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Der Erfolg der Raptors als neue NBA Champions ist Balsam auf die Kanadische Volksseele. Seit 1993 haben in Kanada beheimatete NHL Clubs keinen Stanley Cup mehr errungen, was im Eishockey-Heimatland Jahr für Jahr für Unmut sorgt. Nun hat immerhin das einzige Kanadische NBA-Team die US-Mannschaften in die Schranken gewiesen.

Seit 1993 haben zweimal die Vancouver Canucks und je einmal die Edmonton Oilers, die Calgary Flames und die Ottawa Senators denkbar knapp den Stanley Cup-Erfolg verpasst. In den Semifinals stiessen unter anderem die Toronto Maple Leafs und Montreal Canadiens vor und galten als Aspiranten auf den Pokal. Dennoch gab es seit dem legendären Meisterumzug 1993 in Montreal keine Stanley Cup-Festivitäten in einer Kanadischen Stadt.

21 Kanadier im Team der Blues

Was die Kanadier, immerhin seitdem mehrfache Weltmeister, Olympiasieger und World Cup-Champions, aber auch ärgert: Fast jedes Jahr stellen Spieler aus Kanada die Playoff-MVPs oder die wichtigsten Leistungsträger in den erfolgreichen Teams. In diesem Jahr besonders auffällig: Bei den Stanley Cup-Finalisten standen überdimensional viele Kanadier im Einsatz. Jedoch nur vier bei den Bruins (Danton Heinen und Jake DeBrusk, aber vor allem Brad Marchand und Patrice Bergeron). Dafür aber besonders viele – nämlich deren 21 – bei den St. Louis Blues. Das ist ein „Bestwert“ in der ganzen Liga (Montreal hat 16, Vancouver 15 und Toronto 13 Kanadier im Kader). So war es nicht verwunderlich, dass in fast ganz Kanada die Herzen für den „Aussenseiter“ aus St.Louis schlugen. Natürlich spielte für die Fans der Toronto Maple Leafs und der Canadiens de Montréal auch die erbitterte Rivalität mit den ungeliebten Bruins eine Rolle.

Emotionale „Kanadische Geschichten“

Die Blues haben auf jeden Fall die kanadische Eishockeygemeinde auf ihrer Seite gehabt. Mit vielen kleinen Nebengeschichten, wie jene von Jaden Schwartz, einer von den auffällig vielen „Saska-Boys“ (Provinz Saskatchewan) im Blues-Team: Er hielt das Andenken an seine 2011 an Leukämie verstorbene Schwester Mandi (23) hoch und trägt die Nummer 17 mit Stolz. Diese trug auch Mandi Schwartz. Sie war auch erfolgreich als Eishockeyspielerin in Yale. Sie hat nie ein NHL-Spiel ihres kleinen Bruders gesehen, aber Jaden weiss, „dass sie von irgendwo mitgefiebert hat und stolz auf ihn sein wird“, wie er formulierte.

Natürlich ist die Tatsache, dass von 30 Kaderspielern der St. Louis Blues deren 21 aus Kanada stammen und auch die meisten im Trainerstaff – inklusive Chefcoach Craig Berube – aus dem „True North“ kommen, ein Aspekt für die klare Pro-Blues Sympathiebekundung der Kanadier. Dass Jaden Schwartz, Jordan Binnington, Jay Bouwmeester, Vince Dunn, David Perron, Alex Pietrangelo, Colton Parayko, Braden Schenn, Ryan O’Reilly und viele mehr den Teamleadern gehören ist ein Trost und immerhin darf man dies stolz verkünden. Wichtig für die Identifikation mit der Mannschaft war auch, dass diese 21 Kanadier aus fast allen Provinzen stammen.

Kanada im Siegestaumel

In starker Konkurrenz mit den NHL Playoffs standen diesmal in Kanada die NBA Playoffs. Das Toronto Raptors-Fieber erfasste das ganze Land. Nicht nur in Toronto wurden so genannte „Jurassic Parks“ (Fanmeilen für Raptors Fans) installiert. Die TV-Quoten und die Absatzzahlen bei der Wertschöpfungskette rund um die Raptors schnellten in ungeahnte Höhen. Ein ganzes Land fieberte mit – und zwar nicht nur aufgrund dessen, dass Toronto das einzige NBA Team aus Kanada ist. Es sollte eine heimliche Befriedigung werden, die US-Amerikaner in einer „ihrer Kernsportarten“ zu schlagen. So wie einst die Toronto Blue Jays es als einziges Kanadisches MLB Team in „America’s Pastime“ Nummer Eins, dem Baseball, schafften.

Kanada feiert den Sieg der Toronto Raptors
CBC News

Toronto und somit auch Kanada sind insofern auch stolz auf den Titelgewinn, weil der Basketballsport in der weltweiten Beachtung natürlich mehr Reichweite besitzt als das Eishockey, welches in bedeutend weniger Ländern eine der populären Sportarten ist. Auch wenn die Expansion der NHL-Popularität und die Beliebtheit von Eishockey weltweit stark gestiegen ist. So gilt die NBA nach wie vor – zusammen mit der NFL und die Fussball-Liga Premier League sowie die Turniere der FIFA und UEFA und die Olympischen Spiele - als das am besten vermarktete Produkt der Sportwelt.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch beim Slapshot sowie beim Top Hockey und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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