Lions Frauen

Die Meisterschaft der Women’s Hockey League verspricht auch in der neuen Saison einiges an Spannung. Neu werden 25 statt 20 Qualifikationspartien gespielt und aufgrund der beiden längeren Unterbrüche (Universiade und Olympische Spiele) stehen eine ganze Reihe von Doppelrunden an.

Lions Frauen

Die Top-Teams haben Federn lassen müssen, die Herausforderer haben zugelegt und sind – zumindest auf dem Papier – der Spitze einen Schritt näher gerückt. Allerdings: Meister Ladies Lugano und Finalist ZSC Lions Frauen sind auch in der neuen Saison die beiden Top-Favoriten.

Ladies Lugano: Der Titelverteidiger

Die Tessinerinnen haben mit Michelle Karvinen die Ausnahmekönnerin schlechthin verloren und auch die Schweizer Nati-Spielerin Noemi Ryhner hat mit ihrem Wechsel zum schwedischen Meister Lulea aufhorchen lassen. Das sind 104 Skorerpunkte oder Rang 1 (Karvinen) und 4 (Ryhner) in der Topskorer-Liste der vergangenen Saison. Ersetzt werden die Beiden durch die 26jährige amerikanische Verteidigerin Sidney Morin und die 20jährige schwedische Stürmerin Ronja Mogren. Morin hat in den letzten vier Jahren in der schwedischen Meisterschaft für drei verschiedene Clubs über 200 Skorerpunkte gesammelt und war mit einem Schnitt von 1,43 Punkten die produktivste Verteidigerin der Liga. Sie wird auch in der Schweizer Meisterschaft eine überragende Rolle spielen. Das hat sie mit drei Toren und zwei Assists bereits im vorgezogenen Meisterschaftsspiel gegen Reinach bewiesen. Offen ist die Frage, ob Nati-Stürmerin Evelina Raselli in Lugano bleibt. Die 29jährige Stürmerin ist im Sommer von den Boston Pride, einem Team aus der semiprofessionellen amerikanischen National Women’s Hockey League gedraftet worden. Im ersten Meisterschaftsspiel fehlte sie, ein Transfer in die USA ist deshalb immer noch möglich, da die Meisterschaft dort erst anfangs November beginnt.

ZSC Lions: Wie immer einer der Topfavoriten

Auch wenn’s am Schluss nicht ganz zum (siebten) Meistertitel gereicht hat: Die ZSC Lions waren die positive Überraschung der letztjährigen Meisterschaft. Die Zürcherinnen – ohnehin in jeder Saisonvorschau der letzten 13 Jahre dem engsten Favoritenkreis zugerechnet – spielten eine unglaubliche Qualifikation mit 50 Punkten aus 20 Spielen. Und dies mit einem Team, das bis zu neun, gewichtige Ausfälle kompensieren musste. Die jungen und jüngsten Spielerinnen, zum Teil aus dem Farmteam GCK Lions befördert, haben über Erwarten gut performt, bis ihnen dann in den Playoffs ein wenig der körperliche Schnauf und die geistige Frische ausgingen und auch die spezielle Playoff-Erfahrung fehlte. Der Vizemeister geht ohne vier Stammspielerinnen – darunter zwei Ausländerinnen (Anthea Lasis und Kristi Sashkina) – in die neue Saison, verstärkte jedoch seinen ohnehin schon ausgeglichenen Kader mit den beiden Nationalspielerinnen Dominique Rüegg (zurück aus Schweden) und Sinja Leemann (aus der Lakers-Nachwuchsabteilung). Insgesamt stellten die Zürcherinnen mit sechs Spielerinnen an der Frauen-WM das grösste Kontingent und sind nicht zuletzt deshalb – aber auch aufgrund der aufstrebenden jungen, zweiten Garde – der erste Herausforderer von Meister Lugano.

