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Spielertransfers zwischen den beiden Zürcher Clubs gab es schon immer. Die meisten gingen ohne grosse Töne über die Bühne. Andere bringen die Köpfe der Fans noch heute zum Rauchen. Ich stelle dir die wichtigsten Transfers der vergangenen zwei Jahrzehnte vor.

Von Andreas Reiner

Derbys zwischen dem EHC Kloten und den ZSC Lions sind in den letzten Jahren zur Normalität geworden. Die Transfers zwischen den beiden Clubs erhitzen jedoch nach wie vor die Gemüter der Anhänger beider Seiten. Nicht immer gingen die Clubwechsel ohne Nebengeräusche über die Bühne. Wer erinnert sich nicht an Roman Wick oder an Domenico Pittis, welcher über Nacht vom Flieger zum Löwen wurde?

Aber fangen wir doch in der Saison 94-95 an: Ein junger Marco Bayer wechselt von den Stadtzürchern nach Kloten und sichert sich damit automatisch einen Meistertitel. Ein Jahr später geht Martin Kout den umgekehrten Weg mit 3 Meistertiteln in der Tasche, beide Wechsel gingen relativ ruhig über die Bühne.

Patric Della Rossa war der nächste Meister, welcher im Jahr 97-98 zum ZSC wechselte. Am Ende seiner Karriere hatte er total 6 Meistertitel mit beiden Mannschaften errungen. In der Saison 08-09 wechselt er kurz vor Ablauf der regulären Saison noch einmal zu Kloten, allerdings nur für 7 Spiele. Kurz vor dem Jahrtausendwechsel kommt es dann gleich zu vier Transfers, teilweise noch während der laufenden Saison: Arne Ramholt und Didier Princi wechseln in den Schluefweg, während Rene Stüssi sowie Robin Bauer (Umweg über Bülach) ins Hallenstadion umziehen.

Tragische Helden

Es beginnt die Spielzeit 00-01, als Ronny Keller bei Kloten anheuert. Der Kanadier Andrew McKim, welcher eine Saison bei Kloten bestritten hatte, wechselt ebenfalls. Beide Spieler erlitten leider später Karriere-endende Verletzungen: Keller im Jahr 2013, als er von hinten in die Bande gestossen wird und eine Querschnittlähmung erleidet und McKim, gleich nach dem Wechsel zu Zürich, als auch er von hinten gecheckt wird und sich vom Aufprall auf dem Eis eine Hirnerschütterung zuzieht, von welcher er nicht mehr zurückkehrt.

Wir machen einen Sprung ins Jahr 2005, wo Arnes Bruder Tim Ramholt den gleichen Weg geht und bei Kloten unterschreibt. Nach mehreren Zwischenstationen ist Tim mittlerweile wieder bei Kloten gelandet. Einen gewichtigen Abgang musste im 2005 Kloten vermelden, als Severin Blindenbacher zum Rivalen wechselte. Blindenbacher hat bis heute 3 NLA-Titel sowie einen CHL-Titel errungen und wer weiss, ob diese Saison noch ein weiterer Titel dazukommt.

Domenico Pittis on the run

Saison 07-08: Domenico Pittis! Dieser Name geht den meisten Klotener Anhängern wahrscheinlich nur mit einem Zähneknirschen über die Lippen. Der Kanadier wechselte quasi über Nacht während der Saison zum ZSC. Pfeifkonzerte in seiner alten Heimat waren ihm fortan gewiss.

Cyrill Bühler räumte ein Jahr später ebenfalls seinen Spind im Schluefweg, jedoch war sein Transfer weit weniger sensationsbehaftet, handelte es sich doch um einen „termingerechten“ Wechsel. Im Jahr 2013 kehrte er zum Karriereende noch einmal zurück in seine alte Heimat.

