Ice-Genossen

Im ersten Teil meines Ausblicks auf die 2019/20 NHL-Saison werden wir uns auf die Schweizer Stürmer fokussieren.

Timo Meier
Icon Sportswire / Patrick Gorski

Positive Überraschungen: Timo Meier und Nico Hischier traue ich es zu, die 70-Punkte Marke zu knacken und für Nino Niederreiter und Kevin Fiala sind mehr als 50 Punkte möglich.

Fragezeichen: Um einen Stammplatz kämpfen müssen Denis Malgin, Gaëtan Haas und Sven Bärtschi, weshalb deren Produktion mit grösseren Unsicherheiten behaftet ist.

Timo Meier: Auch nach Breakout-Saison und neuem Millionenvertrag noch immer unterschätzt

Der 23-jährige Ostschweizer nahm letztes Jahr einen weiteren gewaltigen Schritt nach vorne und verdoppelte seine Produktion mit 66 Punkten, davon 30 Tore, in 78 Spielen beinahe. Prompt wurde er auch mit einer Vertragsverlängerung über vier Jahre und insgesamt $24 Millionen belohnt. Dieser Vertrag gibt Meier finanzielle Sicherheit und dürfte sich für die Sharks, welche auch dieses Jahr wieder sehr gute Playoff-Chancen haben, als Schnäppchen erweisen. Denn sie binden Meier damit bis dieser 27 Jahre alt wird, und damit über die vier typischerweise produktivsten Jahre, an sich. Dazu kommt, dass Meier ‘nur’ 10 Punkte im Powerplay erzielte und sich damit mit 56 Punkten bei Gleichbestand unter den Top 20 in der ganzen NHL (eiszeitbereinigt) klassierte. Das gleiche gilt in Sachen Tore bei Gleichzahl. Auch seine Puckbesitzwerte verbesserten sich weiter auf einen, insbesondere für einen so jungen Spieler, hervorragenden Wert von über 57%. Diese Statistik ist relevant, da Scheibenbesitz mit der beste Indikator dafür ist, wer ein Spiel gewinnen wird (da die Trefferquote normalerweise gegen einen Durchschnitt von etwa 10% tendiert); je weiter man über 50% ist, umso besser und umgekehrt.

Für das nächste Jahr erwarte ich einen weiteren Schritt nach vorne, allerdings nicht mehr einen so grossen wie in den beiden Vorjahren. Der Powerstürmer dürfte wiederum in der ersten oder zweiten Linie als linker Flügel neben Logan Couture bzw. Tomas Hertl auflaufen. Beides sind sehr gute Center, allerdings hat Meier sie meines Erachtens bereits letztes Jahr überholt und ist mittlerweile der beste Stürmer, und bald wohl auch Spieler der Sharks. Der Herisauer ist mittlerweile in der Lage, dank seiner Wucht einem Spiel selber seinen Stempel aufzudrücken und ist damit immer weniger von einem starken Spielmacher abhängig. Weiter dürfte er davon profitieren, dass er nach dem Abgang von Captain Joe Pavelski, dem besten Ablenker der Liga, auch auf mehr Eiszeit im Powerplay kommen dürfte und da hoffentlich einige von Pavelskis Ablenker- und Abstaubertoren ersetzen kann.

Ich erwarte dass sich seine Eiszeit auf rund 18 Minuten erhöht, davon eine knappe Minute mehr in Überzahl. Bei Gleichzahl erwarte ich eine ähnlich gute Produktion wie im Vorjahr, aber ich denke dass Meier seine Ausbeute im Powerplay verdoppeln wird auf 20 Punkte. Insgesamt rechne ich also mit 35 Toren und 41 Assists, oder 76 Punkte insgesamt in 82 Spielen. Meier ist ein echter Elitestürmer, mittlerweile unter den Top 10 auf seiner Position als rechter (oder linker) Flügel und neben Spielern wie Alexander Ovechkin oder Jamie Benn einer der besten, immer seltener werdenden Power-Forwards.

