NHL Observer

Wie üblich in den NHL Playoffs werden (in sportlicher Hinsicht) Helden geboren und designierte Superstars erfüllen die Erwartungen nicht.

In der ersten Playoffrunde 2021 haben uns einige begeistern können, wie beispielsweise die Verteidiger Devon Toews (Colorado) und Scott Mayfield (New York Islanders) oder auch Brett Pesce (Carolina). Wir haben eine kleine Auswahl der aus unserer Sicht auffälligsten Playoffüberraschungen und -enttäuschungen 2021 zusammengestellt. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit natürlich.

Die Überraschungen:

Einige Superstars haben die Leistungen abgerufen, die man von ihnen erwarten durfte: Carey Price (Montreal) oder Nikita Kucherov (Tampa) und Anthony Beauvilier (NY Islanders) zum Beispiel. Und nicht hoch genug kann man die Effizienz eines Phillip Danault als Defensivcenter werten, der schon jahrelang die besten gegnerischen Mittelstürmer neutralisiert. Diesmal musste Auston Matthews „daran glauben“. Andere, wie die Toronto-“Oldies“ Jason Spezza und Joe Thornton konnten ihren Wert für das Team untermauern, während William Nylander sich als effizienter Skorer auszeichnete, was jedoch das Erstrunden-Aus der Maple Leafs nicht verhindern konnte. Seit 1967 rennen die Leafs einem Stanley Cup-Sieg hinterher und seit 2014 gewannen sie keine einzige Playoffrunde (!). Aber wer hat uns besonders überrascht?

1. Nick Suzuki und Cole Caufield (Montreal):

Es war wie eine frische Brise in Montreals zuweilen unproduktiver Offensive, als man endlich diese beiden hochtalentierten Spieler in einem Sturmtrio vereinte (Suzuki als spielstarker Center, Caufield als Shooter) und sie von der Leine liess. Sie haben nicht nur entscheidende Tore beigesteuert, sondern mit ihrer Begeisterung das ganze Team mitgerissen und die Fans begeistert.

2. Connor Hellebuyck und Nikolai Ehlers (Winnipeg):

Man kann es nicht von der Hand weisen: Connor Hellebuyck hat das Goalieduell gegen seinen Oilers-Kontrahenten eindeutig für sich entschieden und war der Star beim 4:0 Sweep seiner Jets. Und das nicht nur aufgrund der Stats (1,6 GAA, 95% SP), sondern auch aufgrund der Körpersprache. Und Nikolai Ehlers glänzte nicht nur als Schütze und Aggressivleader, sondern unterstrich seinen Wert auch in taktischer Hinsicht. Er fehlte dem Team sehr während seiner Verletzungspause.

3. Jordan Staal (Carolina)

Sebastian Aho war einer der wichtigsten Playoff-Akteure bisher bei den Hurricanes – aber einer übertraf bezüglich Effizienz alle anderen: Jordan Staal. Der Playoff-Veteran war nicht nur als Defensivcenter perfekt, sondern auch als regelmässiger Secondary Skorer. So stellt man sich einen Playoffspieler vor. Jordan Staal ist genauso gut wie einst bei den Pittsburgh Penguins.

Die Enttäuschungen:

Bis Spiel 5 der Serie Toronto gegen Montreal hatten wir Jeff Petry und Shea Weber (beide Montreal) auf der Liste der Enttäuschungen. Denn eigentlich galten die Verteidiger der Habs als die mitunter offensiv effizientesten der Liga. Nur haben Shea Weber und Jeff Petry in den Playoffs (und bereits in den Wochen zuvor) einen „komischen Rekord“ aufgestellt: in keinem der Playoffteams 2021 verzeichneten die Verteidiger vor Spiel 6 null Skorerpunkte. Besonders schwach: Die Powerplayeffizienz der ehemals so hochgelobten Blueliner Petry und Weber. Mit ihren Parforce-Leistungen in den Partien fünf, sechs und sieben haben sich die beiden Starverteidiger mehr als rehabilitiert. Nach einer disziplinarischen und verletzungsbedingten Absenz muss man auch Evgeni Kuznetsov zu den Playoff-Enttäuschungen 2021 zählen. Unsere Auswahl der Playoff-Enttäuschungen:

1. Leon Draisaitl/Connor McDavid (Edmonton)

Dem Superduo allein kann man nicht den Vorwurf machen, während den Playoffs 2021 besonders enttäuscht zu haben. Aber die Kaderstruktur der Oilers liess es nicht anders zu: „MacD“ und Draisaitl müssen das Team in den Playoffs noch stärker führen als eh schon während der Saison. Aber einmal taktisch an die Kette gelegt, verlieren sie an Effizienz.

2. Tristan Jarry (Pittsburgh) und Sergei Bobrowski (Florida):

Oje, das waren wohl einige Blackouts und Fehler zu viel bei Tristan Jarry von den Pittsburgh Penguins. Der junge Keeper verdiente sich das Vertrauen als Playoff Go-to-Guy zwischen den Pfosten. Aber leider für ihn und die Pens wackelten seine Nerven und er liess zu viele (haltbare) Gegentore zur Unzeit zu. Bei Bobrowski – immerhin einst der Königstransfer der Panthers und speziell als Playoffgoalie engagiert - war zu bemängeln, dass er kein entscheidender Faktor in der „Battle of Florida“ war.

3. Auston Matthews/Mitch Marner (Toronto):

Vollstrecker Auston Matthews und Wunderpasser Mitch Marner, das Traumduo der Qualifikation, muss man zwingend zu den Enttäuschungen zählen. Beide wurden von Phillip Danault mehrheitlich neutralisiert und erreichten eine für ihre Verhältnisse höchst bescheidene Effizienz vor dem Tor. Und nun werden sie halt wieder als „nicht playofftauglich“ eingestuft. Bis sie das Gegenteil beweisen wie beispielsweise Alex Ovechkin, der diesen Prozess auch schon durchmachen musste.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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