Das Ambrì-Fieber und seine Nebenwirkungen

Eigentlich hätte er erst auf die laufende Saison nach Ambrì kommen sollen, aber dann absolvierte er doch bereits über die Hälfte der vergangenen Spielzeit in der Valascia. Dies tat er dermassen gut, dass man im Sommer Angst haben musste, dass auch er von der NHL-Ausstiegsklausel Gebrauch machen wird. Dies tat Dominik Kubalik nicht und ist für den Klub ein Segen.

Spieler aus Tschechien bei Ambrì ist schon fast zu einer kleinen Tradition geworden. Der bekannteste war sicherlich Defensivgeneral Zdenek Kutlak. Er absolvierte insgesamt 308 Spiele für die Biancoblu und damit so viele wie kein anderer seiner bisher 16 Landsmänner, die das Trikot des HCAP getragen haben. Kutlak ging nach seinen sechs Saisons in der Leventina für 17 Spiele nach Davos und spielt noch heute mit bald 39 Jahren in der zweiten tschechischen Liga. Dominik Kubalik steht bei momentan 44 Spielen für den HC Ambrì-Piotta. Dass er die Marke von Kutlak erreichen wird, ist eigentlich undenkbar.

Der 7. Runden-Draft der Los Angeles Kings ist schlicht zu gut für die National League bzw. für den Verein und scheint zu höherem, sprich NHL, bestimmt zu sein. Eigentlich dachte man, dass am ehesten er diesen Sommer in die NHL abwandern könnte. Schlussendlich war es aber Michael Fora und nicht Dominik Kubalik. In der Rangliste der Dienstältesten Ambrì-Tschechen steht er momentan auf Rang 7, dürfte aber in wenigen Tagen auf fünf stehen. In diesen 44 Spielen hat er pro Spiel genau einen Punkt erzielt. Angesichts der doch nicht ganz einfachen Situation Ambrìs ist diese Quote bemerkenswert. Von den Tschechen hat dies nur Josef Cvach in den 70ern übertroffen.

Die Verpflichtung von Kubalik scheint mehr denn je ein veritabler Coup gewesen zu sein. Meiner Meinung nach ist er der beste ausländische Spieler bei Ambrì seit Maxim Noreau, wenn nicht sogar seit Erik Westrum. Auf jeden Fall ist er der beste Stürmer beim HCAP seit dem Engagement des US-Amerikaners. Nach neun Spielen in dieser Saison hat Kubalik bereits sechs Tore und vier Assists erzielt. Beim Sieg in der zweiten Runde in Davos war er mit drei Punkten der blauweisse Matchwinner. Gleiches galt für das Heimspiel gegen den HCD am 12. Oktober.

In der Skorerliste liegt er nur drei Punkte hinter Ligatopskorer Andrew Ebbett vom SC Bern zurück. Auf den ersten Blick erscheint dies viel. Aber bei Ambrì hat auch Zwerger acht Punkte und Guerra und D’Agostini haben deren sieben. Bei Bern und Davos (mit Topscorer Inti Pestoni) haben sich die besten Skorer deutlich von ihren Teamkollegen abgesetzt. Nichtsdestotrotz ist Kubalik Dreh- und Angelpunkt der Ambrì-Offensive. Wenn er in aussichtsreicher Situation die Scheibe bekommt, scheint ihn ein Hauch von Weltklasse und eine spezielle Aura zu umgeben, vor der auch Gegenspieler beginnen zurückzuschrecken. Niemand in der ganzen Liga schiesst so viel auf das gegnerische Tor wie Kubalik. Mit fast 4.7 Schüssen pro Spiel liegt er weit vor den Bernern Arcobello und Ebbett. Die Effizienz von 15% ist sehr gut, kommt damit aber klar nicht an einen Toni Rajala oder Inti Pestoni heran.

Dominik Kubalik ist aktueller Topscorer seines Teams.
PHOTOPRESS / Gabriele Putzu

Wie weiter?

Kubaliks Vertrag läuft noch bis Ende der nächsten Saison oder besser gesagt «würde» laufen. Eigentlich kann man sich nur schwer vorstellen, dass er den Vertrag erfüllen wird, geschweige denn verlängert. Es ist davon auszugehen, dass er es von Ambri direkt in der NHL versucht und keinen «Umweg» über einen grösseren Schweizer-Klub nimmt. Fakt ist, dass er von den Los Angeles Kings in der siebten Runde gedraftet wurde. Im Oktober 2017 haben die Kings ihm ein Angebot unterbreitet, aber Kubalik entschied sich vorerst in Ambrì zu spielen.

Seine Beweggründe lassen hoffen, dass er noch ein paar Spiele in der Valascia macht: «Für mich kommt ein Wechsel in die NHL zurzeit nicht in Frage. Ich werde den Vertrag mit Ambrì erfüllen», sagte Kubalik vor ziemlich genau einem Jahr gegenüber einem tschechischen Sportmagazin. Ist dem noch immer so, darf man in der Leventina aufatmen und der junge Tscheche gehört zur seltenen Art Spieler, die der Versuchung NHL widerstehen können und nicht gleich alles stehen und liegen lassen. Genügend vielversprechende Karrieren sind aus diesem Grund zerbrochen. Dies scheint bei Kubalik bisher nicht der Fall zu sein. Erst vergangenen Freitag gegen Davos hat er mit einer Gala gezeigt, welche Leaderfigur und welch Ausnahmekönner er ist. Es ist erstaunlich welche Rolle er in seinem jungen Alter einnehmen kann. Er ist sich nicht zu schade auch defensiv hart zu arbeiten. Man darf in Ambrì schon jetzt stolz auf den nächsten NHL-Export sein, denn das wird Kubalik zweifellos werden. Daran scheint kein Weg vorbeizuführen.

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