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An Weihnachten führt der EV Zug die Tabelle mit 55 Punkten aus 27 Partien souverän an. Dies, obwohl sich die Mannschaft an ein komplett neues System gewöhnen musste. Vier Faktoren mögen den Sturm an die Spitze erklären.{sitelinkxoff}

{sitelinkxoff}Wie in den vergangenen Saisons bestreiten die Zuger eine resultatmässig weitgehend sorgenfreie Qualifikation und halten sich konstant in der Spitzengruppe auf. Angesichts der Qualität im Kader mag es nicht überraschen, dass die Kolinstädter heuer von der Tabellenspitze grüssen. Dennoch erstaunt es, wie schnell das Team auf den radikalen Kurswechsel unter dem neuen, von Dan Tangnes angeführten Coaching Staff angesprochen hat und sich trotz eines nahezu ständig dezimierten Bestandes an Importspielern erfolgreich behaupten konnte.

Das System entspricht den Stärken der Spieler

Entscheidend für das relativ schnelle und erfolgreiche Umsetzen der Systemvorgaben Tangnes’ ist die Tatsache, dass sie dem Profil der Mannschaft entsprechen. Die Kolinstädter verfügen über eine schnelle Equipe mit Zug auf das gegnerische Tor, die fähig ist, der Mehrheit der Gegner ihr Spiel aufzuzwingen. Dank einem aggressiven Forechecking, schnellen Umschalten und kompakten Auftreten des ganzen Blocks, verbringen die Zuger viel Zeit in der gegnerischen Zone. In der Konsequenz zeichneten sich die Zuger zuletzt durch eindrückliche Statistiken bei den Schussanteilen aus. So weisen sie seit der Nationalmannschaftspause im November einen CorsiFor-Anteil (Anteil der Schussversuche im Verhältnis zu den Schussversuchen des gegnerischen Teams) von beinahe 60 Prozent auf. Dies indiziert, dass der Erfolg nicht auf Zufall, sondern einer zunehmend dominanten Spielweise basiert – und somit langfristig tendenziell andauern sollte.

Der EV Zug hat Grund zum jubeln.
PHOTOPRESS / Alexandra Wey

Eine besondere Bedeutung kommt den Verteidigern zu, die mehr Raum zur Entfaltung erhalten und sich in der gegnerischen Zone deutlich aktiver bewegen als unter Vorgänger Harold Kreis, wo sie in der Regel die Stellung an der blauen Linie halten und auf eine Abschlussgelegenheit warten mussten. Die Haltung von Tangnes, wonach «modernes Hockey ein Fünf-Mann-Spiel» sei, bei dem alle Spieler gemeinsam angreifen und verteidigen sollen, kommt technisch beschlagenen Bluelinern wie Raphael Diaz, Santeri Alatalo, Dominik Schlumpf, Miro Zryd oder Livio Stadler entgegen. So überrascht es nicht, dass die Zuger Verteidiger bereits 17 Treffer erzielt haben – nur jene Biels toppen diesen Wert um eine Ziffer. Mit sechs, respektive vier Treffern bei numerischem Gleichstand klassieren sich Diaz und Alatalo hinter Biels Anssi Salmela an zweiter beziehungsweise dritter Stelle unter allen Defensivakteuren. Mit neun Assists bei numerischem Gleichstand liegt Zryd nur hinter Romain Loeffel und Jonas Junland. Stadler klassiert sich in dieser Statistik mit sechs Assists (davon vier erste Assists) ebenfalls in den Top 15.

Grosse individuelle Fortschritte

Damit ein Spielkonzept funktioniert, braucht ein Coach nicht nur ein kohärentes und überzeugendes System und die dazu passenden Spielertypen (respektive die Fähigkeit, seine Ideen an die gegebenen Voraussetzungen und die Fähigkeiten des Personals anzupassen), sondern ebenso die Kompetenzen, seine Spieler für seine Ideen zu gewinnen. Der Ruf eines hervorragenden Kommunikators eilt Tangnes seit längerem voraus. Im Umgang mit den Spielern scheint er bisher den richtigen Ton gefunden zu haben. Charakteristisch ist, dass er nicht nur das Team als Ganzes, sondern diverse Spieler individuell weiterbringen konnte.

