NHL Observer

Geht es um die Evaluierung der NHL-Jungstars, sind jeweils jede Saison die Augen auf die Rookies oder Sophomore Guys gerichtet. Es lohnt sich jedoch auch, die Entwicklung jener Spieler zu analysieren, die vor mehr als zwei oder drei Jahren zu den grossen Hoffnungsträgern gehörten. Wie haben sich zum Beispiel die Top-Draftpicks des Jahres 2017 entwickelt? Welche Rolle spielen sie jetzt beim Club und in der Hierarchie der Mannschaft?

Die „Durchstarter“:

Ohne Zweifel sind Cale Makar und Elias Pettersson die absoluten Durchstarter unter den besten Draftpicks aus dem Jahre 2017. Elias Pettersson wird aller Voraussicht nach ein zweites Jahr in Folge der beste Skorer seines Teams (Vancouver) und ist mit seinem technisch schier unschlagbaren Direktschuss im Powerplay von grossem Wert. Cale Makar wird, wenn er von einer Verletzung verschont bleibt, zweifelsohne der grosse Favorit auf die Calder Trophy 2019/20. Der sehr mobile und antrittsschnelle Offensivverteidiger verkörpert mit seiner Spielweise und taktischem Geschick fast perfekt den modernen Verteidiger der NHL. Im Vergleich zu Erik Karlsson zum Beispiel spielt er trotz seiner Offensivwirkung weniger risikoreich und produziert kaum Turnovers.

Die „Etablierten“:

Viele der Top Draftpicks 2017 haben sich in der NHL als Leistungsträger und Führungsspieler etabliert. Der Nummer Eins-Draftpick Nico Hischier (New Jersey) ist einer derjenigen, deren Wirkung man oft unterschätzt, weil er kein ausgesprochener Skorertyp ist, aber dafür ein sehr intelligent spielender Center. Der Schweizer zeigt Konstanz in einer nicht so konstanten Mannschaft. Zu den anderen „Etablierten“ könnte man beispielsweise Cody Glass (Vegas), Owen Thomas (St. Louis) und auch Casey Mittelstadt (Buffalo) zählen. Bei den Verteidigern haben sich Miro Heiskanen (Dallas) und Henri Jokiharju (Buffalo, letzte Saison noch Chicago) einen Stammplatz gesichert.

Die „Bargains“:

Natürlich gab es auch absolute Überraschungen, wenngleich von Erstrunden-Draftpicks immer viel erwartet wird. Manche entwickeln sich aber noch etwas schneller und wachsen rasch in eine sehr gute Rolle im NHL-Team herein. So beispielsweise Nick Suzuki, der von den Vegas Golden Knights 2017 gedraftet wurde, aber im Zuge des Max Pacioretty Trades mit den Montreal Canadiens zusammen mit Tomas Tatar nun bei den „Habs“ eine zentrale Rolle ausfüllt. Mit 20 Jahren ist der Center im Powerplay bereits einer der Spielmacher und als Rookie eine echte Offenbarung. Zu den tollen Überraschungen zählen unter anderem auch Martin Necas (Carolina), Filip Chytil (NY Rangers) und Morgan Frost (Philadelphia).

Die „Entwicklungsfähigen“:

Sehr viele Top-Draftpicks 2017 erfahren indes eine konstante Entwicklung – sei es in der NHL oder auch in den Farmteams oder Juniorenligen. Nolan Patrick konnte sich in Philly als Stammspieler etablieren, aber seine Rolle geht aktuell nicht über das hinaus. Zumal er bereits eine für sein Alter lange Verletzungsgeschichte mit sich herum trägt und von schweren Migräneanfällen geplagt ist. Andere sind noch nicht ganz reif für die grossen Aufgaben und müssen sich erst noch in der NHL durchsetzen, geniessen aber viel Kredit im Club, wie Shane Bowers (Ottawa), Ryan Poehiling (Montreal), Kailer Yamamoto (Edmonton), Pierre Olivier Joseph (gedraftet von Arizona, jetzt sind die Rechte bei Pittsburgh nach dem Alex Galchenyuk-Phil Kessel-Trade) , Owen Tippett (Florida), Eric Brännström (Ottawa) oder Eeli Tolvanen (Nashville). Der in den Juniorenligen herausragende Cal Foote (Tampa), Sohn des legendären Adam Foote, hat es noch schwer, sich als Verteidiger bei den Tampa Bay Lightning zu empfehlen. Er brillierte jedoch an den U20 Weltmeisterschaften 2019/20 im Team Canada und zeigte, was von ihm in naher Zukunft zu erwarten sein wird.

Die „Enttäuschungen“:

Etwas enttäuscht haben indessen auch einige. Da könnte man Klim Kostin (St. Louis) in diese Kategorie mit einbeziehen. Ein extrem talentierter Flügelspieler und Captain der U20-Nationalmannschaft Russlands, der die hohen – zum Teil auch durch seine grossspurigen Aussagen selbst geschürten - Erwartungen bisher nicht erfüllen konnte. Weder in der NHL noch in der AHL. Lias Andersson hat sich bei den New York Rangers auch noch nicht als Stammspieler etablieren können und muss oft ins Farmteam zurück. Der Schwede hat erst kürzlich bei den Blueshirts durch seine Agentur anfragen lassen, ob ein Trade möglich seim, um seine NHL Karriere neu zu lancieren.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch beim Slapshot sowie beim Top Hockey und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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