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Eigentlich befand man sich letzte Saison noch in der Endphase eines Rebuildings und wollte die durch geschickte Drafts und Trades neu erworbene Identität spielerisch zementieren. Dank des früher als zunächst erwarteten sportlichen Erfolgs hat sich die Mannschaft bereits als Spitzenclub etabliert. Nun will sich die neue NHL-Lieblingsmannschaft der Schweizer Eishockeyfans in dieser Saison die nächste Stufe beim sportlichen Steigflug zünden.

Die New Jersey Devils sind aktuell populärer denn je in ihrem Bundesstaat. Noch mehr als zu ihren erfolgreichsten Zeiten in den Neunzigern und in den Millennium-Jahren, als man mit Stars wie Martin Brodeur, Scott Niedermayer, Claude Lemieux oder Scott Stevens drei Stanley Cups gewann. Der Grund für die Begeisterung: Die neue Identität der Mannschaft, die mit ihrer Spielweise begeistert. Bei den Stanley-Cup-Siegen haben die Devils mit ihrer berüchtigten Neutral Zone Trap die Gegner zur Verzweiflung gebracht und zelebrierten äusserst erfolgreich ein resultatorientiertes Hockey. Ganz anders ist seit einigen Jahren der Auftritt beziehungsweise die neue DNA der aktuellen Devils: Der Aufbau des Teams folgte konsequent über die Fähigkeitsmerkmale der Schnelligkeit und gedanklichen wie auch technischen und taktischen Umsetzungskompetenz. Besonders sichtbar wurde der Plan bei den Drafts der beiden „Center der Zukunft“ Nico Hischier und Jack Hughes. Bei ersterem wollte man einen kompletten, intelligenten Center und bekam einen 80-Punkte-Skorer, der in jeder Spielsituation sowohl offensiv wie defensiv Verantwortung übernimmt. Seit 2022 ist er sogar Captain. Jack Hughes hat sich zu einem spielstarken, sehr flinken, frechen und torgefährlichen Spielmacher etabliert. Weitere Draftpicks waren auch geschickt gewählt: 2020 wurde Dawson Mercer in der ersten Runde gedraftet (Nummer 18 overall). Dies war nur möglich, weil man zuvor Taylor Hall getradet hatte, seines Zeichens immerhin der MVP der Saison 2018. Einige andere Draftpicks erwiesen sich als Late Bloomer wie Jesper Bratt (sechste Draftrunde 2016). Letzte Saison folgte der Einbau von Spielertypen wie Ondrej Palat und der „Homerun“ mit der Verpflichtung von Timo Meier vor der Trading Deadline. In diesem Frühsommer gelangen zudem noch andere Top-Verpflichtungen wie beispielsweise jene mit Tyler Toffoli im Tausch für Yegor Sharangovich und einem Drittrunden-Draftpick 2023.

Schnell, schneller, Devils-Offensive

Was ist nun also zu erwarten? Ganz sicher ein Offensiv-Feuerwerk, wie es die neue Team-DNA verspricht. Mit zwei absolut faszinierenden ersten Offensivtrios und zwei weiteren Linien, die nicht nur defensiv auf Topniveau spielen, sondern auch für Secondary Scoring sorgen können, ist man gut aufgestellt. Nico Hischier, der wohl kompletteste Spieler im Kader, wird seine beiden Flügel Timo Meier und Dawson Mercer optimal bedienen. Timo Meier war schon an den letzten WM-Turnieren Hischiers Linemate. Dieses Trio harmoniert also prächtig. So wie auch jenes mit dem anderen jungen Top-Center Jack Hughes. Seine angestammten Mitspieler: Jesper Bratt und Tyler Toffoli. Letztes Jahr lagen die Devils mit 289 Torerfolgen punktgleich auf dem dritten Platz in der NHL. Jack Hughes, Jesper Bratt und Nico Hischier erzielten alle mehr als 30 Tore, Dougie Hamilton und Dawson Mercer 22 beziehungsweise 27. Darüber hinaus skorten Tyler Toffoli in Calgary 34 und Timo Meier bei den den Devils und zuvor in San Jose 40 Tore. Wenn man dazu noch das Secondary Scoring von Ondrej Palat und Erik Haula sowie das Potenzial von Alexander Holtz miteinbezieht, kann man einiges erwarten von dieser mittlerweile stark eingespielten Offensivmannschaft.

Starke Special Teams

Interessant wird sein, wie sich die Special Teams schlagen. In Überzahl sind die ersten beiden Powerplay-Units jeweils nur mit einem Verteidiger (Dougie Hamilton und Luke Hughes in der zweiten Welle) an der blauen Linie besetzt. Als Blueliner sind Jack Hughes in der ersten Welle und Ondrej Palat vorerst gesetzt. Die erste PP-Einheit ist mit Hischier, Meier und Bratt brandgefährlich. In der zweiten PP-Einheit setzt man auf Druck auf den Gegner und hat einige Alternativen mit Mercer, Haula, Holtz und Toffoli. Wo man stark besetzt sein wird ist im Unterzahlspiel, wo man auf viele Unterzahlspezialisten zählen darf. In der Regel starten da Nico Hischier, Erik Haula, Jonas Siegenthaler und John Marino.

Defensivabteilung mit Qualität, aber auf dem Prüfstand

Ebenfalls gut etabliert hat sich die Defensivabteilung des Teams: Dougie Hamilton, John Marino und Jonas Siegenthaler zum Beispiel haben in den letzten beiden Saisons der Defensive Reife, Stabilität und Offensive gebracht. Mit Luke Hughes hat sich der nächste Top-4-Kandidat in der Verteidigung ins Team gespielt. Mit Simon Nemec, dem Erstrunden-Draftpick von 2022, steht auch bald ein weiterer potenzieller Spieler in der Defensive bereit. Als drittes, eher defensiv eingestelltes Duo sind der physisch imposante Kevin Bahl und der bewegliche Brendan Smith vorgesehen.

Ein kleines Fragezeichen sind die Torhüterpositionen: Die Devils-Keeper Vitek Vanecek und Akira Schmid zeigten, inklusive den Playoffs, starke Torwartleistungen und übertrafen eigentlich die Erwartungen. Akira Schmid bewies gegen die New York Rangers, dass er mehr sein kann als ein Backup und war der Held der Hudson River-Playoffserie. Wie werden aber die Erwartungen diese Saison erfüllt? Im Sommer 2023 wurde der Name Connor Hellebuyck immer wieder ins Spiel gebracht. Es kam aber nicht zu einer Verpflichtung. Für einige Fachleute wird diese Position als mögliche Achillesferse der Devils detektiert.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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Was passiert hinter den Kulissen der NHL und was steckt hinter den Geschichten, die uns bewegen? NHL Insider Joël Ch. Wuethrich öffnet für SHN sein NHL Netzwerk.