Nico Hischier: Wird er die 70-Punkte-Marke knacken?

Nico Hischier hat letzte Saison in jeder Hinsicht weitere Fortschritte im Vergleich zu seiner Rookie-Saison gemacht. Und dies notabene mehrheitlich ohne den vorjährigen MVP, Taylor Hall, an seiner Seite. Wohl erreichte er mit 47 Punkten deren fünf weniger als im Vorjahr, aber er spielte auch 13 Spiele weniger. Auf eine 82-Spiele Saison hochgerechnet, verbesserte er seine Ausbeute nämlich um vier Punkte auf deren 56. Er spielte in der ersten Linie, oftmals gegen hochkarätige Konkurrenz und wurde in allen Spielsituationen eingesetzt. Seine Puckbesitz-Werte verbesserten sich weiter auf gut über 50%, was angesichts seines jungen Alters beeindruckend ist.

Wohl hat New Jersey letztes Jahr die Playoffs verpasst, aber Hischier spielt dieses Jahr in einer deutlich verbesserten Mannschaft. Zumindest auf dem Papier sind die Devils das Team, welches sich in der Offseason klar am stärksten verbessert hat. Mit PK Subban, #1 Pick Jack Hughes und Nikita Gusev aus der KHL hat die Mannschaft drei Erstlinienspieler und potentielle (im Fall der beiden letzteren) Superstars an Bord geholt.

Hischier dürfte auch in der kommenden Saison wiederum als Erstliniencenter auflaufen. In ein paar Jahren allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ihn Jack Hughes auf dieser Position ablöst. In jedem Fall dürften die Devils aber in zwei bis drei Jahren eines der besten Centerduos haben mit Hughes als 1A und Hischier als 1B Option. Die Hall-Hischier-Palmieri Linie war absolut dominant vor zwei Jahren und dürfte diese Saison wieder so auflaufen, sofern Hall wieder voll gesund ist. Dies sollte es Hischier erlauben, seine bisherigen Bestwerte zu pulverisieren. Insbesondere da ich auch erwarte, dass der Walliser mehr eingesetzt wird, nämlich gut 19 Minuten pro Spiel, und auch mehr Eiszeit in Überzahl erhalten dürfte. Alles in allem erwarte ich bei Hischier in 81 Spielen 71 Punkte (27 Tore und 44 Assists) mit einer beinahe-Verdoppelung seiner Powerplayausbeute auf 21 Punkte. Damit wäre Hischier ausgezeichnet positioniert, um seinen ersten grossen Vertrag zu unterschreiben, welcher bei diesem Output auf ein jährliches Salär von um die $8m (unter Annahme einer Laufzeit von 6-8 Jahren) kommen dürfte.

Nino Niederreiter: Endlich in einer Position-um-zu-dominieren

Der 27-jährige Churer war seit Jahren ein Spieler mit ausgezeichneten Scheibenbesitzwerten (konstant über 50% in den letzten fünf Jahren mit einem Durchschnitt von über 53%), hoher Spielintelligenz und guten Defensivwerten. Bei den Wild erhielt er aber zu selten die Möglichkeit, dies wirklich auszuspielen mit zu wenig Eiszeit und weniger starken Mitspielern. Der Tausch zu den Hurricanes letzten Januar (welcher für die Canes mehr und mehr wie ein Homerun ausschaut) scheint all das geändert zu haben. In 36 Spielen mit Carolina erzielte Niederreiter einen Puckbesitz-Wert von überragenden 59% und erzielte mit 30 Punkten fast einen pro Spiel – beides Elitewerte. Er war auch mit ein Grund für den starken Saisonabschluss von Carolina und den Vorstoss in den Conference-Final. Dieses Jahr sind die Playoffs schon beinahe ein Muss und die Mannschaft hat sogar das Potential, die Metropolitan-Division zu gewinnen.