Es gab aber auch Spieler, welche über (mehr oder weniger) kurze Umwege den Weg über die Thurgauerstrasse vom Hallenstadion in den Schluefweg und umgekehrt fanden. Dazu gehörten drei absolute Lieblinge der Fans: Michel „Susi“ Zeiter, welcher in Langnau einen Zwischenstopp einlegte, um danach mit den für ihn typisch weissen Schlittschuhen in Kloten seine Runden zu drehen. Heute trainiert er Klotens Partnerteam in Winterthur. Patrik Bärtschi, welcher in Bern einen längeren Aufenthalt hatte, bevor er mit den Lions zwei Titel errang. Leider musste er diese Woche seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden. Matthias Bieber, heute in Kloten eine feste Grösse, wurde dort zum Leistungsträger, als er auf die Saison 10-11 hin von den SCL Tigers wechselte.

Der Verteidiger Philippe Schelling, welcher zum Ende seiner Zeit in Kloten nicht mehr so beliebt war wie auch schon, wechselte 2011 von Zürich in die Flughafenstadt. Seit dieser Saison verteidigt er nun für Lausanne und hat bislang sogar vier Tore erzielt.

Ein weiterer Spieler, welcher sich mangelnder Aufmerksamkeit der gegnerischen Fans nicht entziehen kann, ist Roman Wick. Er tat es seinem Vater, Marcel Wick, gleich und nahm das 10er-Tram von Kloten nach Zürich. Kloten konnte oder wollte den hochdotierten Vertrag des Stürmers nach dem Beinahe-Kollaps des Clubs nicht mehr erfüllen. In den Augen des Klotener Anhangs ein unverständlicher Schritt, welcher einem Verrat nahe kam.

In den letzten paar Jahren gab es zwar immer wieder Wechsel, deren Auswirkungen hielten sich jedoch auf dem Eis wie auch auf den Stehplätzen beider Stadien im Rahmen. Xeno Büsser und Luca Boltshauser waren 2015 in Kloten empfangen worden, während Thomas Bäumle für 4 Spiele beim ZSC eingesetzt wurde.

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Luca Cunti kurz nach seinem Wechsel zum EHC Kloten (Photo: PHOTOPRESS / Patrik B. Kraemer)

Seit Anfang Januar spielt nun Luca Cunti beim EHC, wenn auch nur für den Rest der Saison. Alle warten gespannt, ob der Center im Derby vom 29. Januar doch gegen seine alten Club-Kameraden eingesetzt werden darf oder nicht. Auf den sozialen Medien konnte man Zweierlei lesen: Solche, welche froh waren, dass Cunti kein Löwe mehr ist („Cunti = Judas“), und auf der anderen Seite des emotionalen Spektrums die Glücksgefühle der Klotener Fans, ein solches „Juwel“ ergattert zu haben.

Melvin Nyffeler ist ein Stadtzürcher Eigengewächs und steht jetzt bei Kloten unter Vertrag, spielt aber als Leihgabe beim B-Ligisten Rapperswil. Bei Christian Marti verhält es sich umgekehrt; in Kloten geschult, spielt er heute im grossen Scheinwerferlicht des Hallenstadions.

Es gibt verschiedene Sichtweisen von Transfers, insbesondere zwischen den beiden Zürcher Clubs. Die eine ist: Mittlerweile ist Hockey „Daily Business“. Ein Geschäft, wo Emotionen für einen Spieler wenig Platz einnehmen. Er wechselt, um mehr Spielzeit zu erhalten, eine neue Herausforderung anzunehmen oder eben mehr Geld zu verdienen. Und es ist ja nicht so, dass die Spieler sich nicht mögen oder nicht kennen. Die Hockeywelt ist klein und ab Juniorenstufe begegnet man sich wohl fast öfter als dass man das eigene Grosi besucht.

Dann gibt es noch die Sicht der Fans: Früher (wir reden hier von den 80ern bis in die 90er Jahre hinein), als es in den Stadien regelmässig zu groben Raufereien unter rivalisierenden Fans kam, einfach weil man das Derby als willkommene Möglichkeit sah, wurde ein Wechsel zum Kantonsrivalen nicht goutiert. Doch Spieler wie Mathias Seger oder Denis Hollenstein, welche praktisch ihre ganze Karriere bei ein und demselben Club verbringen, sind selten geworden, werden aber von den Fans verehrt wie kaum jemand anderer.

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Ein Blog übers NLA Hockey in der Region Zürich (Kloten & ZSC) mit Spielberichten, Interviews, Portraits und dem gleichnamigen Puckyeah Podcast mit Gästen rund ums Hockey.

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