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Der EVZ hat einmal mehr eine sorgenfreie Qualifikation absolviert, die er zum dritten Mal in Folge auf dem zweiten Platz beendet. Dennoch entfachte die Mannschaft nicht unbedingt Begeisterung.

Jan Kovar und Grégory Hofmann sorgten regelmässig für offensive Glanzlichter.
PHOTOPRESS / Anthony Anex

Insgesamt sicherten sich die Kolinstädter heuer zum zehnten Mal in den letzten elf Saisons das Heimrecht für den Playoff-Viertelfinal. Diese Tatsache wird kaum einen Zuger Fan in Ekstase versetzen, doch ist eine solche Konstanz nicht selbstverständlich, wie (nicht nur) das Scheitern des entthronten Meisters aus der Hauptstadt erneut bewiesen hat. Dennoch – und trotz des zufriedenstellenden Tabellenplatzes – hat der EVZ in der laufenden Spielzeit bisher einen durchzogenen Eindruck hinterlassen und ist den (zu hohen?) Erwartungen zu selten gerecht geworden.

Auf dem Papier vs. auf dem Eis

Zwei gleichermassen banale wie wichtige Zahlen mögen diesen Eindruck untermauern. In den letzten elf Saisons hat der EVZ die Qualifikation nur zweimal mit weniger Punkten abgeschlossen. Und nur einmal seit Aufstockung der Qualifikation von 44 auf 50 Partien 2007 – in der desaströsen Kampagne 2013/14 – hat der EVZ weniger Treffer erzielt. Dies erstaunt umso mehr, als dass sich die Zuger im Vergleich zur überzeugenden Vorsaison – auf dem Papier – hochkarätig verstärkt haben und heuer von vergleichsweise geringen Verletzungssorgen geplagt wurden – im Gegensatz zur Vorsaison. Dann wiederum erinnert uns gerade dieses scheinbare Paradox daran, dass Eishockeyspiele nicht auf dem Papier entschieden werden und die Verpflichtung von zwei der besten Einzelspielern der Liga nicht automatisch dazu führt, dass die Mannschaft als Ganze besser wird.

Fehlen die Reisser?

Für die durchzogene Qualifikation gibt es hauptsächlich drei Gründe. Erstens konnte der EVZ über keine längere Phase der Qualifikation sein dominantes Spiel in allen drei Zonen durchziehen. Zu Beginn der Saison leistete er sich defensiv zu viele Aussetzer, seit dem Jahreswechsel bekundet das Team vermehrt Mühe, Tore zu erzielen. Stellvertretend dafür stehen die Leistungskurven der bereits erwähnten Top-Transfers. Nach Anfangsschwierigkeiten steigerte sich Leonardo Genoni in den letzten Monaten zum erwartet starken Rückhalt, während Grégory Hofmanns Produktion nach einem fulminanten Start im Dezember und Januar ins Stocken geriet und vom Zürcher Ligatopscorer Pius Suter in den Schatten gestellt wurde.

Zweitens wirkten sich die prominenten Neuverpflichtungen wohl gravierender auf das Teamgefüge und die bisherigen Spieler aus als zunächst vermutet. Sicherlich bekundete das Team zu Beginn der Saison Mühe, mit den gestiegenen Erwartungen umzugehen. Hatten einzelne Spieler auch danach Schwierigkeiten, ihre (neue?) Rolle im Team zu finden? Fielen diesbezüglich der Abgang eines Reto Suri und der vorzeitige verletzungsbedingte Ausfall von Fabian Schnyder stärker ins Gewicht, als angenommen? Oder fehlen ohne diese beiden – und Dennis Everberg sowie Garrett Roe – zu viele Spielertypen, die mit ihrer Unerschrockenheit, ihrem Kampfgeist und Zug auf das gegnerische Tor ihre Teamkollegen mitreissen können?

Drittens gelang es Coach Dan Tangnes bisher nicht, eine (nominell) zweite und dritte Linie zu bilden, in denen die einzelnen Spieler ihr Potential möglichst optimal ausschöpfen können.

Erik Thorell konnte sich noch nicht wunschgemäss in Szene setzen.
PHOTOPRESS / Patrick B. Kraemer

Kaum individuelle Bestmarken

Die letzteren beiden Gründe führten dazu, dass – abgesehen von einigen jüngeren Spielern wie Luca Hollenstein und Livio Langenegger – kaum ein Spieler grosse, sichtbare Fortschritte erzielen konnte. Einige Beispiele mögen dies illustrieren:

  • Lino Martschinis zehn Treffer stellen die tiefste Ausbeute seiner Profikarriere dar.
  • Santeri Alatalo und Dominik Schlumpf bekundeten Mühe, ihr Niveau aus der Vorsaison abzurufen.
  • Jérôme Bachofner erzielte vier Treffer – und keinen einzigen Assist.
  • Sven Senteler und Dario Simion blieben den Nachweis schuldig, dass sie eine starke dritte Linie bilden oder eine der ersten beiden aufwerten können.
  • Miro Zryd und Thomas Thiry stagnierten bestenfalls.
  • Oscar Lindberg und Erik Thorell konnten ihren Vorschusslorbeeren nur teilweise gerecht werden.
  • Und ja, auch Hofmanns Torausbeute ist verhältnismässig enttäuschend – gerade bei numerischem Gleichstand. Erzielte er bei 5-5 in der Vorsaison 24 Treffer, waren es heuer «nur» 13, obwohl er mit Jan Kovar einen genialen Spielmacher neben sich wusste.

Zu jedem dieser Beispiele mag es unterschiedliche Erklärungsansätze geben. Wie die ungewohnt tiefe Schusseffizienz von Martschini (7.69 Prozent). Oder die längeren Verletzungspausen von Bachofner und Senteler. Bei letzteren beiden – ebenso bei Alatalo – erscheint auch die Frage berechtigt, ob die Exploits der Vorsaison einmalige Ausreisser nach oben dargestellt haben. Fakt ist: (Zu) viele Spieler konnten ihr Potential in dieser Spielzeit (noch) nicht abrufen. Diese Entwicklung muss dem Coaching Staff zu denken geben – gerade auch, weil Dan Tangnes seit seiner Vorstellung in Zug zu recht und unermüdlich betont, dass ein zentraler Aspekt seiner Arbeit darin bestünde, jeden einzelnen Spieler besser zu machen.

Brachliegendes Potential für den Härtetest

Allerdings: Ein Team, das trotz derart viel brachliegendem Potential die Qualifikation auf dem zweiten Platz abschliesst, darf voller Zuversicht in die Playoffs starten. Wie in der Vorsaison, als der EVZ nach einem lahmen Abschluss der Qualifikation in der ersten Runde sofort Betriebstemperatur erreichte und einen formstarken Gegner souverän in die Schranken wies, ist den Zugern gegen Gottéron heuer Ähnliches zuzutrauen. Falls die Mannschaft nun zu einem Steigerungslauf ansetzt, wird niemand der Qualifikation nachtrauern – im Gegenteil. Schliesslich folgt der echte Test für diese Mannschaft, deren Erfolg nun erstmals in diesem Jahrhundert ultimativ am Abschneiden in den Playoffs gemessen wird, erst in den nächsten Wochen.

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