Angesichts der ausgezeichneten zweiten Saisonhälfte und der Chemie, welche Niederreiter mit Sebastian Aho und Teuvo Teravainen entwickelte, dürfte das Trio auch dieses Jahr wieder als erste Linie zusammen auflaufen. Niederreiter dürfte dabei nicht zuletzt die Rolle als Vollstrecker zukommen, historisch eine Schwäche der Mannschaft. Seine Position als rechter Flügel in der ersten Linie könnte durch die relative Schwäche von Carolina auf dieser Position noch weiter zementiert worden sein. Neben besseren Mitspielern dürfte Niederreiter weiter von mehr Eiszeit profitieren. In Minnesota spielte er nur je 14-16 Minuten pro Spiel, was sich auf über 18 in Carolina erhöhte.

Für die kommende Saison erwarte ich 17-18 Minuten Eiszeit pro Spiel für Niederreiter, davon gute zwei im Powerplay. In Sachen Punkte rechne ich mit deren 59 (27 Tore und 32 Assists) in 82 Spielen, was allesamt neue Karrierebestmarken für ‘El Nino’ wären.

Kevin Fiala: Neue Karrierebestwerte mit 53 Punkten in 80 Spielen

Kevin Fiala hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Nach 48 Punkten in der 2017/18-Saison bei den Predators produzierte der 23-jährige zwar letztes Jahr in einem ähnlichen Rahmen, machte jedoch keinen weiteren Entwicklungsschritt. Dies dürfte mit ein Grund gewesen sein, weshalb Nashville beschloss, ihn im Gegenzug mit Mikael Granlund zu den Minnesota Wild zu tauschen. Bei den Wild hatte Fiala einen enttäuschenden Saisonabschluss mit nur 7 Punkten in 19 Spielen, einer -12 Bilanz und den meisten Scheibenverlusten im Team. Vor ein paar Wochen schliesslich unterzeichnete Fiala einen neuen Brückenvertrag über zwei Jahre bei Minnesota zu einem jährlichen Salär von $3m. Nun hat er zwei Jahre Zeit, sein zweifellos vorhandenes grosses Potential auszuschöpfen womit ein längerer Vertrag mit einem deutlich höheren Jahressalär im Rahmen des Möglichen liegen dürfte. Fiala ist ein sowohl schlittschuhläuferisch wie auch stocktechnisch ungemein versierter Flügel mit einem guten Schuss und der Fähigkeit, seine Mitspieler zu finden. Weiter ist der junge Ostschweizer ein Spieler mit konstant guten Werten in Sachen Scheibenkontrolle – im 5-gegen-5 Spiel ist er in den letzten beiden Saisons auf Werte von 56% und 53% gekommen.

In den letzten beiden Saisons hat der ehemalige Erstrundendraft in 163 Spielen 87 Punkte (36 Tore / 51 Assists erzielt), entsprechend 0.54 Punkten pro Spiel. In der kommenden Saison sollte er in einer guten Position sein, um diese Werte zu verbessern. Er dürfte als linksschiessender Flügel auf der rechten Seite von Center Eric Staal und dem linken Flügel Jason Zucker in Minnesotas erster Linie auflaufen. Ich erwarte, dass er auch etwas mehr Eiszeit erhalten wird, nämlich 18 Minuten pro Spiel, davon gute zwei Minuten im Powerplay und dass er wiederum mehrheitlich im Angriffsdrittel aufs Eis geschickt werden wird. Angesichts dieser guten Ausgangslage traue ich es Fiala zu, seine Karrierebestwerte zu übertreffen. Ich erwarte in 80 Spielen 24 Tore und 27 Assists, oder insgesamt 51 Punkte bzw. 0.64 pro Spiel. Dennoch dürfte es für die Wild schwierig sein, die Playoffs zu erreichen, nicht zuletzt aufgrund der starken Konkurrenz in der Central Division.