ZSC Berlin 2082
Lions Frauen

Thurgau: Saison der Bestätigung

Auch die neue dritte Kraft im Schweizer Frauen-Eishockey, Bronzemedaillengewinner Thurgau Indien Ladies, hat mit Phoebe Staenz (wechselte nach Schweden) eine Schlüsselspielerin mit ausgeprägtem Torinstikt (26 Tore, 18 Assists) verloren. Sie gleichwertig zu ersetzen, ist praktisch unmöglich. Deshalb wird die Last auf mehrere Schultern verteilt werden müssen. Die Skorerqualitäten der tschechischen Internationalen Simona Studentova (35) wird mehr denn je gefragt sein, aber auch die neue Ausländerin Kamila Wieczorek sowie Nationalspielerin Lena Lutz (beide von Bomo Thun) werden ihren Part an Verantwortung übernehmen müssen. Zur Entlastung haben die Thurgauerinnen kurz vor Transferschluss noch die 32jährige Eva Beiter-Schwärzler engagiert. Die Stürmerin mit 10 Jahren Erfahrung in der Women’s League (Oberthurgau, Weinfelden, ZSC Lions) kommt aus einer schöpferischen Pause. Die letzte Meisterschaft bestritt die 42fache österreichische ex-Internationale 2017/2018 mit den Salzburg Eagles.

Gespannt darf man auf die «jungen Wilden» sein: Die beiden Davoserinnen Leoni Balzer und Ivana Wey und die Österreicherin Emma Kohler (alle 2006) haben in der Vorbereitung ihre Schnelligkeit und Torgefährlichkeit unter Beweis gestellt. Die Rücktritte respektive Abgänge der drei Torhüterinnen Janine Alder, Ramona Furrer und Monja Wagner (nach Kanada) stellte die Thurgauerinnen kurzfristig vor Probleme, doch mit den beiden mit B-Lizenz verpflichteten Nati-Hüterinnen Vanessa Bolinger (Engiadina, 2. Liga) und die Französin Caroline Lambert (Wil, SWHL B) sowie auch Jessica Streicher stehen drei neue Torhüterinnen zur Verfügung.

Bomo: Ein neuer Schritt vorwärts

Mit Bomo Thun, dem ewigen «Liftteam» zwischen Playoffs und Playouts, wird in der kommenden Saison wieder zu rechnen sein. Die Berner Oberländerinnen haben mit Thomas Zwahlen (Düdingen Bulls) nicht nur einen ausgewiesenen Fachmann an der Bande, sie haben die Abgänge ihrer beiden Ausländerinnen Kamila Wieczorek (Thurgau) und Viktoria Maskalova (Reinach) mit der Verpflichtung der Marty-Sisters mehr als kompensiert. Die Aargauer Zwillinge Julia und Stefanie Marty (33) blicken auf eine mehr als 15jährige Karriere in der Schweiz und Nordamerika zurück und werden dem Team einiges an Stabilität bringen. Auch die 29jährige französische Internationale Betty Jouanny bringt mit acht Jahren und 233 Spielen in Schwedens Topliga viel Erfahrung mit. Eine Angriffsformation mit Betty Jouanny, Stefanie Marty und der 18jährigen Nati-Spielerin Laura Zimmermann, der besten Thuner Skorerin der letzten Saison, könnte zu einer echten Attraktion der Meisterschaft werden. Ergänzt wird das Thuner Kader durch die Rückkehr von Cassandra Rensch (von Neuenburg) und eine Reihe von jungen Spielerinnen aus der Region sowie aus dem Wallis. Nach den Abgängen von Saskia Maurer (USA) und Margaux Favre (Kanada) ist die 26jährige Sandra Heim die einzige Torhüterin mit reichlich Erfahrung im Team der Oberländerinnen.

NHA: Ab in den Final?

Die Neuchâtel Hockey Academy hat klare Ambitionen und will sich für den Final qualifizieren. Die Neuenburgerinnen vertrauen auf ein harmonisch gewachsenes Team, das mit zwei neuen Kanadierinnen aus der nordamerikanischen NCAA verstärkt wird. Die beiden 22jährigen Coralie Larose und Shelby Wood haben die letzten vier Jahre im Frauen-team der Colgate University auf höchstem College-Niveau gespielt. Mit der 16jährigen U18-Nationalspielerin Jade Surdez (Kanada), der 21jährigen Walliserin Nicole Andenmatten (Finnland) und der 24jährigen Cassandra Rensch (Bomo) verlieren die Neuenburgerinnen etwas an Kaderbreite, die jedoch durch die eine oder andere Spielerin aus den beiden weiteren NHA-Teams aufgefangen werden kann.

