NHL Observer

Wer hat sich in der NHL bereits früher als erwartet etabliert und steht kurz davor, die nächste Hürde zum Top-Leistungsträger in seiner Mannschaft zu erklimmen? Von welchen Spielern wird clubintern und in Fachkreisen erwartet, dass sie in der Saison 2023/24 den Durchbruch vom wichtigen Stammspieler zum Topstar vollziehen?

NHL-Eishockeyprofis durchlaufen diverse Karriere-Etappen und erleben im besten Falle zu einem ganz bestimmten Moment einen Durchbruch. Der erste ist ein Stammplatz in der NHL, danach folgt die Etablierung in der Liga und, wenn alles gut geht, erreicht man die Qualität und den Status einer Teamstütze und eines Leistungsträgers innerhalb der Mannschaft. Viele Schlüsselspieler wurden in den letzten Saisons ihrer Rolle als Schlüsselspieler nicht immer und nicht konstant gerecht. Das hat vielerlei Gründe. Einer davon kann sein, dass man nicht in der gewünschten Position oder taktisch nicht den eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten entsprechend eingesetzt wurde. Manche konnten dem Druck, ein Schlüsselspieler sein zu müssen, nicht standhalten. Und andere wiederum waren nicht imstande die gewohnte Leistung abzurufen, mussten sich mit Verletzungssorgen herumschlagen oder es mangelte ganz einfach an Konstanz.

Wir haben uns noch weiter umgesehen und jene Top-Spieler ausgemacht, die in der neuen Saison 2023/24 den definitiven Sprung vom wichtigen Leistungsträger zum unersetzlichen Schlüsselspieler machen könnten. Dabei beschränkten wir uns bei der Aufzählung auf Spieler, die (noch) keine drei kompletten NHL-Saisons absolviert haben. Einige, die erst seit etwas mehr als einem Jahr in der NHL etabliert sind haben bereits einen Starstatus in ihren Teams erreicht. Dazu gehören beispielsweise Matt Beniers (Seattle) und Tage Thompson (Buffalo), um nur zwei zu nennen. Anderen steht dieser Schritt nun unmittelbar bevor. Wer nimmt also die nächste Hürde und wird zum unverzichtbaren Starspieler für seine Mannschaft? Hier eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Jake Sanderson, Ottawa Senators

Manche mögen behaupten, Jake Sanderson habe letzte Saison bereits den Durchbruch zum Star des Teams geschafft. Ja, es war ein Durchbruch, aber der Sophomore muss zuerst noch zu einem dauerhaften Leistungsträger reifen. Dass man an ihn glaubt, zeigt der Megadeal, den die „Sens“ mit ihrem Verteidiger-Star der Zukunft geschnürt haben: Ab 2024/25 beginnt sein neuer Achtjahresvertrag über 64,4 Mio. Dollar. Als Rookie erzielte Sanderson (21) in der vergangenen Saison in 77 Spielen 32 Punkte. Mit Sanderson, Jacob Chychrun, Thomas Chabot und Artem Zub sind die Top-4-Verteidiger der Senators für die nächste Saison gesetzt.

Kaiden Guhle, Montreal Canadiens

Bei den Montréal Canadiens hat man aktuell ein Überangebot an sehr talentierten Jungverteidigern. Derjenige mit den besten Anlagen, der reifsten Spielanlage und auch ausgestattet mit Führungsqualitäten ist Kaiden Guhle. In der Hockeymetropole gilt Guhle aufgrund all dieser Fähigkeiten und Veranlagungen sowie seiner Spielweise als der designierte Nachfolger von Shea Weber. Lange ausgefallen nach einer starken ersten Saisonphase hofft der 21-Jährige auf eine verletzungsfreie Saison und auf die Etablierung als neuer Chef in der Verteidigung der „Habs“ hinter den Veteranen Mike Matheson und David Savard.

