positive Effekt auf die Spielerfähigkeit allerdings in den allermeisten Fällen ausbleibt. Raphael Flepp und Egon Franck unterschieden intelligente und nicht intelligente Trainerentlassungen, in dem sie statistisch erörtern, ob ein Team nur aufgrund von Pech schlechte Resultate erzielt, oder ob das Team wirklich schlecht spielt. Sie zeigen in ihrem Projekt, dass Entlassungen bei Teams, die nur Pech hatten, keine positiven Veränderungen hervorrufen. Spielt ein Team tatsächlich nicht gut, hat die Entlassung des Coaches aber durchaus einen positiven Effekt auf das Team. Flepp und Franck kommen ebenfalls zum Schluss, dass Clubs ihre Trainer generell zu oft entlassen.

Sports Data Journalism

Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz war Sports Data Journalism. Die Schwierigkeit, als Journalist an brauchbare Daten zu kommen, wurde diverse Male hervorgehoben. Jemand im Publikum plädierte für eine Website, auf der die von Journalisten für ihre Artikel aufgearbeitete Daten veröffentlicht werden, um den Zugang zu Daten in der Zukunft zu vereinfachen. Dieser Kommentar erntete Applaus von allen Konferenzteilnehmern. Vertreter des UEFA Intelligence Centre zeigten sich daraufhin offen, die von Ihnen erhobenen Daten für spezifische Projekte bereitzustellen. Des Weiteren zeigte sich, dass das Programmieren ein immer wichtiger werdender Skill des modernen Sport Journalisten wird. Auch deshalb wurde an der Konferenz ein Python-Workshop angeboten, von welchem ich einiges für zukünftige Projekte mitnehmen konnte.

Vier weitere interessante Präsentationen/Poster kurz zusammengefasst:

Network von Fussball Agenten (Giambattista Rossi)

Im Fussball haben Agenten immer weniger Connections, diese werden allerdings umso stärker. Agenten pflegen generell stärkere Beziehungen mit Teams als mit Spielern und es haben sich «Superstaragenten» hervorgetan, die einen immer grösser werdenden Anteil der Spieler vertreten.

Sind Spieler von Meilensteinen angetrieben? (Arseniy Stolyarov)

Fussballer erzielen ihr hundertstes Karrieretor wesentlich schneller als andere Tore rund um die hunderter Marke. In einem Turnier oder einer Saison ist es im letzten Spiel wahrscheinlicher, dass ein Spieler mit neun Toren sein zehntes erzielen wird als dass ein Spieler mit zehn Toren seinen elften Treffer erzielt.

Ergibt sich aus dem gebrauch von Data Analytics ein der NBA ein Wettbewerbsvorteil? (Tobias Berger)

Vor allem Teams, die sich früh mit Analytics befassten, ziehen daraus heute durch die Erfahrung einen Wettbewerbsvorteil in Draft und Free Agency.

Genetik ein immer grösserer Faktor im Sport:

Nilüfer Köylüoglu untersuchte verschiedenste genetische Faktoren und deren Effekt auf Depression und Stress Levels von jungen Fussballspielern. Bereits früher wurde gezeigt, dass sich Depression und Stress negativ auf die Leistung von Top Athleten auswirken. Nun wissen wir mehr über die genetischen Faktoren, die bei Sportlern zu Depressionen und Stress führen können.

Fazit

Die dritte CRSA Conference war ein voller Erfolg. Mit über 100 Teilnehmern aus der ganzen Welt von verschiedensten Backgrounds in Sports Science konnte ich viele spannende Einblicke in neue Technologien, Datenanalysen in anderen Sportarten und die tägliche Arbeit von Sports Data Journalisten gewinnen. Ich freue mich darüber, dass wir in Zürich so ein Event haben und hoffe, auch nächstes Jahr wieder dabei sein zu können.

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ZahlenHockey

Advanced Stats haben mittlerweile auch im Schweizer Eishockey eine Heimat gefunden. Leider aber nur bei den Teams, nicht in den Medien. Diese Lücke will dieser Blog füllen.

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