NHL Observer

Nashville ist eine „Playoffville“. Dies, weil über Jahre mit den Fans und der Community der Zusammenhalt und eine Identifikation gefördert und gepflegt wurde. In der Music City ist der Eintritt zu einem „Preds“ Matchbesuch seit Jahren das „hottest ticket in town“. Mit verantwortlich ist natürlich auch die sportliche Kontinuität und somit das prägende fast jährliche Playoff-Gemeinschaftserlebnis mit einem starken identifizierenden Charakter.

Nashville/Tennessee wird von den einen liebevoll, von anderen mit Respekt „Smashville“ genannt. Das ist erstaunlich, denn im Bundesstaat Tennessee gehört – wie in den meisten Südstaaten der USA – der Eishockeysport nicht zu den populärsten Sportarten. Seit über einem Jahrzehnt jedoch, haben die Nashville Predators in der Gunst der Sportfans so stark zugelegt, dass die Stadt unter Sportbegeisterten vor allem als „Hockeyville“ wahrgenommen wird. Besonders Roman Josi, aber auch Yannick Weber und Kevin Fiala (bis zum Frühjahr 2019 noch in Diensten der „Preds“, jetzt in Minnesota) waren aktive Zeitzeugen dieser Entwicklung.

Wichtig für diese Erfolgsgeschichte waren die Playoff-Teilnahmen. Damit einher geht das jeweils verstärkte, emotional aufgeheizte Fan- und Gemeinschaftserlebnis. Dieses ist ungleich stärker im Vergleich zu einem „normalen Regular Season Spiel“. In vielen „Bucket Lists“ (Sachen, die man erleben muss bevor man stirbt) von Sportfans in der Eishockey Community steht: Unbedingt ein Playoffspiel in Nashville erleben! Bald war der Mythos „Smashville“ geboren: Denn die Spielweise ist geprägt von einer aggressiven Offensivspielweise. Ausserdem sind die Preds-Fans bekannt dafür zu sorgen, dass in der Bridgestone Arena ein sehr hoher Lärmpegel herrscht und in den Playoffs der Heimvorteil wirklich ein Faktor ist. Als erstes NHL-Team seit 20 Jahren gewannen die Predators zehn Heimspiele hintereinander in den Playoffs (saisonübergreifend von 2016 auf 2017). «Smashville» – ein Wortspiel aus Nashville und dem Verb «to smash» (zerschmettern) – lebt. Und das beginnt jeweils schon Stunden vor dem Spiel. Fanforscher/innen bestätigen, dass eine Etablierung eines Mythos’ und einer Identifikation mit einem Sportteam besonders gut gelingt, wenn die starken Emotionen im Gemeinschaftserlebnis entstehen. Und dies kann eben nur mit regelmässigen Playoff-Teilnahmen stattfinden. Seit 2003/04 konnte man sich nach einer Anlaufzeit von fünf Jahren ab dem NHL-Beitritt 1998 stolze elf Mal für die Playoffs qualifizieren und war nur bei drei Gelegenheiten nicht dabei. Roman Josi erlebt übrigens seine sechsten Playoffs in „Smashville“.

Die Preds-Fans sorgen in der Bridgestone Arena für Stimmung.
Sportsnet

Nashville - ein Paradebeispiel

Das Phänomen „Smashville“ ist vorbildlich für alle NHL-Clubs, die es in ihrem Einzugsgebiet noch nicht so weit gebracht haben mit der Popularität. Einst galt das NFL Team, die „Titans“, als unangefochtener Publikumsliebling der Sportfans in der Region Nashville. Doch seit der Erfolg der Tennessee Titans nachliess und die Nashville Predators – begleitend mit den sportlichen Achtungserfolgen - immer mehr zum „Kult“ avancierten, ist das begehrteste „Ticket in Town“ für einen Sportanlass jenes für die Bridgestone Arena und nicht mehr dasjenige für das Titans Football Team im Nissan Stadium. Die „Preds“ haben aber auch bezüglich Fan- und Community-Arbeit sowie Public Relations ganze Arbeit geleistet: Im Gegensatz zu anderen Expansionsteams, die auch schon in den Finals standen wie Carolina beispielsweise, hat man in der Fan-Community in Tennessee eine starke Bindung erreicht, die über die Fangemeinde hinaus geht. Die Identifikation mit den „Preds“ ist seit Jahren sehr stark. Bei NHL-Interessierten, bei Fans aber auch eben bei der Restbevölkerung. Das hat sowohl mit dem begeisternden Hockey wie auch mit den Persönlichkeiten im Team zu tun hat. Kein Wunder also, bezeichnet man den Tausch des extrovertierten P.K. Subban für Shea Weber als Erfolg. Subban erwirkte mit seiner Präsenz eine Öffnung für neue Zielgruppen und generiert Aufmerksamkeit für die „Preds“.

Das „Intro“ vor dem Spiel während dem Stanley Cup Final 2017.
Kevin Crozier

Die San Jose Sharks haben es vorgemacht

Vor den Predators haben die San Jose Sharks im Silicon Valley ein Vakuum gefüllt. Sie mussten kein anderes Sportteam in der Gunst der Fans verdrängen. Die San Jose Sharks sind definitiv die beliebteste Sportmannschaft in der Region. Mal abgesehen von den populärsten Sportteams in der nahen Region San Francisco (Golden State Warriors, S.F. 49ers, Oakland Athletics, San F. Giants und andere) beheimatet San Jose nämlich nur noch ein Major Sports Profi-Team: Die Earthquakes (Major League Soccer). Da aber die Sharks sich seit vielen Jahren kontinuierlich als Spitzenteam in der NHL etabliert haben, sind die Tickets für den Eintritt in den „Shark Tank“ die am heissesten begehrten.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch beim Slapshot sowie beim Top Hockey und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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