Wyatt Johnston, Dallas Stars

Als Rookie erlebte Wyatt Johnston bereits seine Durchbruch-Saison mit 41 Skorerpunkten und starken Playoff-Leistungen (wichtige Tore, viel Wirkung, sechs Punkte). Natürlich wird auch er - wie so manche in ihrer zweiten Saison - sich gegen den Sophomore Jinx wehren. Nun gilt es, seine erste Saison zu toppen und so den Erwartungen gerecht zu werden. Was für ihn spricht: Er ist ein junger Center, der gut harmoniert mit den torgefährlichen Veteranen (speziell mit Jamie Benn). Johnston kann sich an Roope Hintz orientieren, der auch schon als Center sich bis ins erste Offensivtrio hocharbeitete. Bereits sind beide in der Center-Hierarchie vor Tyler Seguin.

Peyton Krebs, Buffalo Sabres

Peyton Krebs ist ein Drittlinien-Center, der aber auch als Flügel eingesetzt werden kann. Bereits in seiner ersten Halbsaison 2022/23 erstaunte er mit 22 Skorerpunkten und konnte sich in der letzten Spielzeit in seiner ersten Vollsaison in der NHL etablieren (26 Punkte). Es ist zu erwarten, dass er für die Sabres im Secondary Scoring sowie als Defensivcenter eine sehr wichtige Rolle einnehmen wird.

Pheonix Copley, L.A. Kings

Bei den Goalies muss man ein Auge haben auf Pheonix Copley von den L.A. Kings. Er ist ganz klar einer der NHL-Goalies der Zukunft, der im Staples Center wie auch seine Vorgänger in die grossen Fussstapfen von Jonathan Quick treten muss. Noch waren die Statistiken der letzten Saison zwar gut, aber nicht überragend (GAA 2,64, Save % 90,3). Als der Mann aus Alaska kurz vor Weihnachten 2022 in den kalifornischen Süden geholt wurde, sprach man bei den Kings von einem Christmas Gift. Seitdem hat er sich gut etabliert und man erwartet gemeinhin von ihm, dass er mit Hilfe von Mentor Cam Talbot die Rolle als Nummer Eins schultern wird.

Bowen Byram, Colorado Avalanche

Der hochtalentierte 22-jährige Verteidiger der „Avs“ hat zwar noch keine vollständige NHL-Saison bestritten, hat aber bereits in drei Spielzeiten entscheidend mitgewirkt – unter anderem auch als einer der Top-Verteidiger bei den erfolgreichen Playoffs 2022 mit dem Stanley-Cup-Sieg. Mit seinen erst 22 Jahren gilt er bereits als einer der taktisch intelligentesten Verteidiger und wird mit Cale Makar und Devon Toews mit Sicherheit zu den Top-4 Verteidigern der Zukunft in Denver.

Weitere „Breakthrough Kandidaten“

Es sind noch einige erwähnenswert wie Jamie Drysdale von den Anaheim Ducks. Der 21-Jährige ist wohl bereits diese Saison der Chef im Ring in der nicht als besonders stark eingestuften Verteidigung der Ducks und dies trotz Mitspielern wie Cam Fowler und Radgo Gudas. Auch Barrett Hayton von den Arizona Coyotes hat eine absolute Durchbruch-Saison vor der Brust. Der 23-Jährige ist der designierte erste Center im Team und wird sehr vom Scoring Touch eines Clayton Keller und Nick Schmaltz profitieren. Ebenfalls mit Führungsspielerpotenzial in dieser Mannschaft: Matias Macelli und der Schweizer Janis J. Moser, der wohl im ersten Verteidigerduo neben Neuzugang und Starspieler Matt Dumba agieren wird.

Und auch Shane Pinto von den Ottawa Senators, der sich als einer der produktiven Center der „Sens“ etablieren wird, darf man in der mit neuen Stars gespickten Mannschaft im Auge behalten. Auch wenn der Start ins Trainingscamp begleitet war von vertraglichen und atmosphärischen Differenzen. Shane Pinto (35 Punkte letzte Saison!) wird wohl mit Josh Norris um den Platz in der zweiten Centerposition kämpfen. Auf jeden Fall kann er mit anderen Topspielern wie Claude Giroux, Drake Batherson, Dominik Kubalik oder auch mit einer der grossen Nachwuchshoffnungen, Ridly Greig, agieren, was ihm in seiner Entwicklung helfen wird.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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Was passiert hinter den Kulissen der NHL und was steckt hinter den Geschichten, die uns bewegen? NHL Insider Joël Ch. Wuethrich öffnet für SHN sein NHL Netzwerk.