Reinach: Voll im Umbruch

Und Reinach? Der letztjährige Tabellenletzte ist mitten in einem zukunftsgerichteten Umbruch, der (noch) mehr auf Talente aus der Region und vermehrt auf professionellere Strukturen (u.a. Trainertrio, Mentaltrainerin etc.) setzen will. Das Team hat wieder eine spielstarke Ausländerin verpflichtet (Viktoria Maskalova von Bomo) und stellt mit Nadine Hofstetter und Mary Frey nach wie vor zwei Nati-Spielerinnen. Ab Oktober wird auch die rekonvaleszente Oona Emmenegger (ihres Zeichens ehemalige U18-Nati-Spielerin) die Oberwynentalerinnen verstärken. Man setzt sich in Reinach zwar offiziell und bewusst das Ziel «Playoff», doch das junge Team, das unter anderem die Leistungsträgerinnen Julia und Stefanie Marty, Nicole Gubler und Andrea Fischer verloren hat, wird (vorerst) Lehrgeld bezahlen müssen. Der Meisterschafts-Auftakt ist den Aargauerinnen in Lugano (0:9-Niederlage) jedenfalls gründlich misslungen.

Die Transferübersicht der Women’s League-Clubs

Bomo Thun

Trainer: Thomas Zwahlen (SUI, neu)

Ausländerinnen: Betty Jouanny (FRA, neu), Jessica Ujcik (GER, bisher)

Zuzüge: Betty Jouanny (AIK Stockholm/SWE), Julia und Stefanie Marty (beide Reinach), Cassandra Rensch (Neuchâtel Hockey Academy), Alizée Aymon (Valais-Wallis Future), Alixane Berthod (Sierre/Team VS U17/Sierre Féminin), Amélie Walzer (SCB Future), Marina Zürcher (Brandis, B)

Abgänge: Saskia Maurer (St. Thomas University, USA), Margaux Favre (Kelowna Hockey Academy/CAN), Lena-Marie Lutz, Kamila Wieczorek (beide Thurgau Indien Ladies), Viktoria Maskalova (Reinach), Natascha Brunner, Emily Kristoffersen (beide Langenthal), Ines Mounir (Pause)

Lugano

Trainer: Benjamin Rogger (SUI, neu)

Ausländerinnen: Sidney Morin (USA, neu), Ronja Mogren (SWE, neu), Anneke Orlandini (ITA, bisher), Aurora Abatangelo (ITA, bisher), Greta Niccolai (ITA, bisher),

Zuzüge: Sidney Morin (HV71/SWE), Ronja Mogren (HV71/SWE), Tess Allemann (Langenthal, B), Sofia Decristophoris (Ambri U17Elit, B)

Abgänge: Michelle Karvinen (KRS Vanke Rays/ZHL), Noemi Ryhner (Lulea/SWE), Keely Moy (Harvard University/USA), Giulia Mazzocchi, Federica Galtieri (beide Rücktritt), Anita Muraro (Padova Waves, ITA), Franziska Stocker (Bolzano Eagles/ITA))

Neuchâtel Hockey Academy

Trainer: Yan Gigon (SUI, bisher) / Mike Gosselin (CAN, neu)

Ausländerinnen: Coralie Larose (CAN, neu), Shelby Wood (CAN, neu), Marie-Pierre Pélissou (FRA, bisher), Gwendoline Gendarme (FRA, bisher)

Zuzüge: Coralie Larose, Shelby Wood (beide Colgate University, USA), Ilana Leibundgut (Lyss), Ines Vuillemier (Brandis), Inès Berset (NHA/Zunzgen-Sissch)

Abgänge: Jade Surdez (Hockey Academy Kelowna, CAN), Nicole Andenmatten (Hämenlinna/FIN), Cassandra Rensch (Bomo Thun), Jasmine Fedulov (Lausanne), Iga Schramm (?)