Grosse Fortschritte lassen sich nicht nur bei den Jungen wie Stadler oder Yannick Zehnder beobachten, sondern auch bei langjährigen Stammspielern. So tritt Sven Senteler momentan mit dem Selbstvertrauen eines Topscorers auf und trifft beinahe nach Belieben – mit acht Treffern bei numerischem Gleichstand klassiert er sich ligaweit in den Top Ten. Santeri Alatalo hat sich zu einem zuverlässigen, beinahe fehlerfrei agierenden Verteidiger entwickelt, der das Spiel in allen drei Zonen prägen kann. Als Belohnung erhält er von allen NL-Spielern mit Schweizer Lizenz am meisten Eiszeit pro Partie.

Ein sicherer Wert in der Zuger Abwehr: Santeri Alatalo (links).
PHOTOPRESS / Jürgen Staiger

Der Coach schöpft die Kaderbreite aus

Anders als in den vergangenen Saisons üblich, wird heuer kein Zuger um den Topscorer-Titel mitspielen. Dies hängt mit dem Verletzungspech der Söldner zusammen – das designierte Stammquartett bestehend aus David McIntyre, Garrett Roe, Carl Klingberg und Viktor Stålberg respektive dessen Nachfolger Dennis Everberg, hat insgesamt nur zwei Drittel aller möglichen Einsätze bestritten. Es mag jedoch zusätzlich zur Illustration dienen, dass die Zuger Mannschaft in der Breite qualitativ so gut wie selten bestückt ist und ihr Schicksal nicht mehr von den genialen Einfällen eines einzelnen Ausnahmespielers abhängt. Die gewichtigen und langwierigen Ausfälle konnte das Team ohne Baisse – im Gegensatz zum Herbst 2017, als das Team in der Meisterschaft sieben Mal de suite verloren hatte – überstehen, weil der Coaching Staff allen Spielern Vertrauen schenkt und die Eiszeit geschickt aufteilt. Hinzu kommt, dass verschiedene Akteure angedeutet haben, dass sie mehr Verantwortung übernehmen können, wie Klingberg, Senteler, Zehnder und Ersatzgoalie Sandro Aeschlimann, der bereits sechs Mal den in der Regel geschonten Tobias Stephan vertreten durfte – und stets gewonnen hat.

Besonders positiv stimmen mögen die Resultate nicht nur aufgrund der Ausfälle, sondern auch angesichts der Tatsache, dass verschiedene Spieler ihr Potential noch nicht restlos ausgeschöpft haben und sich in der zweiten Saisonhälfte steigern dürften. So hat Everberg mit seiner physischen Präsenz zwar das Powerplay sofort dynamisiert, doch fehlt ihm bei numerischem Gleichstand noch das Glück. Dominic Lammer sowie die Neuzugänge Yannick-Lennart Albrecht und Dario Simion tragen mit ihrem energischen Einsatz dazu bei, dass die Zuger mit vier Linien Druck machen und so den meisten Gegnern schliesslich überlegen sind. Produktionsmässig besteht allerdings bei allen drei viel Steigerungspotential – ein Indiz, dass Tangnes bei der Alchemie der Linienzusammenstellung noch einige Arbeit bevorsteht.

Unberechenbares Powerplay

Ein Vorgeschmack, wozu ein EVZ in Vollbestand fähig ist, hat in den letzten Partien das Powerplay geliefert. In den vergangenen neun Meisterschaftspartien haben die Zuger 13 ihrer bisher 19 Powerplay-Treffer erzielt – an neun davon war Everberg direkt beteiligt. Auch dem Powerplay hat Coach Tangnes seinen Stempel aufgedrückt. In der Regel agieren die Zuger neu mit einem 1-3-1 System, was gemäss dem Norweger mehr Optionen eröffnet. «So sind wir nicht zu einfach zu scouten. Die grösste Herausforderung besteht darin, die richtige Mentalität zu finden, wenn wir angreifen, den Abschluss suchen oder uns bewegen, um den Puck schnell genug zurückzugewinnen. Wenn wir dies tun, ergeben sich die Möglichkeiten für schöne Spielzüge und Tore, weil die Gegner unorganisiert sind. Diese richtige Mentalität zu finden ist weiterhin eine Herausforderung.»

Bei personellem Vollbestand werden McIntyre und Roe auf der rechten Aussenseite ("Half Wall") sowie Klingberg (vor seiner Verletzung) und Everberg als Screens vor dem gegnerischen Tor auf die beiden Formationen aufgeteilt. Martschini (linke Half Wall) und Diaz auf der blauen Linie („Point“) spielen momentan ebenfalls nicht in derselben Formation, sodass der EVZ jeweils mit zwei gleichwertigen Units antreten und den Gegner im Idealfall unter permanenten Druck setzen kann – wie in den letzten Wochen immer öfters angedeutet wurde.

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