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Nach mehreren Jahren, in welchen die „Bolts“ nur situativ Änderungen im Kader vornahmen und eine Art Masterplan verfolgten, scheint sich eine Trendwende abzuzeichnen. Was bleibt, ist die Konstanz in der Kaderplanung bei den Schlüsselspielern. Interessant wird sein, wie sich jene entwickeln, denen die Zukunft gehört.

Nach drei Jahren mit jeweiligen Finalteilnahmen in Folge endeten die Playoffs für die „Bolts“ in diesem Frühjahr erstmals wieder mit einer Enttäuschung: Das Erstrunden-Aus gegen die Toronto Maple Leafs – erstmals wieder seit 2019 scheiterte man so früh – schmerzte. Aber es gab keinen Blitzeinschlag in Form einer Infragestellung der mittelfristigen Kaderstrategie - ganz im Gegenteil. Was aber dennoch neu ist: Heuer werden etwas mehr jüngere Akteure mit Potenzial für eine Durchbruch-Saison zum Einsatz kommen.

Mittelfristige Planung

Vieles wird sich bezüglich strategischer Ausrichtung des vor mehr als vier Jahren bereits von Steve Yzerman aufgesetzten und von Julien BriseBois in den Folgejahren glänzend umgesetzten Masterplans nicht ändern. Das Motto „Stick to the Plan“ gilt nach wie vor. Nur werden in der kommenden Saison allenfalls neue interessante Spieler für Donnerschläge sorgen. Da ist ganz sicher mit Verteidiger-Late Bloomer Nick Perbix zu rechnen, der nach Jan Ruttas Weggang an der Seite von Mentor Victor Hedman auf einmal eine Schlüsselposition einnehmen wird. Oder mit Darren Raddysh, der mit Michail Sergatchev zusammen ein Verteidigerduo bilden wird. Raddysh war 2022/23 eine der positivsten Überraschungen bei den „Bolts“ und erlebte eine Durchbruch-Saison. In der Offensive ist mit Mikey Eyssimont zu rechnen, der nun mit Center Nick Paul und Flügelpartner Tanner Jeannot ein produktives Secondary-Scoring-Trio formen wird. Es sind noch einige zu nennen, bei welchen man viel erwarten könnte wie Josh Archibald, Cole Koepke und Logan Brown. Der überraschende Wechsel von Pat Maroon zu den Minnesota Wild öffnete die Türe für Cole Koepke (25), der 17 Spielen in der letzten Saison absolvierte. Mit ihm ist zu rechnen wie auch mit Logan Brown, dessen NHL-Karriere, seit er als Nummer 11 overall im Draft 2016 von Ottawa gezogen wurde, noch nicht nach Wunsch verlief. Brown ist gelernter Center, spielt aber lieber auf der Flügelposition. Insider tippen, dass er an der Seite von Center Luke Glendening in Tampa aufblühen könnte.

Hohe Erwartungen – auch an das Secondary Scoring

Ein spezielles Auge ist zudem auf Tanner Jeannot gerichtet: Dieser wurde bei der Trade Deadline 2023 als eine der besten Verpflichtungen gefeiert, nachdem es ihm in Nashville zuvor nach einer starken Vorsaison dann eher harzig lief. Man kennt aber aufgrund seiner Spielweise seine Stärken. Diese konnte er im Frühling 2023 nicht wirklich ausleben. Letzte Saison erzielte er mit den Lightning in 20 Spielen nur ein Tor und total vier Punkte und wurde dann für drei Playoff-Spiele nicht einmal eingesetzt. Das war die Höchststrafe für einen ausgewiesenen Playoff-Spieler, der eigentlich genau dafür geholt wurde. Nun will er beweisen, dass man in Tampa nicht aufs falsche Pferd gesetzt hatte.

Ebenso interessant wird, wie sich Backup-Keeper Jonas Johansson schlägt. Die Lightning haben in den letzten Jahren ihrem Top-Stammgoalie Andrei Vasilevsky wenige Pausen gegönnt. Dies birgt Gefahren bezüglich Verletzungsanfälligkeit. Die Canadiens de Montréal sind mit Carey Price ein mahnendes Beispiel. Jonas Johansson bringt sicher Stabilität in die Backup-Position: Letzte Saison bestritt er nur drei Partien für die Colorado Avalanche und verzeichnete einen Gegentordurchschnitt von 2,10 und eine Abwehrquote von 0,932. Johansson ist, so die „Bolts“- Experten, ein ruhiger Keeper mit sehr gutem, zeitgemäss klassischem Stellungsspiel. Man geht davon aus, dass der Riese von 1,96 Meter diese Saison mehr als 20 NHL-Partien absolvieren wird.

Starke Achse mit Vasilievskiy, Hedman und den Centerspielern

Ein kurzer Blick auf die Offensivtrios und Verteidigerduos: Das erste Trio mit Brandon Hagel, Brayden Point und Nikita Kucherov wird erneut zusammen mit der zweiten Offensivlinie um Steven Stamkos, Anthony Cirelli und Conor Sheary für die Torproduktion sorgen. Brandon Hagel, erst gerade mit einem lukrativen, neuen Mehrjahresvertrag ausgestattet, spielte letzte Saison lange mit Zweitliniencenter Cirelli. Unter anderem auch in den Playoffs. Die taktische Variabilität von Anthony Cirelli und Steven Stamkos ermöglicht einige interessante Kombinationen. Man kann erwarten, dass Conor Sheary in der Stamkos-Linie spielen wird, weil beide von ihrer Spielanlage her gut harmonieren.
Prinzipiell ist anzumerken, dass die Centerposition bei den „Bolts“ ausserordentlich gut besetzt ist: Brayden Point, Anthony Cirelli, Nick Paul und Luke Glendening bilden eine gute Achse. Oft nicht genug wertgeschätzt werden Cirelli und Paul, beide gehören zu den besten Defensivcentern der NHL. Für das Secondary Scoring wird gesorgt sein mit Mikey Eyssimont, Nick Paul, Tanner Jeannot und auch Tyler Motte.

Wie bereits erwähnt gibt es in bei den Defensivduos kleine Anpassungen: Zu erwarten ist, dass Nick Perbix mit Victor Hedman auflaufen wird und Darren Raddysh mit Michail Sergatschew. Das dritte Duo formen aller Voraussicht nach die Routiniers Calvin de Haan und Erik Cernak. Mit Calvin de Haan (573 NHL-Spiele) wurde einer verpflichtet, bei dem man weiss, was zu erwarten ist. Als Sicherheit stehen auch noch andere erfahrene NHL-Cracks zur Verfügung wie NHL-Dauerbrenner Zach Bogosian.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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Was passiert hinter den Kulissen der NHL und was steckt hinter den Geschichten, die uns bewegen? NHL Insider Joël Ch. Wuethrich öffnet für SHN sein NHL Netzwerk.