Reinach

Trainer: Sean Huber (SUI, bisher), Urs Kleeb/Peter Küng (SUI, neu)

Ausländerinnen: Viktoria Maskalova (SVK, neu), Nadia Maier (ITA, bisher)

Zuzüge: Viktoria Maskalova (Bomo Thun), Mayla Uiker (Bassersdorf(EIE), Noemi Kurt, Aline Graf (beide Zunzgen-Sissach), Anna Näf, Julia Näf (beide Seetal)

Abgänge: Stephanie und Julia Marty (beide Bomo), Marie Nienaber (Sursee), Leine Nummi (Brandis), Nicole Gubler, Stefanie Steiner, Andrea Fischer (alle ?)

Thurgau Indien Ladies

Trainer: Matthias Rehmann (ITA, bisher) / Anja Stiefel (SUI, bisher)

Ausländerinnen: Kamila Wieczorek (POL, neu), Simona Studentova (CZE, bisher), Caroline Lambert (FRA, neu)

Zuzüge: Eva Maria Beiter-Schwärzler (zurück von Pause), Lena-Marie Lutz, Kamila Wieczorek (beide Bomo Thun), Vanessa Bolinger (Engiadina, B), Caroline Lambert (Wil, B), Lea Zogg (Bassersdorf/Winterthur), Leoni Balzer, Ivana Wey (beide Davos), Zoe Mächler (Winterthur), Emma-Maria Kohler (Rheintal U15)

Abgänge: Phoebe Staenz (Leksand/SWE), Sinja Leemann (ZSC Lions), Nicole Vallario (St Thomas University, USA), Janine Alder, Ramona Forrer (beide Rücktritt), Monja Wagner (Shattuck St. Mary/USA), Janna Haeg (USA), Nora Daneel (Hasle-Oren/NOR), Tanja Krause (Wil)

ZSC Lions

Trainer: Andrin Christen (SUI, bisher)

Ausländerinnen: Caroline Baldin (FRA, bisher), Tamara Grascher (AUT, bisher)

Zuzüge: Dominique Rüegg (Leksands, SWE), Sinja Leemann (Lakers U17Elit/Thurgau)

Abgänge: Anthea Lasis (?), Kristi Shashkina (Dynamo-Neva St. Petersburg/RUS), Isabel, Nina und Monika Waidacher, Laura Benz, Lara Zimmermann (alle Rücktritt), Anouck Besson (Pause)

Schweizerinnen im Ausland

Bisher

Lara Stalder: Brynäs (SWE, SDHL)

Alina Müller: Northeastern University (USA, NCAA)

Andrea Brändli: Ohio State University (USA, NCAA)

Rahel Enzler: University of Maine (USA, NCAA)

Shannon Sigrist: Linköping (SWE, SDHL)

Sarah Forster: AIK Stockholm (SWE, SDHL, bisher Leksands)

Anna Neuenschwander: Linköping (SWE, SDHL)

Sydney Berta: Carleton University (CAN), bisher John Abbott College (CAN)

Kaleigh Quennec: University of Montréal (CAN, CIS)

Chiara Pfosi: Aurora University (USA, NCAA III)

Neu

Noemi Ryhner: Lulea (SWE, SDHL), bisher Ladies Lugano

Phoebe Staenz: Leksands IF (SWE, SDHL), bisher Thurgau Indien Ladies

Saskia Maurer: St. Thomas University (USA, NCAA), bisher Bomo Thun/Dragon Thun

Nicole Vallario: St. Thomas University (USA, NCAA), Thurgau Indien Ladies

Jade Surdez: Hockey Academy Kelowna (CAN), bisher NHA/La Chaux-de-Fonds

Nicole Andenmatten: HPK Hämenlinna (FIN), bisher Neuchâtel Hockey Academy

Margaux Favre: Hockey Academy Kelowna (CAN), bisher Gottéron/Bomo Thun

Monja Wagner: Shattuck St. Mary (USA), bisher Thurgau Indien Ladies

Sinia Gubser: Ontario Hockey Academy (CAN), bisher Lady Lakers

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Berichte über die grösste Fraueneishockey-Organisation der Schweiz. Wir bringen euch die Spielerinnen und die Teams der Löwinnen näher.