NHL Observer

Für so mache NHL-Stars kam der Coronavirus-Break zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die einen waren auf dem besten Wege, die Saison ihres Lebens zu absolvieren. Andere wiederum hatten gute Karten im Rennen um den MVP-Titel. Viele erhofften sich von einem starken Saisonende und eventuell guten Playoffleistungen eine super Ausgangslage in ihrem bevorstehenden Vertragspoker und Letztere wiederum hatten in den letzten Wochen vor dem Lockdown einen super Lauf, der nun jäh unterbrochen wurde.

Mika Zibanejad, Artemi Panarin, Adam Fox und Tony DeAngelo kam der Ausbruch des Coronavirus' mit dessen Folgen für den NHL-Spielbetrieb nicht gelegen. Die New York Rangers hatten in den letzten Wochen vor dem Unterbruch des Spiel- und Trainingsbetriebs einen bemerkenswerten Lauf. Zibanejad und Panarin skorten nahezu 50 Prozent ihrer gesamten Punkte in den Monaten Januar und Februar 2020. Artemi Panarin (95 Punkte) ist mit einer Plus-Bilanz von +36 der Zweitbeste der Liga in dieser Statistik und liegt in den Top 5 der NHL-Skorerliste. Auch Tony DeAngelo (53 Punkte, +22) erlebte einen bemerkenswerten Leistungsruck in den Wochen vor dem Lockdown und Adam Fox (26 Punkte, +22) spielte sich als Rookie in die nähere Auswahl der Calder Trophy Kandidaten. Die vier Rangers-Cracks stehen stellvertretend für alle, die man in folgende Kategorien der „Timing-Pechvögel“ einreihen kann:

1. Die „Formstarken“ ausgebremst

Neben Artemi Panarin und Mika Zibanejad waren noch eine ganze Menge anderer NHL-Stars in den Wochen vor dem NHL-Unterbruch so richtig top in Form. Hervor zu heben wären da beispielsweise Kevin Fiala (Minnesota Wild), der sich seit dem Jahreswechsel in einen Torrausch spielte und souverän die interne Skorerliste – vor anderen prominenten Mitspielern – mit 54 Punkten anführt. Der Schweizer wird in fast jeder Situation eingesetzt und verhalf mit wichtigen Toren Minnesota nach schwachem Saisonstart wieder in den Playoffqualifikations-Kampf einzugreifen.

Ein anderer Schweizer wird nicht glücklich gewesen sein, ob des Timings mit dem Lockdown: Roman Josi von den Nashville Predators. Gerade eben waren die „Preds“ so langsam wieder konstant geworden in einer bisher wechselhaften Saison, in welcher es in „Smashville“ nur einen wirklich konstanten Spieler gab: Captain Roman Josi. Mit 65 Punkten (+22) steht er in der internen Skorerliste als Verteidiger mit Abstand an der Spitze.

Weitere Kandidaten in dieser „Kategorie“: Ryan Graves (Colorado) spielt die Saison seines Lebens und steht mit +40 in dieser Statistik ligaweit auf Rang Eins. Oder auch der Rollenspieler J.T. Miller (Vancouver), der nun sogar auch als Skorer so richtig durchstartete mit seinen 72 Punkten (+11). Natürlich darf auch Leon Draisaitl in dieser nicht auf Vollständigkeit beruhenden Aufzählung fehlen. Der aktuelle NHL-Topskorer soll gemäss vielen Experten ein heisser Kandidat für den MVP-Titel sein und steht vor dem Gewinn der Rocket Richard Trophy.

2. Die „Vertrags-Pokerspieler“

Die Liste ist lang mit NHL Rollenspielern, deren Verträge in den nächsten Wochen oder nach den Playoffs neu ausgehandelt werden sollen. Ihre Leistungen wären für ihre Agenten wichtig gewesen für ein Argumentarium im Vertragspoker. Auch einige NHL-Topstars stehen vor einer Vertragsverhandlung. Zwei wollen wir besonders hervorheben, da für sie die letzten Saisonwochen von besonderer Bedeutung gewesen wären: Mike Hoffman (Florida) und Taylor Hall (Arizona). Taylor Halls Agent hat bereits mit den ersten Verhandlungen begonnen und will wenn möglich den bisherigen Jahressalär von rund 6 Millionen USD toppen und auf eine längere Vertragsdauer ausdehnen. Mike Hoffman erhofft sich indes nach einer starken Saison in einer Schlüsselposition - speziell im Powerplay als Schütze aus der Halbdistanz (One-Timer-Spezialist) – einen langjährigen Top-Deal und vielleicht auch mehr Jahreshonorar als seine bisher 5,65 Millionen.

3. „Rookies on Fire“

Adam Fox wurde ja bereits erwähnt als einer der NHL-Rookies, die eine besonders starke Saison absolvierten. Andere waren ebenfalls entweder konstant gut unterwegs oder in einer bemerkenswerten Spätform: Quinn Hughes (Vancouver) zum Beispiel, führt mit 53 Punkten die Skorerliste bei den Rookies noch vor Cale Makar (Colorado, 50 Punkte) an. Viele Experten überdachten bereits in der Folge ihren fast schon feststehenden Tipp für den Calder Trophy Favoriten. Nicht vergessen sollte man auch Dominik Kubalik (Chicago), der nicht nur bereits 46 Punkte geskort hat, sondern auch einer der mitverantwortlichen Spieler bei den „Hawks“ ist, dass sie sich noch kleine Playoff Hoffnungen machen dürfen. Kubalik ist ein Glücksfall für die Blackhawks, als sie die Option auf ihn nach dem Gewinn des MVP Titels in der Schweizer National League 2018/19 zogen. Nicht zu vergessen ist auch Nick Suzuki (Montreal), der eine grandiose Rookie-Saison hätte fertig spielen können.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch beim Slapshot sowie beim Top Hockey und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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