Denis Malgin: Entscheidendes Jahr vor sich

Malgin hatte eine durchwachsene letzte Saison mit 16 Punkten (7 Tore / 9 Assists) in 50 Spielen bei nur knapp 13 Minuten Eiszeit pro Spiel. Seine Scheibenbesitzwerte waren in etwa im Bereich von 50% und damit leicht schlechter als in seinen beiden ersten Jahren in der NHL. Malgin unterschrieb Ende August einen neuen Einjahres-, Einwegvertrag bei den Panthers mit einem Salär von $700,000. Dies ist ein klassischer ‘Show me’-Vertrag und der 22-jährige wird dieses Jahr beweisen müssen, dass er das Potential zum NHL-Stammspieler hat.

Einen Stammplatz hat er nämlich auch dieses Jahr nicht auf sicher. Die Panthers verstärkten sich mit einigen Spielern, welche momentan in der Hackordnung vor ihm stehen. Weiter drücken mehrere Rookies mit Potential nach. Ich denke Malgin wird dieses Jahr etwas mehr spielen, nämlich 55 Spiele mit etwas mehr Eiszeit von rund 13 Minuten pro Spiel. Wenn er aufläuft, dann wohl mehrheitlich in der dritten oder vierten Linie links. In Sachen Punkteausbeute erwarte ich deren 23 (10 Tore / 13 Assists), womit sich Malgin zumindest die Option für einen möglichen neuen Vertag offenhalten würde.

Sven Bärtschi: Viele „Wenn“s

Der bald 27-jährige Flügelspieler hat eine weitere enttäuschende Saison hinter sich und bestritt nach einer weiteren Gehirnerschütterung nur 26 Spiele für die Vancouver Canucks. Dabei kam er zwar auf respektable 14 Punkte, oder auf gut einen halben Punkt pro Spiel, wovon einmal mehr als die Hälfte Tore waren. Dies überrascht insofern, als dass Bärtschi neben einem guten Schuss auch über starke Spielmacherfähigkeiten verfügt. Seine Scheibenbesitzwerte verschlechterten sich jedoch einmal mehr auf tiefe 45%. Entscheidend für Bärtschi wird in der kommenden Saison sein, dass er Verletzungen vermeiden kann, aggressiv auftritt und auf mindestens 60 Spiele kommt.

Im Idealfall, und ein solcher bedingt eine mehrheitlich verletzungsfreie Saison, dürfte Bärtschi in der zweiten Linie als linker Flügel neben dem unterschätzten Zweiwegcenter Bo Horvat auflaufen, mit dem er in der Vergangenheit gut harmoniert hat. Allgemein ist Bärtschis Konkurrenz auf dieser Position nicht erdrückend, aber mit JT Miller (welcher allerdings auch Center spielen kann) und Michael Ferland ist gerade hier der Konkurrenzkampf am stärksten befeuert worden. Ich rechne bei Bärtschi in 65 Spielen mit leicht erhöhter Eiszeit von 16 Minuten mit einer Punkteausbeute von 38 Punkten (18 Tore / 20 Assists). Damit wäre er angesichts seines Salärs von momentan knapp $3.7m auch nicht überbezahlt.

Gaëtan Haas: Meine frühere Prognose von 23 Punkten in 60 Spielen war wohl zu optimistisch

Über Gaëtan Haas hatte ich bereits vor ein paar Wochen geschrieben (Link) und dabei 8 Tore und 15 Assists in dieser Saison prognostiziert. Angesichts der Verpflichtung des soliden Zweiwegcenters Riley Shehean kurz danach sind Haas’ Chancen auf einen Stammplatz jedoch deutlich gesunken da Sheahan im Moment als Center des dritten Bocks gesetzt zu sein scheint. Für die Position des Centers des vierten Blocks ist neben Haas Colby Cave der Topkandidat. Die nächsten Tage dürften hier zu einer Entscheidung führen, wer die Saison auf dieser Position anfängt. In jedem Fall war meine Prognose für Haas wohl zu optimistisch.

Chancen auf NHL-Spiele diese Saison hat ausserdem Philipp Kurashev. Mehr dazu in einem späteren Post.

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